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Europa

Karottenpfeife und Auberginen-Schlagzeug

Wie Gemüse aussieht und schmeckt, weiß jeder. Aber wie klingt es? Das "Erste Wiener Gemüseorchester“ führt es vor. Sie holen Töne aus Karotten, Lauch, Ingwer und Zucchini – ihre Konzerte sind ausverkauft.

Das Gurkophon

Das Gurkophon

Eigentlich sollte es ein einmaliges Experiment bleiben, doch mittlerweile gibt es das "Erste Wiener Gemüseorchester“ allerdings schon elf Jahre. Seine zwölf Mitglieder spielen experimentelle Musik auf essbaren Instrumenten, wie Karottenflöten, Paprika-Tröten oder dem Gurkophon. Jörg Piringer ist von Anfang an mit dabei. Mit zwei Paprikas, die er aneinander reibt, verursacht er ein quietschendes Geräusch. Er beherrscht allerlei Gemüse und hat auch seine Favouriten: "Man kann jedes Gemüse als Instrument verwenden, manche klingen nur nicht so toll. Diese zwei Karotten zum Beispiel sind nicht so aufregend. Aber hier - diese Aubergine!“ Verstärkt könne sie durchaus zu einem ziemlich gewaltigen Schlaginstrument werden. Bearbeitet man sie weiter, würde sie eine wieder andere Charakteristik bekommen.


Instrumente zubereiten

Die Musiker des Gemüseorchesters am Wasser-Meerrettich, der Mohrrüben-Flöte und und am Gurkophon (v.l.)

Die Musiker des Gemüseorchesters am Wasser-Meerrettich, der Mohrrüben-Flöte und und am Gurkophon (v.l.)

Piringer sitzt mit seiner Mitmusikerin Susanna Gartmeyer auf einem der alten Sofas im Proberaum des "Gemüseorchesters“ im vierten Wiener Bezirk in einer ehemaligen Ladenwohnung. Vor ihnen steht eine bunte Mischung frischen Gemüses. Sie müssen ihre Instrumente vor jedem Auftritt neu herstellen. "Manchmal kriegt man viele Töne raus, manchmal nur einen oder zwei“, sagt Piringer, der sich mit Bastelmesser und Akkubohrer an einer Möhre zu schaffen macht. Kollegin Gartmeyer greift zu einer Lauchstange, schabt die feine äußere Schicht ab und bläst auf dem vibrierenden Lauchblatt, genau wie ein Kind, das auf der Sommerwiese ein Pfeifen aus einem gespannten Grashalm herauszieht. Die Töne, die sich dem Gemüse entlocken lassen, müssen verstärkt werden, um bei Auftritten in großen Sälen gehört zu werden.


Im Programm des Orchesters befindet sich zum Beispiel die Coverversion eines "Kraftwerk“-Stückes, doch normalerweise die eigenen Kompositionen. Sie wollen nicht ins Komödiantische abrutschen, denn nicht nur die Instrumente, sondern auch der Klang ist experimentell. Der Ablauf der Stücke werde graphisch festgehalten, aber es gehöre Improvisation zu jedem Auftritt, sagt Susanna Gartmeyer. Unwägbarkeiten gibt es genug: "Man kann sich nicht einmal sicher sein, ob das Instrument, das einzusetzen ist, funktioniert“. Es passiert oft das Unvorhergesehene und dann müsse man sich etwas Anderes ausdenken.


Riechen, hören, sehen und schmecken

Zwei Karottenflöten

Zwei Karottenflöten

Dass sich eine wabblige Karotte verstimmt oder eine Fenchelknolle das Ende des Konzerts nicht in seiner ursprünglichen Form überlebt - darin besteht, so Gartmeyer, gerade die musikalische Herausforderung. Es geht den Musikern nicht nur um die Töne: Jörg Piringer sieht das Gemüseorchester als Gesamtkunstwerk: "Wenn man ein Konzert besucht und das Glück hat, in der ersten Reihe zu sitzen, dann hat man den Klang, man sieht uns und man riecht uns auch“. Vor längerer Zeit spielten sie ein Stück mit Zwiebeln, bei dem die Augen zu tränen begonnen hätten, so Piringer. Am Schluss des Konzerts gebe es eine Suppe, damit seien auch die Geschmacksnerven angesprochen.

Die Suppe, die die Zuhörer am Ende eines jeden Konzerts zur Stärkung bekommen, bereiten die Musiker meist schon beim Instrumentenschnitzen zu. Es ist der krönende Abschluss, auf den die Musiker besonders stolz sind. Doch nicht nur ihr Publikum wird satt. Die internationalen Tourneen des Gemüseorchesters sind inzwischen so erfolgreich, dass sich Piringer und Gartmeyer von der Musik auch ernähren können.

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