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Asien

Karrieresprungbrett Shanghai

Ein Praktikum im Ausland - das macht sich gut im Lebenslauf. Früher zog es junge Deutsche vor allem in die USA, mittlerweile zählt auch China zu den beliebten Einsatzorten. Zum Beispiel die 20-Millionen-Stadt Shanghai.

Skyline von Shanghai (Foto: dpa)

Skyline von Shanghai

Das Mural ist eine geräumige Kellerbar in Shanghai. Von den Wänden lächeln Buddhas herab. Auf den Sofas haben sich rund zwei Dutzend Praktikanten aus Deutschland versammelt. Einmal im Monat lädt die deutsche Außenhandelskammer zum Praktikantenstammtisch ins Mural. Die Gelegenheit zum Austausch wird vom Nachwuchs gern angenommen. Denn nichts in China ist so, wie man es sich vorgestellt hat.

Alina Gansen macht ein Praktikum am deutschen Konsulat in Shanghai. Sie ist schon zum zweiten Mal in China, kann sich aber noch gut an ihre ersten Eindrücke erinnern: "Ich habe mich relativ lange auf den Aufenthalt vorbereitet, und es war dann doch krass, wie sich die Vorstellung von der Realität unterscheidet." Praktikum in Shanghai - da ist der Kulturschock inklusive, meint auch Benjamin, der bei einer Logistikfirma arbeitet. Er hatte erst das Gefühl, wirklich angekommen zu sein, "als ich verstanden habe, wie ich mich morgens in der U-Bahn zu bewegen habe".

Kalkulierte Karriereplanung - oder auch Zufall

Ausländer in Shanghai (Foto: DW)

Grundsätzlich gibt es zwei Gruppen von Praktikanten: Jene, die sich durch ein Ostasienstudium ohnehin auf China spezialisiert haben – und sich mit ihren Chinesisch-Kenntnissen in Shanghai sicher bewegen können. Und jene, die einen ganz anderen fachwissenschaftlichen Hintergrund haben. Manche sind auch eher zufällig in Shanghai gelandet - so wie Markus Papst. Er wollte ursprünglich nach New York - aber dann kam die Wirtschaftskrise. "Dann wollte ich in eine andere große Stadt mit einer schönen Skyline, und so bin ich dann hier in Shanghai gelandet."

Ob Absicht oder Zufall – ein Praktikum in Shanghai kann durchaus zum Karrieresprungbrett werden. Das meint jedenfalls Selma Koehn, Sprecherin der deutschen Außenhandelskammer in Shanghai. Der Grund: Im chinesischen Ausland kommen Praktikanten den Führungskräften näher, als das in Deutschland üblich ist. "Durch ein Praktikum in Shanghai bekommen die Praktikanten viel eher die Chance, Entscheidungsträger aus der Wirtschaft oder aus der Politik kennenzulernen", erklärt Koehn. So gebe es bei der AHK beispielsweise Kameraabende oder Workshops, bei denen man auch mit den Führungskräften "in lockerer Atmosphäre plauschen kann".

Shanghai von oben (Foto: AP)

Shanghai von oben

Vitamin B durch Auslandspraktikum?

Ein Praktikant am deutschen Konsulat - mit einem druckfrischen Diplom im Gepäck - verfolgt genau diese Strategie. Er wisse zwar, dass das Auswärtige Amt nicht unbedingt das sei, was er wolle, aber er erwarte sich von diesem Praktikum schlicht und einfach Kontakte, so der junge Mann.

Moritz wiederum studiert Maschinenbau an der Technischen Universität Aachen. Sein Praktikum bei einem großen deutschen Konzern in Shanghai macht ihm Lust auf den Beruf, weil er für einen Praktikanten ungewöhnlich viel Verantwortung trägt. "Ich bin hier eigentlich eingesetzt wie ein richtiger Ingenieur. Ich bekomme ein Projekt, das ich betreue beziehungsweise selbst durchführe. Aber es sagt mir keiner, wie ich es machen soll." Das müsse er sich selbst erarbeiten, erkärt Moritz stolz.

Tücken des Alltags

Blick auf einen Markt nahe dem Vergnügungsviertel von Nanjing (Foto: dpa)

Blick auf einen Markt nahe dem Vergnügungsviertel von Nanjing

Wer einen Praktikumsplatz in Shanghai sucht, der kann auf der Internetseite der Außenhandelskammer seinen Lebenslauf posten. Dort bieten auch Unternehmen ihre Praktikumsplätze an. Im Regelfall wird mindestens ein Teil der Reisekosten übernommen und die Firmen helfen außerdem bei der Wohnungssuche. Viele Praktikanten wohnen in Wohngemeinschaften. Zu ihnen gehört vielleicht bald auch Benjamin Alweißi. Er hat gerade eine weniger schöne Erfahrung machen müssen: Aus für ihn ungeklärtem Grund wurde er aus seiner Wohnung geworfen. Vielleicht ist auch deshalb sein Fazit nach fünf Wochen Shanghai: "Hier kann dir alles passieren."

Autor: Matthias von Hein
Redaktion: Esther Broders