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Wirtschaft

Karstadt: Neuer Eigentümer, alte Probleme

Vor der ersten Aufsichtsratssitzung wächst die Unsicherheit, was der Sanierungskurs für die Mitarbeiter bedeutet – und worin er überhaupt bestehen könnte. Dass es jetzt schon Antworten gibt, ist aber unwahrscheinlich.

Am Donnerstag (11.09.2014) tagt erstmals der neuen Aufsichtsrat der Warenhauskette Karstadt unter dem neuen Eigentümer René Benko. Wie die Süddeutsche Zeitung (10.09.2014) unter Berufung auf interne Kreise meldet, könnten dabei die ersten Eckpfeiler des neuen Sanierungskonzepts vorgestellt werden. Verantwortlich zeichnet laut dem Bericht Miguel Müllenbach, der - als letzter in der Konzernspitze verbliebener von vormals drei Topmanagern - den Konzern seit dem Ausscheiden von Eva-Lotta Sjöstedt kommissarisch führt.

Karstadt Kaufhaus in München. imago/Reinhard Kurzendörfer

Der Münchener Oberpollinger gehört zu den Premiumfilialen

Nach Angaben der Zeitung ist nicht damit zu rechnen, dass bereits ein vollständiger Sanierungsplan vorgestellt wird. Ursprünglich war die Aufsichtsratssitzung bereits für Ende Juli geplant gewesen, um dringende Entscheidungen über die Ausrichtung des Konzerns zu treffen.

Der erste Aufschub war

dem Ausscheiden der Managerin Eva-Lotta Sjöstedt, der zweite dem Eigentümerwechsel geschuldet

: Überraschend hatte Nicolas Berggruen seine Anteile an den Tiroler Unternehmer Rene Benko und dessen Firma Signa Holding verkauft.

Ein Gesprächspunkt könnte nun

die Zukunftsausrichtung des Konzerns sein

: In einem Interview im Tagesspiegel spricht ein Mitglied des Aufsichtsrates, Arno Peukes, im Vorfeld der Sitzung über die Herausforderung, das Zielpublikum einzugrenzen und "vom demografischen Wandel [zu] profitieren". Hier seien in der Vergangenheit Fehler gemacht worden: Karstadt müsse sich nicht an H&M messen, "dieses Bunte-Vogel-Ding" sei zu viel gewesen.

Bewegte Vergangenheit

Die Warenhauskette Karstadt blickt auf eine

mehr als 130-jährige Geschichte zurück

. Besonders nach dem Zweiten Weltkrieg waren die Karstadt-Warenhäuser in Westdeutschland auch ein Symbol des Wirtschaftwunders. In den Folgejahren expandierte die Kette rasant: Sie schluckte selbst die größten Konkurrenten Neckermann, Hertie und Quelle.

Anfang des Jahrtausends geriet das Unternehmen dann in finanzielle Schwierigkeiten, kämpfte mit Verlusten und sinkenden Umsätzen.

2010 schließlich kaufte der Milliardär Nicolas Berggruen Karstadt für einen symbolischen Euro von Arcandor und aus der Insolvenz – und wurde zunächst von Politikern und Gewerkschaften als Retter gefeiert.

Doch

Berggruen blieb glücklos.

Zuletzt zeigten sich vor allem die Mitarbeiter enttäuscht: Ihre Hoffnung, dass er der richtige Mann sein könnte, um Karstadt wieder auf Kurs zu bringen, wurde nicht eingelöst.

Berggruen holte Eva-Lotta Sjöstedt an die Spitze - die nach nur fünf Monaten im Amt aufgab, angeblich, weil der Aufsichtsrat ihren Mitarbeiterfreundlichen Sanierungskurs nicht unterstützen wollte.

Berggruen, dann Benko

Rene Benko. Foto: dpa

René Benko, Gründer der Signa-Holding und Karstadt-Eigentümer

Mitte August schließlich übernahm der

Tiroler René Benko das Steuer.

Seine Finanzgruppe Signa Holding besaß bereits seit Ende 2013 die Premiumhäuser des Karstadt-Konzerns: das Hamburger Alsterhaus, das Berliner KaDeWe und die Münchner Filiale Oberpollinger. Benko zahlte damals für das Luxuspaket 300 Millionen Euro.

Die Boulevardzeitung Bild berichtete am Wochenende, dass bis zu 30 der 83 Filialen von der Schließung bedroht seien. Doch auch laut Bild wird es eine endgültige Entscheidung über einen möglichen Personalabbau am Donnerstag noch nicht geben. Für die verbliebenen 17.000 Karstadt-Mitarbeiter geht das Zittern also wohl noch eine Weile weiter.

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