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Fokus Osteuropa

Kasachstan beschließt Bau eines umstrittenen Stausees

Das Projekt zum Bau des Koksaraj-Stausees könnte die laufenden Verhandlungen mit den Nachbarländern der Region über ein Wasser- und Energiekonsortium gefährden. Kritiker warnen zudem vor Umweltschäden.

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Auf einer Sitzung des kasachischen Ministerkabinetts ist beschlossen worden, in der Ebene des zweitgrößten Flusses Zentralasiens, des Syrdarja, einen Stausee zu errichten. In den Meldungen aus Astana wird besonders unterstrichen, dass es sich dabei um ein Projekt handele, das unmittelbar die nationale Sicherheit des Landes betreffe.

Das Hochwasser des Syrdarja, das in diesem Jahr im Süden Kasachstans fast 1.500 Häuser zerstörte und fast 13.000 Menschen obdachlos machte, sorgte wohl dafür, dass man in Astana nun handeln will. Trotz möglicher Proteste seitens Kirgisistans und Usbekistans hat die Regierung unter Karim Masimow den Bau des Koksaraj-Stausees beschlossen. Einige Mitglieder des Kabinetts erinnerten ihre Kollegen an die Verhandlungen mit Usbekistan, Kirgisistan und Tadschikistan über die Schaffung eines zentralasiatischen Wasser- und Energiekonsortiums. Sie warnten vor einem möglichen Scheitern der Bemühungen aufgrund des Baus des Koksaraj-Stausees. Dennoch hieß es, es gebe dazu keine Alternative.

Vorrang für nationale Interessen

Nach Ansicht der meisten kasachischen Regierungsvertreter könnte in Zukunft ein Wasser- und Energiekonsortium möglicherweise auf gerechte Weise die Ressourcen in der zentralasiatischen Region verteilen. Bislang handele aber jede der an den Verhandlungen beteiligte Seite ausschließlich im eigenen nationalen Interesse. So wurde während der Regierungssitzung in Astana festgestellt, dass beispielsweise Kirgisistan in schwierigen Zeiten schon oft mit Hinweis auf die Notwendigkeit, die Stromproduktion zu erhöhen, den Abfluss von Wasser aus dem Toktogul-Stausee erhöhte und im Gegenzug um Kohle- und Öllieferungen für die Städte Osch und Bischkek bat.

Kritik wurde auch an Usbekistan geübt. Der kasachische Vizepremier Umirsak Schukejew warf Taschkent vor, vor zwei Jahren gleich zwei Stauseen in der Arnasaj-Senke errichtet zu haben, ohne zuvor die Nachbarn zu fragen. Die Folge sei, dass Kasachstan nun jedes Jahr im Februar, März einen Teil der winterlichen Abflussmenge direkt in den Syrdarja leiten müsse und nicht wie früher in den Arnasaj-See ableiten könne. Das schade der Wirtschaft im Süden Kasachstans. Schukejew betonte, Taschkent habe dabei nicht die Verhandlungen zur Schaffung eines Wasser- und Energiekonsortiums berücksichtigt, sondern die Nachbarn einfach vor vollendete Tatsachen gestellt.

Beschluss trotz Umweltbedenken

Die Warnungen von Umweltminister Nurlan Isakow konnten allerdings die Position der meisten kasachischen Regierungsmitglieder bezüglich des Baus des Koksaraj-Stausees nicht ändern. Isarkow versuchte seine Kollegen davon zu überzeugen, erst Umweltgutachten erstellen zu lassen und öffentliche Anhörungen zum Bau des Stausees durchzuführen. Dabei machte er auf mögliche Umweltveränderungen in der Region aufmerksam. Seine Warnungen vor den möglichen wirtschaftlichen Folgen eines Scheiterns der Verhandlungen über ein Wasser- und Energiekonsortium wurden aber nicht berücksichtigt.

Den Schlusspunkt in der Diskussion setzte schließlich Premierminister Masimow: "Wir treffen heute die praktische Entscheidung, dass Koksaraj gebaut wird, und wir werden noch in diesem Jahr beginnen." Nach den Plänen der Regierung soll der neue Stausee 70 Kilometer von Schardara entfernt gebaut werden. Das Fassungsvermögen seines Beckens soll drei Kubikkilometer betragen. Die Fläche wird bei einer durchschnittlichen Tiefe von 6,5 Metern 466 Quadratkilometer erreichen. Wie Vizepremier Schukejew sagte, werde der von Kasachstan geplante Koksaraj-Stausee die Kapazitäten des Tschardar-Wasserkraftwerks erhöhen, womit das Projekt sich selbst finanzieren könne.

Anatolij Weißkopf

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