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Kultur

Karajans "Goldklang" lebt

Wie kein anderer Dirigent des 20. Jahrhunderts ist Karajan weit über den Elfenbeinturm der Klassik hinaus bekannt. Der erste "Mediendirigent" der Musikgeschichte ist auch heute noch ein Vorbild für Musiker aller Genres.

Herbert von Karajan ist der populärste Dirigent des 20. Jahrhunderts

Herbert von Karajan ist der populärste Dirigent des 20. Jahrhunderts

Sein Ziel war der perfekte Klang – der absolute Wohlklang, frei von Ansatzgeräuschen. Für Herbert von Karajan sollten jede Stimme, jedes Instrument klar zu erkennen sein. Dieser "Goldklang" scheint bis heute nichts von seiner Wirkung verloren zu haben. Der Stardirigent, der am Samstag (5. April 2008) 100 Jahre alt geworden wäre, und seine Suche nach dem perfekten Klang inspirieren immer noch die Musiker - quer über alle Genregrenzen hinweg.

So sagt die Mezzosopranistin Christa Ludwig: Karajan habe Wert "auf die schöne Phrasierung, den Wohlklang, das Legato" gelegt. "Heute würde man sagen, Karajan habe den Groove gehabt." Groove-Experte Lenny Kravitz meint: "Karajan war Rock'n'Roll."

Einmal Karajan, immer Karajan

Für Mike Oldfield, der gerade mit "Music of the Spheres" sein erstes Werk mit Symphonieorchester vorlegte, ist Karajan der Dirigent, dessen Lesart und Interpretation eines klassischen Stückes Maßstäbe setzte. "Wenn ich eine Aufnahme eines klassischen Werks gesucht habe, war es meist Karajan, für den ich mich entschied. Man hat sich so mit seiner Aufführung identifiziert, dass dasselbe Werk nicht mehr richtig klang, wenn man es von jemand anderem hörte."

Karajan mit den Berliner Philharmonikern

Mit den Berliner Philharmonikern setzte Karajan über 30 Jahre lang Maßstäbe



Das Gefühl für das, was die Leute hören wollen, hatte Karajan freilich schon zu Lebzeiten den Vorwurf des Populismus eingetragen. Kollegen wie Nikolaus Harnoncourt lasten dem Maestro indirekt an, die Klassik zur "Abendverhübschung" degradiert zu haben.

Technikfreak und Mediendirigent

Unbestritten ist dagegen, dass Karajan auch in technischer Hinsicht Maßstäbe gesetzt hat. Zu Recht gilt er als der wohl erste "Mediendirigent" der Musikgeschichte, als erster erfolgreicher Musikmanager großen Stils. Denn Karajan war einer der Pioniere der Umsetzung von Musik in Bilder. Schon in den 1930er Jahren interessierte sich Karajan für die Möglichkeiten der Langspielplatte. Der Maestro gehört zu den Pionieren des Musikvideos.

Mit demselben unbeugsamen Willen, mit dem er in allem, was er tat, Höchstleistung anstrebte, setzte er die modernsten technischen Mitteln seiner Zeit für die Herstellung seiner Musikfilme, seiner gefilmten Opern- und Konzertaufführungen ein. Mit dem einstigen Chef des Sony-Konzerns, Akio Morita, gab der Technikfreak entscheidende Impulse zur Entwicklung der Compact Disc (CD).

"Ich werde überall gebraucht"

Herbert von Karajan im Jahr 1955

Herbert von Karajan im Jahr 1955

Gerühmt wird auch Karajans Blick für Talente. Er entdeckte sowohl die Sängerinnen Hildegard Behrens und Agnes Baltsa als auch die Geigerin Anne-Sophie Mutter. Doch auch bei der eigenen Karriereplanung überließ Karajan nichts dem Zufall. So trat er - offenbar aus Karrieregründen - der NSDAP Adolf Hitlers bei, was ihm ein Engagement in Berlin eintrug.

Steil nach oben ging die Karriere Herbert von Karajans allerdings erst nach dem Zweiten Weltkrieg. Nach Wilhelm Furtwänglers Tod wurde er 1955 Chef der Berliner Philharmoniker und blieb es bis kurz vor seinem Tod. Er leitete zeitweise auch die Salzburger Festspiele und die Wiener Staatsoper, als Gast dirigierte er häufig in New York und Mailand. Ein Witz fasste diese Allgegenwart zusammen: Karajan kommt irgendwo an, nimmt ein Taxi. Auf die Frage "Wohin" antwortet er: "Egal, ich werde überall gebraucht."

Herbert von Karajan hatte eine Machtposition wie kein anderer Dirigent des 20. Jahrhunderts. Sie bröckelte erst in seinen letzten Lebensjahren, als er kränkelte und sich mit den Berliner Philharmonikern überwarf. Karajan starb am 16. Juli 1989 im Alter von 81 Jahren in Anif bei Salzburg. (ag)

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