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Asien

Karsai bietet NATO schnelleren Übergang an

NATO-Generalsekretär Rasmussen hat in Kabul den Zeitplan für den Afghanistan-Abzug bekräftigt. Präsident Karsai bot hingegen an, den Übergabe-Prozess zu beschleunigen, Afghanistan sei dazu willens und bereit.

Die NATO halte an dem derzeitigen Abzugsplan der internationalen Truppen aus Afghanistan fest, sagte NATO-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen  am Donnerstag (18.10.2012) bei einem Besuch in Kabul. Damit widersprach er Spekulationen, es könne angesichts der in den vergangenen Monaten gehäuften "Insider-Angriffe" von afghanischen Sicherheitskräften auf verbündete ISAF-Soldaten zu einem beschleunigten Abzug kommen. Rasmussen sprach vor afghanischen und internationalen Journalisten von diesen Angriffen als Herausforderungen, die von internationaler und afghanischer Seite angenommen werden müssten:

"Die Feinde Afghanistans mögen ihre Taktik ändern, aber sie werden keinen Erfolg haben, sie werden das Vertrauen nicht untergraben, dass wir im Laufe der Jahre im ganzen Land aufgebaut haben. Sie werden keinen Keil zwischen uns und unsere afghanischen Partner und Freunde treiben, sie werden uns weder von unserem Auftrag, von unserer Strategie noch von unserem Zeitplan abbringen", unterstrich Rasmussen.

Lob für die afghanische Armee

Präsident Hamid Karsai auf NATO-PK in Kabul (Foto: Afghan Eyes)

Karsai ist gegen "Einmischung" in Afghanistans Wahlprozesse

Bis Ende 2014 sollen alle Truppen abgezogen sein. Eine neue NATO-Mission soll keine Kampftruppen mehr beinhalten, sondern die afghanische Armee lediglich unterstützen und beraten. Afghanistan werde langfristig unterstützt und nicht alleingelassen, so Rasmussen, der an die afghanische Seite gerichtet viel Lobendes zu sagen hatte: "Die afghanischen Sicherheitskräfte haben bereits viel erreicht. Sie sind verantwortlich für die Sicherheit von drei Vierteln der Bevölkerung; wo sie zuständig sind, ist die Gewalt gesunken. Ihre Armee hat bei 80 Prozent aller Operationen das Kommando, und sie führt 85 Prozent der Ausbildung durch. Das ist ein Fortschritt, auf den wir alle stolz sein können", bilanzierte der NATO-Generalsekretär.

Rasmussen zeigte sich zuversichtlich, dass Afghanistan für die kommenden Präsidentschaftswahlen im Frühjahr 2014 vorbereitet sei. Präsident Karsai teilte diese Meinung und fügte hinzu, dass "ausländische Einmischung" im Wahlprozess unerwünscht sei. "Die Anwesenheit von Ausländern in der Wahlbeschwerdekommission steht im Gegensatz zur Souveränität Afghanistans", so Karsai. Die fünfköpfige, zum Teil von den UN besetzte Kommission (ECC) hatte hunderttausende Stimmen bei den Präsidentschaftswahlen von 2009 für ungültig erklärt. Wahlbeobachter aus dem Ausland seien zwar willkommen, führte Karsai weiter aus, aber sie dürften sich nicht "in den Wahlprozess einmischen."

"Pakistan ist schuld"

Anders Fogh Rasmussen in Kabul (Foto: Afghan Eyes)

Rasmussen lobt Fortschritte und Vertrauen

Zum Zeitplan des NATO-Truppenabzugs sagte Karsai, das Land sei bereit für einen früheren Abzug als geplant: "Die Afghanen sind bereit und willens, den Übergangsprozess nötigenfalls zu beschleunigen." Karsai bezeichnete das als "eine gute Nachricht für uns und für die NATO." Er wolle im Namen des afghanischen Volkes "unsere Bereitschaft bekräftigen, den Übergang zu vollenden, und sollten wir das schneller als geplant schaffen, sind wir dafür bereit und glücklich darüber", betonte der  afghanische Präsident, dessen reguläre Amtszeit im Mai 2014 endet.

Karsai betonte, dass es in den vergangenen elf Jahren in Afghanistan erhebliche Fortschritte gegeben habe, jedoch der andauernde Terrorismus für  Rückschläge verantwortlich sei. Als Schuldigen nannte er Pakistan, das als Rückzugsraum für die Taliban diene. Pakistan könne den Extremismus nicht für seine Zwecke nutzen. "Der Extremismus ist wie eine Schlange: Bevor man sich versieht, wendet sie sich gegen einen selbst und seine Nachbarn." Karsai ging auch auf das Attentat gegen die junge pakistanische Aktivistin Malala Yousafzai ein. Es sollte Pakistan vor der Instrumentalisierung des Extremismus eine Warnung sein. Und: Der Terrorismus in beiden Ländern könne nur gemeinsam bekämpft werden.

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