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Afrika

Kari: "Den Krieg an seinen Opfern messen"

Islamisten halten Nigerias Bevölkerung in Atem - und das trotz immenser Verteidigungsausgaben. Das Geld bleibe in den Händen einer kleinen Elite, sagt der nigerianische Politikwissenschaftler Garba Umar Kari.

Nigerianische Soldaten in Yola, Nigeria, im Mai 2013 Foto: picture-alliance/dpa

Nigerianische Soldaten auf dem Weg nach Yola, Nigeria

Deutsche Welle: Herr Kari, die islamistische Miliz Boko Haram, die sich vor Jahren in Nigerias Nordosten gründete, übersät das Land mit Anschlägen. Regierung und Militär zeigten sich bisher unfähig, den Terror zu beenden. Seit Präsident Goodluck Jonathan vor einem Jahr den Ausnahmezustand verhängte, scheint sich die Situation sogar noch verschlechtert zu haben. Was ist dran an dem Gerücht, das Militär unterstütze Boko Haram?

Garba Umar Kari: Ich bete inständig, dass dies nur Gerüchte sind. Sollten sie sich als wahr herausstellen, haben wir ein ernsthaftes Problem. Ich weiß, dass es Korruption in der Armee gibt, dass Nigeria nicht in der Lage ist, seine Truppen ausreichend zu bewaffnen. Aber ich bin mir nicht sicher, ob es dort wirklich Fraktionen gibt, die Boko Haram unterstützen.

Im kommenden Jahr (2015) wählt Nigeria einen neuen Präsidenten. Ist es Zufall, dass diese Gerüchte ausgerechnet im Jahr vor den Wahlen die Runde machen?

Unglücklicherweise setzen einige Menschen im Umfeld des Präsidenten viel Energie darein, die große Unsicherheit in Nigeria mit den bevorstehenden Wahlen in Verbindung zu bringen. Das ist einer der Gründe, warum das Problem Boko Haram so schwer zu bewältigen ist: Als würde jemand nach Osten blicken, der eigentlich nach Westen blicken sollte. Ich bin der Ansicht: Der Versuch, die Probleme innerhalb der Armee und mit Boko Haram mit den Wahlen 2015 zu verknüpfen, ist nicht vertretbar, er ist kontraproduktiv, unnötig und irreführend.

Wer profitiert von der Unsicherheit und vom Krieg in Nigeria?

Es gibt die Profiteure. Dazu gehören die Generäle und die obere Schicht des nigerianischen Militärs, die sich an dem hohen Verteidigungsbudget sattgefressen haben. Dabei leiden alle Nigerianer, leidet ganz Afrika und die internationale Gemeinschaft unter dem Boko-Haram-Problem und der Unsicherheit in Nigeria. Wir sollten diesen Konflikt an seinen Opfern und nicht an den Profiteuren messen.

Die Generäle profitieren?

In den vergangenen drei Jahren ist ein Drittel des nigerianischen Budgets in die Verteidigung geflossen. Wir reden hier von nicht weniger als einer Billion Naira (4,5 Milliarden Euro). Wenig bis nichts ist dabei herumgekommen. Dieses Geld ist nicht mehr in der Staatskasse, das heißt, dass es bei den Generälen und einigen Verantwortlichen aus dem Regierungsapparat angekommen sein muss. Auf der anderen Seite hat es Beschwerden von einfachen Soldaten gegeben, besonders von Soldaten, die in den Gebieten stationiert sind, die unter Ausnahmezustand stehen. Diese Leute beanstanden, dass nicht einmal für die Erfüllung ihrer täglichen Bedürfnisse gesorgt ist.

Nigerias Präsident Goodluck Jonathan - ein Christ - wird voraussichtlich im kommenden Jahr ein drittes Mal kandidieren. Das wäre ein heikler Schritt in einem Land, in dem sich die christlichen und muslimischen Bevölkerungsgruppen auf eine komplizierte Machtteilung geeinigt haben: Christen und Muslime sollen sich an der Spitze abwechseln. Wie stehen die hohen Militärs zu den Plänen des Präsidenten?

Das Militär sollte sich immer der zivilen Regierung unterordnen. Es sollte sich nicht übermäßig darum kümmern, wer es regiert. Es steht den Militärs nicht zu, das für den Rest des Landes zu entscheiden. Ihre Hauptverantwortung ist schließlich, das Land vor Angriffen von außen zu schützen und intern den Frieden zu sichern. Vielleicht haben sie ihren Kandidaten. Aber ich erwarte Professionalität, und ich erwarte, dass sie mit derjenigen Person zusammenarbeiten, die die Nigerianer in einem freien, fairen und transparenten Wahlprozess bestimmen.

Garba Umar Kari ist Politikwissenschaftler und politischer Analyst an der Universität von Abuja.