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Fokus Osteuropa

Kasachstan: Behörden beenden illegale Landnahme

Die Stadt Almaty hat im Rahmen der Bekämpfung der illegalen Landnahme etwa 500 Häuser dem Erdboden gleichgemacht. Darin hatten Menschen gelebt, die auf der Suche nach einem besseren Leben nach Almaty gekommen waren.

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Geblieben sind Ruinen

Noch am Morgen des 7. Juli riefen Bewohner des kleinen Stadtbezirks Bakaj in Almaty Journalisten verschiedener kasachischer und internationaler Medien an. Den Bewohnern zufolge ließ die Stadt seit 5 Uhr morgens vor ihren Häusern, die von den Behörden nicht genehmigt waren, schweres Gerät und Sicherheitskräfte auffahren. Die Bakaj-Bewohner erklärten, sie wollten ihre Häuser mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln verteidigen. Ein Einwohner berichtete der Deutschen Welle, die Menschen hätten Molotow-Cocktails bereitgestellt und einen Graben ausgehoben, damit das schwere Gerät ihre Häuser nicht erreicht.

Widerstand gebrochen

Die Anstrengungen der Bakaj-Bewohner waren aber vergeblich. Etwa 2.000 Polizisten umzingelten den Bezirk und neutralisierten jeglichen Widerstand. Etwa 40 Personen wurden festgenommen, von denen sich vier der Polizei heftig widersetzten. Danach gaben die Vertreter der Rechtsschutzorgane den Befehl zum Abriss der aus Lehm und Stroh bestehenden Häuser. Als erste wurden die 30 Häuser abgerissen, die laut einem Gerichtsurteil illegal errichtet wurden. Die restlichen Häuser wurden Vertretern der Stadtverwaltung zufolge auf Grundlage einer Verordnung des Gouverneurs von Almaty abgerissen.

2.000 Obdachlose

Die Folge der Maßnahme ist, dass nun mehr als 2.000 Menschen obdachlos sind. Eine ältere Frau sagte der Deutschen Welle, sie sehe keinen Ausweg aus der jetzigen Lage: "Fünf Kinder! Nirgendwo können wir hin! Ich habe zwei Enkel! Ich weiß nicht, wohin ich gehen soll!" Der älteren Frau zufolge siedelte sie gemeinsam mit ihrer 12köpfigen Familie aus dem Gebiet Ksyl-ordinsk nach Almaty über, wo sie immer noch arbeitslos ist. Da sie keine Miete zahlen konnten, erst recht kein Haus kaufen konnten, gingen sie in den Stadtteil Bakaj und erwarben dort für 1.000 Dollar bei einem Mann ein kleines Grundstück, auf dem sie dann später ein kleines Haus aus Lehm und Stroh bauten. Seit dem lebte dort die ganze Familie. Ende vergangenen Jahres stellten sich jedoch der Bau sowie der Kauf des Grundstücks als illegal heraus. Alle Behördengänge waren zwecklos. Die Beamten wollten mit ihnen gar nicht sprechen. Jetzt sind die Häuser zerstört.

Menschen harren aus

Viele Bewohner von Bakaj hatten gehofft, der Gouverneur von Almaty, Imangali Tasmagambetow, würde Verständnis für ihre Probleme zeigen. Doch die Menschen warteten am 5. und 6.Juli vergeblich auf seinen Besuch. Bislang liegt keine offizielle Stellungnahme der Stadtverwaltung zur Situation um den zerstörten Bezirk Bakaj vor. Am Ort des Geschehens weilten inzwischen die Führer der Oppositionsparteien und einige Parlamentsabgeordnete. Die Einwohner der zerstörten Häuser haben das Gebiet von Bakaj nicht verlassen und warten darauf, dass ihre Probleme gelöst werden.

Anatolij Weißkopf, Almaty
DW-RADIO/Russisch, 9.6.2006, Fokus Ost-Südost