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Nachruf

Kardinal Meisner - Nachruf auf einen kämpferischen Gottesmann

Streitbar, stur, konservativ: Joachim Meisner war einer der profiliertesten Köpfe des Katholizismus in Deutschland. Jetzt ist der frühere Kölner Erzbischof im Alter von 83 Jahren gestorben.

Es ist ein leuchtendes Farbenmeer: Vor genau zehn Jahren wurde Gerhard Richters Bleiglas-Fenster aus 11.263 Quadraten im Kölner Dom eingeweiht. Domkapitel und Kölns Kardinal Meisner hätten lieber "etwas mit Figuren" gehabt. Aber Meisner konnte sich nicht durchsetzen. Heute ist das Fenster ein Touristenmagnet.

An klaren Worten hat es der frühere Kölner Erzbischof selten fehlen lassen. Er verstand sich als Hüter von Glaubenslehre und gesellschaftlicher Moral. Noch kurz vor seinem Tod machte er mobil gegen die seiner Meinung nach zu liberale Ehe-Lehre von Papst Franziskus. Dagegen sah er dessen Vorgänger, Johannes Paul II. und Benedikt XVI., ganz an seiner Seite.

Kardinal Meisner im Porträt (picture-alliance/dpa)

Joachim Kardinal Meisner

Die Abschaffung des Zölibats und Frauen als Priester - beides war für Meisner nicht akzeptabel. Oder das Schreiben "Amoris laetitia" von Franziskus, in dem der Papst nach zwei Familien-Synoden zu einer erneuerten Ehe- und Familien-Seelsorge einlud, lehnte der Kölner entschieden ab. Gemeinsam mit drei anderen Kardinälen schrieb Meisner dem Papst einen geharnischten Brief zur Klärung mehrerer "Zweifel" ("Dubia"). Dass wiederverheiratete Geschiedene in Einzelfällen zur Kommunion zugelassen werden könnten, ließ dem Ruheständler keine Ruhe.

In Gesellschaftsfragen engagiert

Seine Einmischungen waren nicht nur kirchenpolitischer Art. Vor allem ethische und gesellschaftspolitische Fragen trieben ihn um. Als er 2014 - nach 25 Jahren an der Spitze des mitglieder- und finanzstarken Erzbistums Köln -  altersbedingt aus dem Amt schied, war sein Name längst untrennbar mit dem Thema Abtreibung verbunden. Auf seine Initiative hin verfügte Papst Johannes Paul II. 1999 den Ausstieg der katholischen Kirche in Deutschland aus dem staatlichen System der Schwangerenberatung. Ein Schritt, der auch einen moralischen Keil zwischen Deutschlands Katholiken trieb.

Kardinal Joachim Meisner wird auf dem Rosenmontagszug thematisiert (picture-alliance/dpa)

Meisner im Focus der Karnevalisten

Auch für den Lebensschutz setzte sich Meisner ein. Vehement argumentierte er gegen Versuche, aktive Sterbehilfe zu erlauben: "Der Mensch soll an der Hand des Menschen sterben, nicht aber durch seine Hand." Ebenso prangerte er Abtreibungen und Forschungen an Embryonen an.

Meisner hielt Gegenwind aus

Glaubensfeste wie den Kölner Weltjugendtag 2005 oder den Eucharistischen Kongress 2013 in Köln mit Elementen wie Anbetungen und Beichten hielt er für wichtiger als Katholikentage, wo für ihn "zu viel diskutiert und zu wenig gebetet" werde.

Gerhard-Richter-Fenster im Kölner Dom (DW/Nelioubin)

Der Kardinal mochte es nicht: Gerhard-Richter-Fenster im Kölner Dom

Gegenwind aushalten - diese Haltung hat der 1933 im schlesischen Breslau geborene Geistliche schon in der DDR entwickelt. Mit der Familie flüchtete er 1945 nach Thüringen, wo er nach einer Banklehre Priester und dann Weihbischof in Erfurt wurde. 1980 kam er als Bischof in die geteilte Stadt Berlin und legte sich mit Honecker und Genossen an. Meisner wechselte am 12. Februar 1989 von der Spree an den Rhein - neun Monate vor dem Fall der Mauer. In Köln, seiner vierten "Heimat", kämpfte er seitdem nicht mehr gegen staatlich verordneten Atheismus, sondern gegen die Gottvergessenheit in einer konsumorientierten Welt.

Das abstrakte Richter-Fenster im Kölner Dom gefiel Kardinal Meisner überhaupt nicht. Es passe, sagte er einmal, viel "eher in eine Moschee oder ein anderes Gebetshaus" als in die gotische Kathedrale. Am frühen Mittwochmorgen ist der kämpferische Kardinal im Alter von 83 Jahren an seinem Urlaubsort im bayrischen Bad Füssing gestorben.