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Katholische Kirche

Kardinäle vom Ende der Welt

So viele Länder wie nie zuvor sind künftig im Kreis der Kardinäle vertreten. Papst Franziskus setzt bei seiner zweiten Kardinalserhebung auf Globalisierung - und lässt die Kurie fast leer ausgehen.

Als der argentinische Kardinal Jorge Mario Bergoglio am 13. März 2013 auf die Loggia des Petersdoms im Vatikan trat und sich als Papst Franziskus der Welt vorstellte, nannte er als seine Herkunft das "Ende der Welt". Nun setzt der mittlerweile 78-Jährige auf Geistliche von anderen "Enden der Welt", um das Kardinalskollegium zu "verjüngen". Kardinäle aus Neuseeland und dem südpazifischen Inselstaat Tonga, aus Myanmar und Vietnam, Panama und Äthiopien gehören ab dem 14. Februar zum Kreis jener, die im Falle eines Konklaves zur Papstwahl berechtigt wären. Von den 15 neuen potenziellen Papstwählern kommen fünf aus Europa, kein einziger aus Nordamerika.

Der jüngste Kardinal der Weltkirche ist künftig Soane Patita Paini Mafi, der Bischof von Tonga. Er ist gerade einmal 53 Jahre alt. Ansonsten überwiegen unter den jetzt ernannten Purpurträgern Geistliche zwischen 66 und 70 Jahren. Vier der 15 neuen Kardinäle sind Ordensleute - aber keiner stammt aus dem Jesuitenorden, dem Papst Franziskus selbst angehört. Das ist ein ungewöhnlich hoher Anteil. Und es fällt auch auf, dass gleich zwei davon dem Salesianerorden angehören, der sich weltweit um junge Leute kümmert.

Im Dialog der Religionen

Zu den Salesianern zählt beispielsweise Charles Maung Bo (66), Erzbischof der größten Stadt von Myanmar, Yangon. In dem Land sind nur 1,3 Prozent der 55 Millionen Einwohner katholisch. Und Bo setzt sich seit langem bei Regierung und Militär für den Schutz religiöser Minderheiten und für interreligiösen Dialog ein.

Charles Bo, Erzbischof von Yangon (Myanmar) - Foto: Christoph Strack (DW)

Vom "Ende der Welt"? Charles Bo, Erzbischof von Yangon

Seit Jahrzehnten gebe es Schikanen und anhaltende Verfolgung gegen jene, die nicht buddhistisch seien, vor allem gegen die muslimischen Rohingya, sagte er bei einem Berlin-Besuch im Juni vorigen Jahres der Deutschen Welle. Wie sehr die Spaltung eines Landes den Kirchenmann beschäftigt, macht ein Blick auf sein Programm während eines kaum 24-stündigen Berlin-Besuchs deutlich. Auf die Frage, was er in der deutschen Hauptstadt sehen wolle, sagte er prompt: "Die ehemalige Mauer, die die Menschen voneinander getrennt hat."

Einige der neuen Kardinäle, die künftige Papstwähler sein könnten, hatte man durchaus auf der Rechnung. Da sind die Erzbischöfe von Thailands Hauptstadt Bangkok und von Montevideo in Uruguay, von Wellington in Neuseeland und auch der Patriarch von Lissabon. Dagegen war der als eher liberal eingestufte Oberhirte des spanischen Erzbistums Valladolid, Ricardo Blazquez Perez, nicht zu erwarten, auch wenn er seit zehn Monaten den Vorsitz der spanischen Bischofskonferenz innehat. Seit fast 100 Jahren kam aus der Stadt kein Kardinal mehr.

An der Seite der Armen

Der Blick auf die weiteren neuen Kardinäle aus Europa ist ausgesprochen aufschlussreich. Gewiss, da finden sich zwei Italiener - aber sie kommen eben nicht aus so kirchlichen Hotspots wie Turin oder Venedig, deren Erzbischöfe eigentlich traditionell die Kardinalswürde erwarten dürfen und sie derzeit nicht haben.

Porträt von Francesco Montenegro, Erzbischof von Agrigent - Foto: picture alliance/ROPI

Einer von zwei neuen Kardinälen aus Italien: Francesco Montenegro, Erzbischof von Agrigent

Stattdessen taucht da der Erzbischof von Agrigent auf Sizilien auf, Francesco Montenegro - zu seinem Bistum gehört die Flüchtlingsinsel Lampedusa vor der afrikanischen Küste. Der andere, Erzbischof Edoardo Menichelli von Ancona-Osimo, hat zwar keine große Tradition im Rücken. Aber der 75-Jährige ist bekannt für sein stetes Engagement für arme und ausgegrenzte Menschen. Zur Familiensynode im Oktober 2014 hatte ihn der Papst als Experten eingeladen. Auch Menichelli mag verdeutlichen, was Franziskus an Kardinälen wertschätzen möchte.

Und der fünfte Europäer ist dann tatsächlich ein Kurialer. Dominique Mamberti (62), ein in Marrakesch in Marokko geborener Franzose. Er ist seit zwei Monaten Präfekt der Apostolischen Signatur, des obersten kirchlichen Gerichtshofs. Für diese Ernennung hatte Franziskus übrigens einen gerade einmal 66-jährigen knochenkonservativen Vorgänger freundlich wegbefördert. Viele im vatikanischen Apparat, der Kurie, werden sich wundern. Denn unter den jetzigen mutmaßlichen Papstwählern sind doch rund drei Dutzend Köpfe aus der Kurie, von denen nicht wenige in den nächsten zwei, drei Jahren 80 Jahre alt werden. Nach der päpstlichen Brandrede über die Krankheiten des vatikanischen Systems ist die jetzige Runde der Kardinalsauswahl erneut ein Signal.

Ein Deutscher

Traditionell verleihen Päpste auch immer einigen (hoch)betagten, verdienten Geistlichen die Kardinalswürde. Unter den fünf künftigen Kardinälen, die bereits über 80 Jahre alt sind, ist auch ein Deutscher: Karl-Josef Rauber, der nun im Ruhestand in Süddeutschland lebt, war langjähriger Vatikan-Diplomat mit hoher Reputation.

Porträt von Karl-Josef Rauber - Foto: Raboe001 (cc-by-sa)

Älterer Newcomer: Ex-Vatikan-Diplomat Karl-Josef Rauber ist jetzt auch Kardinal

Man weiß nicht, wo er größere Verdienste errang - als Präsident der Päpstlichen Diplomatenakademie (1990 - 93) oder als Nuntius in der Schweiz und Liechtenstein (1993 - 97), wo er sich leise und intensiv um die Aufräumarbeiten nach einer fast dramatischen Fehlbesetzung des Bischofsstuhls von Chur kümmerte. Mit Rauber gibt es künftig elf deutsche Kardinäle, von denen vier in ein Konklave einziehen dürften.

So wird die katholische Kirche an ihrer Spitze erkennbar mehr und mehr zur Weltkirche. Franziskus weitet fast demonstrativ den Kreis der Papstwähler. Die derzeit wahlberechtigten 110 Kardinäle kommen aus 50 Ländern - ab dem 14. Februar werden es dann 59 Länder sein, aus denen 125 wahlberechtigte Kardinäle kommen.

Der Anteil der Europäer sinkt weiter. Nach dem ersten sogenannten Konsistorium, zu dem Franziskus im Februar 2014 einlud, kam noch exakt jeder zweite mögliche Papstwähler aus Europa. Derzeit sind es 47,7 Prozent, ab Mitte Februar noch gut 46 Prozent. Schließlich lebt nur mehr gut jeder vierte Katholik weltweit in Europa. Lateinamerika, Asien, Afrika - das sind die Weltregionen, die das Bild der katholischen Kirche prägen. Der erste Papst aus Lateinamerika macht aus der katholischen Kirche, die sich gerne als ältesten Global Player sieht, tatsächlich Schritt für Schritt eine globale Unternehmung.

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