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Kultur

Karriere-Ende mit schalem Beigeschmack

Nun ist er also vom Rad gestiegen: Jan Ullrich, Deutschlands einstiger Vorzeige-Radprofi. Ein unrühmlicher Abschluss einer Karriere, die so großartig begonnen hatte - meint Stefan Nestler.

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Ullrich war - das räumen selbst seine größten Konkurrenten auf dem Rad ein - ein Jahrhunderttalent. Schon als 19-Jähriger Amateurweltmeister, mit 23 Jahren Tour-de-France-Sieger, als erster und bisher einziger Deutscher. Viele sahen damals in ihm einen neuen Eddy Merckx, der auf Jahre hinaus die Szene dominieren würde. Doch es wurde eine Karriere mit Höhen und Tiefen.

Fünf Mal beendete Ullrich die Tour als Zweiter, nie mehr als Gewinner. Er wurde Olympiasieger, zwei Mal Weltmeister im Zeitfahren. 2002 saß er eine halbjährige Sperre ab, weil er aus Frust Ecstasy-Pillen geschluckt hatte. Der Super-Gau folgte dann am Vortag der Tour de France 2006. Ullrich wurde aus dem Rennen genommen, weil er zu den Verdächtigen einer Dopingaffäre in Spanien zählte.

Alles Humbug, sagt Ullrich. Nichts habe er sich vorzuwerfen, nie habe er jemanden betrogen oder geschädigt. Das Wort Doping fiel in diesem Zusammenhang nicht. Zufall? Vielleicht, vielleicht aber auch nicht. Denn nach wie vor stehen jene Fragen im Raum, die seit acht Monaten unbeantwortet sind. Warum etwa hat Ullrichs Arbeitgeber T-Mobile damals so schnell reagiert und ihn vor die Tür gesetzt?

Ohne Not opfert keiner sein bestes Pferd im Stall. Und warum hat sich Ullrich so lange geweigert, eine DNA-Probe abzugeben? Er selbst sagt jetzt, er traue den spanischen Ermittlern nicht. Doch warum wandte er sich dann nicht umgehend an die deutschen Behörden, um schnell seine Unschuld zu beweisen und wieder Rennen fahren zu können?

Er sei kein Schwerverbrecher, argumentiert Ullrich. Damit hat er natürlich Recht, aber ist er darum auch ein sauberer Sportler? Geht es nach Ullrich, sind nur die anderen schuld: die Medien, der Chef des Bundes Deutscher Radfahrer, Rudolf Scharping, der Dopingexperte Werner Franke oder eine Rechtsprofessorin, die ihn wegen Betrugs verklagt hat.

Ullrich als Opfer von Profilierungssüchtigen, als Sündenbock, als Radsport-Märtyrer? Ganz falsch liegt er damit nicht, ganz richtig aber auch nicht. Zu Recht darf Ullrich darüber verbittert sein, dass die meisten seiner dopingverdächtigen Profikollegen inzwischen wieder auf dem Rad sitzen. Doch das kann auch an den schlampigen Ermittlungen liegen und heißt nicht unbedingt, dass alle Vorwürfe aus der Luft gegriffen waren. Schade! Eine große Sportkarriere geht mit einem schalen Beigeschmack zu Ende.

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