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Geschichte

Kartograph von Weltrang

Gerhard Mercator ist auch 500 Jahre nach seinem Geburtstag aktuell. Ein Gespräch mit Mercator-Forscher Friedrich Wilhelm Krücken über die Mercator-Projektion, den Mensch Mercator und moderne Navigation per GPS.

***ACHTUNG: Die honorarfreie Reproduktion ist nur im Rahmen der aktuellen Berichterstattung zur Ausstellung bei Nennung der vollständigen Creditline erlaubt. Bei einer anderweitigen Nutzung sind Sie verpflichtet, selbständig die Fragen des Urheber- und Nutzungsrechts zu klären. Mit freundlicher Bitte um Zusendung eines Belegexemplars an konzeptschmiede-do, c/o Museum für Kunst und Kulturgeschichte, Hansastr. 3, 44137 Dortmund.*** Atlas von Gerhard Mercator, 1594, Sammlung kath. Gemeinde Voerde-Spellen Bild: Museum Voßwinckelshof Dinslaken

Atlas von Gerhard Mercator

Der Mercator-Forscher Friedrich Wilhelm Krücken beschäftigt sich seit 50 Jahren mit dem Wirken des Karthographen. Zum 500. Geburtstag von Gerhard Mercator hat er ein fünfbändiges Werk über sein Leben und Schaffen herausgebracht. Im Gespräch mit der Deutschen Welle erklärt er, warum Mercators Arbeiten heute noch aktuell sind. 

DW: Herr Krücken, Mercator war Philosoph, Mathematiker und ist ein weltbekannter Kartograph – welche Bedeutung hat sein Werk heute - ein halbes Jahrtausend später?

Friedrich Wilhelm Krücken: Was uns heute noch an Mercator bewegt, ist sein kartographisches Werk. Nicht nur, dass er die erste Kartensammlung unter dem Titel „Atlas“ herausgegeben hat. Er wagte schon 1569 einen ganz neuen Kartenentwurf, den er unter den Titel stellte "Zum Gebrauch für die Seefahrt". Dieser Kartenwurf wurde dann 25 Jahre später von den Engländern Harriot und Wright aufgegriffen. Sie haben den Entwurf mit mathematischen Mitteln aufgearbeitet, über die Mercator selbst nicht verfügte. Seine Genialität besteht darin, dass er mit einfachsten Mitteln diesen Entwurf entwickelt hat, der ihn unsterblich gemacht hat. Wenn wir heute von der Mercator-Projektion sprechen, geht das auf den Entwurf von 1569 zurück.

Friedrich Wilhelm Krücken erforscht seit 50 Jahren das Werk von Mercator Foto: Privat Zulieferer: Gudrun Stegen

Friedrich Wilhelm Krücken erforscht seit 50 Jahren das Werk von Gerhard Mercator

Was genau versteht man unter der Mercator-Projektion?

Das muss man im historischen Kontext sehen. Seit Columbus haben sich die Seefahrer auf die hohe See hinausgewagt, benutzten aber Karten, die gar nicht als Seekarten gedacht waren, weil sie in ihrer Konstruktion noch aus dem ersten Jahrhundert nach Christus stammten. Der berühmte Geograph Marinus von Thyros hatte sich die Erdkugel vorgenommen und geglaubt, man müsse die Kugel so, wie sie mit Meridianen und Breitengraden überzogen ist, eins zu eins aufs Papier übertragen. Das ist natürlich falsch. 30 Jahre lang hat Mercator sich mit dem Problem beschäftigt, wie man die kugelförmige Erde in ähnlichen Verhältnissen auf der ebenen Karte abbilden könnte. Dass ihm das mit einfachsten geometrischen Mitteln gelungen ist, macht seine Genialität aus.

In welchen Schritten hat sich diese jahrzehntelange Arbeit bei Mercator vollzogen?

Das wissen wir nicht genau, seine gedanklichen Schritte sind nirgendwo dokumentiert. Ich habe selbst versucht, die Geschichte seines Denkens nachzuvollziehen und bin auf die Idee gestoßen, dass er von quadratischen Plattkarten ausgegangen ist und erkannt hat, dass sich die Breiten, die auf der ebenen Karte aufgetragen sind, von Norden zum Äquator hin und nach Süden in unterschiedlich großen Abständen befinden müssen. Wie er aber diese Abstände konstruiert hat, das können wir heute nicht mehr nachvollziehen.

Die Mercator-Projektion bildet auch die Grundlage für unsere modernen Navigationsgeräte wie das GPS.

Da muss man vorsichtig sein. Das GPS ist ein Ortungsverfahren. Es benutzt die Physik und die Mathematik der Differenzial - und Integralrechnung, die Mercator nicht kannte. Aber wenn wir einen bestimmten Punkt auf der Karte suchen, benutzen die meisten GPS-Geräte Mercator-Projektionskarten.

Was weiß man eigentlich über den Menschen Gerhard Mercator?

Nur sehr wenig. Er muss ein sehr lern- und wissbegieriger junger Mann gewesen sein, aber auch ein sehr religiöser Mensch. Er wollte als Wissenschaftler ein Kosmograph sein, ein Weltbeschreiber, aber er hat sich auch mit der Diskrepanz zwischen  naturwissenschaftlichen Erkenntnissen und der religiösen Lehre befasst, Gott habe die Welt aus dem Nichts erschaffen. Und diese beiden Seiten, die Wissbegierde und die Religiosität, formten sein Wesen bis zum Schluss. 

Das Gespräch führte Gudrun Stegen
Redaktion: Sarah Hofmann

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