Karneval 2018: Kölner Rosenmontagszug soll politischer werden | Lebensart | DW | 26.01.2018
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Lebensart

Karneval 2018: Kölner Rosenmontagszug soll politischer werden

Mehr als 300 Tonnen süßes Wurfmaterial kommt bei den Karnevalsumzügen zum Einsatz. Besucher achten meist mehr auf "Kamelle und Strüssje" als auf die Motive der Wagen. Trotzdem gibt es politische Botschaften.

Viele Themen für die diesjährigen Karnevalswagen bergen wenig Überraschendes: Die GroKo, also die Große Koalition aus CDU/CSU und SPD, US-Präsident Trump und der türkische Staatspräsident Erdogan. Dabei wollten die Kölner Karnevalisten beim Rosenmontagszug 2018 eigentlich politischere Themen aufs Korn nehmen.

"In den vergangenen Monaten ist einfach so viel passiert, so dass wir gar nicht daran vorbeikommen, es zu karikieren", sagte Zugleiter Alex Dieper am Freitag (26.01.2018) bei der Vorstellung der Entwürfe für die Persiflagewagen. Jeder Wagen orientiere sich an dem diesjährigen Sessionsmotto "Mer Kölsche danze us der Reih" ("Wir Kölner tanzen aus der Reihe"), das sich inhaltlich durch alle Motive des diesjährigen Kölner Karnevals zieht.

Entwurf für Rosenmontagswagen mit Diktator Kim Jong-un (picture-alliance/Festkomitee Kölner Karneval)

Schmutziges Tanzen: Diktator Kim Jong-un übt den Abwurf der Atomrakete

Ein Motiv zeigt zum Beispiel den nordkoreanischen Machthaber Kim Jong Un beim "Dirty Dancing" mit einer Atomrakete. Eine Bildgestaltung, die sich eher am Rande der Geschmacklosigkeit bewegt. Die Motive sollen offenbar auch bei höherem Alkoholpegel verstanden werden. Ein anderer Wagen mit dem Titel "Schweinepolka" thematisiert die #MeToo-Kampagne und wirkt dabei selber sexistisch. Seit Bekanntwerden des Weinstein-Skandals 2017 macht der Hashtag nachhaltig im Netz auf sexuelle Belästigungen und sexuelle Gewalt gegen Frauen aufmerksam. 

Eine Million Zuschauer jedes Jahr

Auch die deutsche Bundesregierung bekommt traditionell ihr Fett weg: Auf einem Wagen zur eventuell nochmal neu zustande kommenden Großen Koalition sitzen die geschäftsführende Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU)und SPD-Chef Martin Schulz auf zwei Schaukeln, die in einer "Großen Kollision" gegeneinander zu prallen drohen.

Entwurf für Rosenmontagswagen zum Klimawandel: zwei Eisbären beim letzten Tango (picture-alliance/Festkomitee Kölner Karneval)

"Der letzte Tango": Klimawandel als diesjähriges Karnevalsthema

Thematisiert werden u.a. auch der weltweite Klimawandel, der umstrittene Video-Schiedsrichter in der Fußball-Bundesliga und die Inhaftierung von Reisenden in der Türkei. Manches gehört bei den aktuellen politischen Bezügen der Kölner Motivwagen eher in die Kategorie "grenzwertiger Humor".

In Düsseldorf wird 2018 der erste jüdische Motto-Wagen zu Ehren des deutschen Dichters Heinrich Heine im traditionellen Rosenmontagszug mitfahren. 

Heinrich Heine auf erstem jüdischen Karnevalswagen in Düsseldorf (picture-alliance/dpa/D. Young)

Dieser Düsseldorfer Mottowagen widmet sich dem jüdischen Dichter Heinrich Heine

Karnevalzüge sind ein Wirtschaftsfaktor

Insgesamt werden beim diesjährigen Kölner Rosenmontagszug am 12. Februar 26 Motivwagen und 44 reich dekorierte Festwagen mitfahren, 70 Trecker sind dafür im Einsatz. Das verwendete Material für den Bau der Motto-Wagen ist beeindruckend hoch: 4.000 Meter Dachlatten, 15.000 Meter Bindedraht, 2.000 Quadratmeter Maschendraht, 320 Quadratmeter Hartfaser-/Span- und Tischlerplatten werden jedes Jahr verbraucht. 1.800 Kilogramm Nägel, Schrauben und sonstige Kleinteile sind nötig, sowie 1.000 Kilogramm Farbe sowie reichlich Kleber, Kleister, Schaumstoff und Styropor, bis die großen Figurenwagen fertig gebaut sind.

Als fertiggebaute Wagen werden die Motive am 6. Februar 2018 der Öffentlichkeit präsentiert – wieder pünktlich um 11.11 Uhr in Köln.

hm/so (dpa/express.de)

 

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