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Politik

Karsai umwirbt die Taliban

Der afghanische Präsident Karsai hat die Taliban erneut zu Friedensverhandlungen aufgerufen. Auch der Westen setzt zunehmend auf die Einbindung so genannter gemäßigter Aufständischer am Hindukusch.

NATO-Generalsekretär Rasmussen und der afghanische Präsident Karsai (Foto: AP)

NATO-Generalsekretär Rasmussen (li) und der afghanische Präsident Karsai in Kabul

"Wenn die Taliban unsere Aufrufe zum Frieden Millionen Mal ablehnen, werden wir sie Millionen Mal öfter wiederholen", sagte Hamid Karsai am Dienstag (22.12.2009) bei einem Besuch von NATO-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen in Kabul. Karsai fuhr fort: "Wenn die Taliban wollen, dass die ausländischen Truppen Afghanistan früher verlassen, dann sollten sie kommen, verhandeln und Frieden bringen."

Die islamistischen Aufständischen haben bislang alle Verhandlungsangebote der Regierung in Kabul abgelehnt. Sie machen einen Abzug der ausländischen Truppen zur Vorbedingung für Gespräche.

Gewaltverzicht gefordert

In Berlin begrüßte der Sprecher der Bundesregierung, Ulrich Wilhelm, die erneute Initiative des afghanischen Präsidenten: "Die internationale Gemeinschaft ist bereit, diesen Ansatz zu unterstützen." Voraussetzung für Verhandlungen sei allerdings, dass die Taliban auf Gewalt verzichten und die Verfassung Afghanistans anerkennen würden.

Der Sprecher des Auswärtigen Amtes, Stefan Bredohl, ergänzte, die britische Regierung habe in ihrer Einladung zur Londoner Afghanistan-Konferenz Ende Januar bereits das Thema Reintegration von Aufständischen auf die Tagesordnung gesetzt. Nach den Worten Wilhelms muss die afghanische Regierung auf der Konferenz darlegen, wie sie sich den Anlauf zur Versöhnung und Wiedereingliederung genau vorstellt. Es gehe außerdem nicht nur darum, Taliban zu integrieren, sondern auch paschtunische Stammesführer.

Auch Guttenberg für Gespräche

Verteidigungsminister zu Guttenberg geht in Kabul an Bord eines Militärflugzeugs (Foto: AP)

Verteidigungminister zu Guttenberg am 12. November beim Besuch in Afghanistan

Bereits am Wochenende hatte Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg dafür plädiert, in Afghanistan mit gemäßigten Taliban zu sprechen. "Nicht jeder Aufständische bedroht gleich die westliche Gemeinschaft", sagte der CSU-Politiker der Zeitung "Welt am Sonntag". Er sei dafür, "zu Volksgruppen und Stämmen" offene Kommunikationskanäle zu halten, "solange man sich dadurch nicht selbst eine Falle stellt".

NATO-Generalsekretär Rasmussen sicherte bei seinem Besuch in Kabul zu, dass die Allianz so lange in Afghanistan bleiben werde, bis die Afghanen "aus eigener Kraft den Terrorismus" bekämpfen könnten. "Die Internationale Gemeinschaft wird an Ihrer Seite stehen, wird Sie schützen und dabei helfen, das Land wiederaufzubauen, bis Sie auf ihren eigenen Füßen stehen können", sagte Rasmussen an die Bürger Afghanistans gewandt. Die Übergabe von Verantwortung an die afghanischen Sicherheitskräfte werde sich an der Lage und nicht am Kalender orientieren. "Wir wie auch das afghanische Volk und die afghanischen Sicherheitskräfte bezahlen einen hohen Preis", sagte der Generalsekretär des westlichen Bündnisses. "Aber wir wissen, dass der Preis bei einem verfrühten Abzug weitaus höher wäre."

US-Präsident Barack Obama hatte Anfang Dezember die Entsendung von zusätzlichen 30.000 Soldaten nach Afghanistan angekündigt und zugleich versichert, Mitte 2011 werde der Abzug vom Hindukusch beginnen.

Fast 500 Soldaten getötet

Soldaten tragen die Särge in Afganistan getöteter Kameraden in die Stadtkirche von Bad Salzungen (Foto: AP)

Trauerfeier für drei in Afghanistan getötete Soldaten am 2. Juli 2009 in Bad Salzungen, Thüringen

Die NATO-geführte Afghanistan-Schutztruppe ISAF teilte am Dienstag mit, dass am Sonntag bei einem Gefecht im Süden Afghanistans ein britischer Soldat getötet worden sei. Nach einer Statistik des unabhängigen Internetdienstes "icasualties.org" starben in Afghanistan seit Jahresbeginn 499 ausländische Soldaten. Dies sind so viele wie in keinem Jahr zuvor seit dem Sturz der Taliban Ende 2001.

Autor: Michael Wehling (dpa/afp/apd)
Redaktion: Julia Elvers-Guyot

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