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Politik

Karsai gewinnt die Präsidentschaftswahlen

Die Stimmenauszählung in Afghanistan ist noch nicht ganz beendet, doch Übergangspräsident Hamid Karsai soll bereits mehr als die Hälfte der Stimmen erhalten haben. Sein Rivale Kanuni will das Ergebnis anerkennen.

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Auch ein Präsident musste sich zur Wahl registrieren lassen

Zwei Wochen nach der ersten Präsidentenwahl in der Geschichte Afghanistans steht Übergangspräsident Hamid Karsai an diesem Montag (25.10.2004) schon vor Ende der Stimmenauszählung als Sieger fest. Er kam nach Angaben der Wahlbehörde vom Vortag auf 55,3 Prozent oder 4,22 Millionen Stimmen. Die geschätzte Zahl aller abgegebenen gültigen Stimmen lag bei 8,11 Millionen, von denen bis zum späten Sonntagnachmittag 94,4 Prozent ausgezählt waren. Man sei sicher, dass Karsai die Wahl mit absoluter Mehrheit im ersten Durchgang gewonnen habe, sagte Karsais Wahlkampfleiter Noor Mohammad Qarqeen in Kabul.

Selbst wenn die Gesamtzahl der abgegebenen Stimmen die bisherigen Schätzungen übersteigen sollte, war nahezu ausgeschlossen, dass der derzeitige Interimspräsident Karsai noch unter die 50-Prozent-Hürde rutschen würde.

16 Prozent für Kanuni

Ein amtliches Endergebnis wird erst einige Tage nach dem Ende der Stimmenauszählung erwartet. Eine internationale Kommission untersucht derzeit noch Beschwerden der Kandidaten wegen Unregelmäßigkeiten bei der Wahl. Auf Platz zwei hinter Karsai folgte der frühere Erziehungsminister Junus Kanuni, der gut 16 Prozent der ausgezählten Stimmen auf sich vereinen konnte.

Kanuni erklärte am Sonntag, er werde das Ergebnis anerkennen. Allerdings müsse das ausländische Expertengremium zur Untersuchung etwaigen Wahlbetrugs öffentlich einräumen, dass es Unregelmäßigkeiten gegeben habe. "Wir wollen, dass der Betrug offen gelegt wird", erklärte Kanunis Sprecher Sijed Hamid Nuri. Im Interesse des Landes und zur Verhinderung einer nationalen Krise wolle man das Ergebnis aber anerkennen.

Probleme sollen untersucht werden

Bei den Beschwerden der Kandidaten geht es etwa um Schwierigkeiten mit der Tinte zur Markierung der Daumen der Wähler, verkürzte Öffnungszeitungen und Materialmangel. Internationale und afghanische Wahlbeobachter hatten die Wahl als überwiegend frei und fair gewertet, aber auch Probleme eingeräumt. Mit einem Sieg Karsais, der besonders von den USA unterstützt wird, war gerechnet worden.

Insgesamt standen am Samstag (9.10.2004)18 Kandidaten zur Wahl, zwei davon hatten allerdings zur Unterstützung Karsais aufgerufen. Die einzige Frau, Masuda Dschalal, kam auf 1,1 Prozent der ausgezählten Stimmen.

Anschlag in Kabul

Den Taliban war es entgegen ihrer Drohungen nicht gelungen, den Urnengang maßgeblich zu stören. Die Rebellen hatten aber Anschläge auch im laufenden muslimischen Fastenmonat Ramadan angekündigt. Beim ersten schweren Anschlag seit der Wahl in Afghanistan hat am Samstag ein Selbstmordattentäter im Zentrum Kabuls eine 23 Jahre alte Amerikanerin und ein zwölfjähriges afghanisches Mädchen mit in den Tod gerissen. Die Internationale Schutztruppe ISAF teilte am Sonntag (24.10.2004) in der afghanischen Hauptstadt mit, drei isländische ISAF-Soldaten seien bei der Explosion am Vortag verletzt worden. Außerdem wurden zwei Afghanen verletzt.

Insgesamt hatten sich trotz Drohungen der Taliban gut 10,5 Millionen Afghanen für die Wahl registrieren lassen, was die Zahl der geschätzten Wahlberechtigten überstieg. Nach den bis Sonntag ausgezählten Stimmen waren insgesamt 40 Prozent der Wähler Frauen. In südafghanischen Provinzen war ihr Anteil allerdings teils dramatisch niedrig und lag etwa in Urusgan nur bei zwei Prozent. (kap)

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