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Asien

Karsai in der Zwickmühle

Die Kluft zwischen der internationalen Gemeinschaft und der afghanischen Regierung in Kabul wächst. Beide Seiten werfen sich gegenseitig Fehler vor. Währenddessen driftet das Land immer weiter ins Chaos.

Barack Obama bei einem Überraschungsbesuch in Kabul im Frühjahr 2010 (Foto: AP)

Barack Obama bei einem Überraschungsbesuch in Kabul im Frühjahr 2010

Nach Angaben unabhängiger Beobachter starben in Afghanistan allein in diesem Jahr bereits 500 ausländische Soldaten - durch Selbstmordanschläge oder beim Kampf gegen die 2001 entmachteten Taliban. Deren Kämpfer haben angekündigt, dass sie ihren Kampf gegen die internationalen Truppen ausweiten wollen. Offensichtlich sind sie dazu auch in der Lage. Und das, obwohl die Zahl der ausländischen Soldaten im Land auf 150.000 aufgestockt worden ist.

Gegenseitige Schuldzuweisungen

Selbst bei der sogenannten Friedens-Dschirga im Juni 2010 schlugen die Taliban zu (Foto: AP)

Selbst bei der sogenannten Friedens-Dschirga im Juni 2010 schlugen die Taliban zu

Auf der Suche nach Ursachen für diese Entwicklung prangern US-Politiker vor allem die grassierende Korruption der Regierung in Kabul an. Das verärgert den langjährigen Partner der USA, den afghanischen Präsidenten Hamid Karsai. Der richtet einerseits immer neue Vorwürfe an die USA. Er kritisiert vor allem die US-Kriegsführung, die eine hohe Zahl ziviler Opfer fordert.

Karsai sei jedoch in einer Zwickmühle, glaubt der Afghanistan-Experte Sayed Jalal. "Karsai kann zurzeit weder mit den noch ohne die USA regieren. Die USA sind für ihn keine große Unterstützung, weil sie die Sicherheitslage nicht verbessern können."

Ohne die USA allerdings könnte Karsai sich keine 24 Stunden an der Macht halten, ist der Experte sich sicher. "Gleichzeitig ist der afghanische Präsident nicht in der Lage, ernsthaft gegen Korruption vorzugehen. Beide Seiten bekommen daher von einander nicht das, was sie sich wünschen." Das Vertrauen zwischen den Partnern sei zerstört, sagt Jalal. Darunter habe die afghanische Bevölkerung zu leiden.

Grundlegende Meinungsverschiedenheiten

Eine brennende Obama-Puppe im südafghanischen Jalalabad (Foto: AP)

Eine brennende Obama-Puppe im südafghanischen Jalalabad

Die US-Regierung fordert von Karsai, Korruption entschieden zu bekämpfen. Unter anderem wird auch Karsais Bruder beschuldigt, in Drogengeschäfte verwickelt zu sein. Karsai und sein Regierungsteam tun sich schwer, dagegen vorzugehen. Diese Konflikte zwischen Karsai und den USA sind jedoch nicht neu, meint Ahmad Rateb, ein Experte für internationale Politik an der Universität Kabul. "Die Beziehung zwischen Afghanistan und den USA ist schon seit 2001 nicht stabil. Es kracht immer wieder zwischen den beiden Partnern. Das Problem besteht vor allem darin, dass Präsident Karsai der US-Strategie zur Bekämpfung des Terrorismus in Afghanistan nicht viel abgewinnen kann. Er hat sie oft kritisiert."

Taliban-Kämpfer, die sich den afghanischen Behörden ergeben haben (Foto: DW)

Taliban-Kämpfer, die sich den afghanischen Behörden ergeben haben

Das Misstrauen zwischen den Verbündeten wird immer dann besonders augenfällig, wenn US-Truppen bei ihren Operationen gegen die Aufständischen auch afghanische Zivilisten töten. Vergangene Woche ließ Hamid Karsai seinem Unmut darüber im Gespräch mit US-Verteidigungsminister Robert Gates in Kabul freien Lauf. Kurz zuvor hatten NATO-Flugzeuge irrtümlich den Konvoi eines afghanischen Politikers unter Feuer genommen und zehn Mitarbeiter des Parlamentskandidaten getötet.Was die großen Ziele anbetreffe, sei man auf Seiten der USA, sagte Karsai. Es gehe vielmehr um die tägliche Praxis. "Wir kritisieren die alltägliche Umsetzung dieser Ziele. Wir verlangen Änderungen. Dies habe ich auch US-Verteidigungsminister Gates mitgeteilt."

Unrealistische Vorstellungen

Die Änderungswünsche, die der afghanische Präsident ausdrückte, sind bei der eigenen Bevölkerung populär. Aber nach Ansicht von Ahmed Rateb von der Universität Kabul trotzdem nicht zu erfüllen. "Karsai verlangt von den USA militärisches Eingreifen im benachbarten Pakistan, wo er die Zentren des Terrorismus sieht. Die USA verlangen ihrerseits von Kabul mehr Engagement im Kampf gegen die Korruption. Solange beide Seiten nicht gemeinsame Ziele formulieren, wird die Zusammenarbeit immer schwieriger."

Autor: Cem Sey / Mirwais Jalalsai
Redaktion: Mechthild Brockamp / eb / reyk