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Politik

Karsai fordert mehr Truppen in Afghanistan

Nachdem der oberste NATO-Kommandeur in Afghanistan, McChrystal, vor einem Scheitern am Hindukusch gewarnt hat, fordert jetzt auch der afghanische Präsident Karsai mehr Truppen, um die Taliban zu besiegen.

Amerikanischer Soldat (Foto: AP)

Mehr Soldaten nach Afghanistan?

"Unzureichende Ressourcen werden voraussichtlich zu einer Niederlage führen", heißt es in einer geheimen Lageeinschätzung von ISAF-Kommandeur Stanley McChrystal. "Sollte es nicht gelingen, innerhalb kurzer Frist die Initiative zu übernehmen und die Stoßkraft der Aufständischen abzuwenden, während gleichzeitig die Sicherheitskompetenz Afghanistans zunimmt, droht ein Zustand, in dem eine Niederschlagung des Aufstands nicht länger möglich ist".

Der richtige Ansatz

Hamid Karsai, Afghanistans Präsident (Foto: ap)

Hamid Karsai, Afghanistans Präsident

Der afghanische Präsident Hamid Karsai unterstützte diese Einschätzung: Eine Aufstockung der Truppen in seinem Land sei der richtige Ansatz, sagte er am Dienstag (22.09.2009). Karsai forderte die Alliierten außerdem auf, El Kaida Hochburgen jenseits der afghanischen Grenze ebenfalls anzugreifen.

Nach den Forderungen von McChrystal und Karsai erwartet das Weiße Haus nun, dass das amerikanische Militär in einem separaten Schreiben eine konkrete Truppenanforderung stellen wird. Eine solche Anfrage liege bislang allerdings nicht vor, teilte Regierungssprecher Robert Gibbs mit. Die Lage werde derzeit noch geprüft. Erst in einigen Wochen würden "Optionen für eine Truppenaufstockung" folgen, kündigte Gibbs an.

Liste über zusätzliche Soldaten

McChrystal (Foto: AP)

ISAF-Kommandeur Stanley McChrystal fordert ein stärkeres Truppenaufgebot

Seine Aufstellung zum künftigen Truppenbedarf der US- und NATO-Truppen in Afghanistan hat McChrystal nach offiziellen Angaben zwar schon abgeschlossen. Sie soll aber in den nächsten Wochen von der Regierung in Washington und im NATO-Hauptquartier in Brüssel begutachtet werden. Experten schätzen, dass er bis zu 30.000 zusätzliche Soldaten verlangt. Die Bundeswehr hat derzeit rund 4200 Soldaten im Norden des Landes stationiert.

Auf kurze Sicht werde die Zahl der Opfer unter den afghanischen und internationalen Sicherheitskräften weiter ansteigen, warnte der Kommandeur der Schutztruppe ISAF und der US-Truppen in Afghanistan. Die ISAF müsse verstärkt werden, da die einheimischen Kräfte noch nicht in der Lage seien, den Kampf anzuführen.

400.000 Sicherheitskräfte von Nöten

Taliban-Kämpfer (Foto: AP)

Die Macht der Taliban nimmt zu

Ferner sprach sich McChrystal für einen schnelleren Aufbau der afghanischen Sicherheitskräfte aus, deren Zahl auf insgesamt 400.000 Soldaten und Polizisten ansteigen sollte - und damit deutlich stärker als bisher geplant.

In der Lageeinschätzung werden die radikalislamischen Taliban als stärker werdender, intelligenter Feind beschrieben. Laut McChrystal rekrutierten die Islamisten systematisch Kämpfer in afghanischen Gefängnissen. Zugleich kritisierte der US-General Korruption und Machtmissbrauch in der afghanischen Regierung sowie das Scheitern der internationalen Truppen bei dem Vorhaben, die zivile Bevölkerung Afghanistans auf ihre Seite zu ziehen.

Kontakt zu den Einheimischen verloren

Die ISAF sei zu sehr mit dem Schutz der eigenen Soldaten beschäftigt. McChrystal: "Wir haben in einer Art und Weise operiert, die uns - physisch und psychologisch - von den Menschen entfernt hat, die wir beschützen wollen. Zusätzlich riskieren wir eine strategische Niederlage, wenn wir taktische Siege verfolgen, die zu zivilen Opfern oder unnötigem Kollateralschaden führen."

Die Schlussfolgerung des Generals war daher ebenso schonungslos wie bedrückend: Trotz aller Anstrengungen der ISAF und der Kabuler Regierung gehe die Initiative derzeit von den Aufständischen aus. Und dann wörtlich: "Die Lage in Afghanistan ist ernst, weder Erfolg noch Scheitern können als Selbstverständlichkeit angenommen werden." (sti/ako/uh/dpa/rtr/afp)

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