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Europa

Karadzic will sich selbst verteidigen

Zwei Tage nach der Festnahme von Radovan Karadzic geht es nun um die Frage, unter welchen Bedingungen der Prozess vor dem Haager Kriegstribunal stattfinden wird. Derweil werden neue Details aus seinem Leben bekannt.

Logo des Internationalen Strafgerichtshofs in Den Haag

Logo des Internationalen Strafgerichtshofs in Den Haag

Der frühere bosnische Serbenführer Radovan Karadzic will sich vor dem UN-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag selbst verteidigen. Das kündigte sein Anwalt Svetozar Vujacic an. Damit folgt der 63-Jährige dem Beispiel des jugoslawischen Ex-Präsidenten Slobodan Milosevic, dessen Vertrauter er war. Milosevic war allerdings 2006 in der Haft verstorben.

Vojislav Seselj (Quelle: AP)

Karadzic will sich wie Vojislav Seselj selbst verteidigen

Karadzic verfüge in Serbien über ein Team von Juristen, die ihn unterstützten, sagte Vujacic weiter. Vor dem Gericht in Den Haag werde sich Karadzic jedoch allein verteidigen, so wie es dort derzeit auch Vojislav Seselj tue. Dem serbischen Nationalisten Seselj wird seit November in Den Haag der Prozess gemacht.

Karadzic ist angeklagt, im Bosnienkrieg 1992 bis 1995 Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit begangen zu haben. Er war seinerzeit politischer Führer der bosnischen Serben.

Auslieferung soll verzögert werden

Vujacic bekräftigte zudem, dass er am Freitag (25.07.2008) Einspruch gegen eine Überstellung Karadzics an das Haager Tribunal einlegen werde, um diese so lange wie möglich hinauszuzögern. Seinen Angaben zufolge wird Karadzic nicht vor dem Ende kommender Woche in die Niederlande überstellt.

Die für Kriegsverbrechen zuständige Staatsanwaltschaft in Belgrad, die über den Einspruch entscheidet, signalisierte jedoch, ihre Frist von drei Tagen nicht auszuschöpfen. Ein Sprecher sagte dem Fernsehsender B92, dass Karadzic bereits am Wochenende oder zu Beginn nächster Woche überstellt werden könne. Dazu ist zuvor ein Beschluss des serbischen Justizministeriums erforderlich.

Neue Frisur für Dragan Dabic

Karadzic als Arzt (Quelle: AP)

So zeigt sich Karadzic auf seiner Website dragandabic.com

Karadzic hat derweil auf eigenen Wunsch einen Haarschnitt und eine Rasur erhalten, sagte Vujacic. Sein Mandant sehe jetzt wieder wie früher aus, nur älter. Mit seinem langen, grauen Haar und Bart hatte Karadzic während seiner jahrelangen Flucht seine Identität verborgen. Er wurde am Montag in Belgrad verhaftet.

Serbische Medien brachten unterdessen weitere Details aus dem Doppelleben Karadzics ans Licht. Demnach soll er unter seiner falschen Identität Dragan Dabic zuletzt mit einer Frau in Belgrad zusammengelebt haben. Eine serbische Tageszeitung bezeichnete das Aussehen von Dabic als das eines "liebenswerten Gurus". Der 63-Jährige hatte sich mit weißen langen Haaren und einem weißen Bart ein neues Erscheinungsbild zugelegt und nahm so unerkannt am öffentlichen Leben in Belgrad und in anderen serbischen Städten teil.

Interpol will weitersuchen

Karadzic, der in Den Haag wegen Kriegsverbrechen, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Völkermordes angeklagt ist, war am Montag nahe Belgrad festgenommen worden. Der Fahndungserfolg sei "ein klares Signal an all jene, die wegen ihrer Beteiligung an Kriegsverbrechen gesucht werden", erklärte Interpol-Chef Ronald Noble.

Die internationale Polizeibehörde werde weiterhin eng mit dem UN-Tribunal für das ehemalige Jugoslawien zusammenarbeiten - solange, bis auch die beiden mutmaßlichen Kriegsverbrecher Ratko Mladic und Goran Hadzic gefasst seien.

Merkel sieht Beitrag für Beziehungen zur EU

Bundeskanzlerin Angela Merkel sieht in der Festnahme Karadzics und seiner voraussichtlichen Auslieferung an das UN-Tribunal in Den Haag auch einen Beitrag für engere Beziehungen zwischen Serbien und der EU. Es sei immer gesagt worden, dass es das volle Stabilisierungs- und Assoziationsabkommen (SAA) zwischen Serbien und der EU erst gebe, wenn es auch eine volle Kooperation der serbischen Seite mit dem Tribunal gebe, sagte Merkel am Mittwoch in Berlin. Das SAA ist gezeichnet, aber noch nicht ratifiziert.

Der Tag der Festnahme von Karadzic am Montag sei ein guter Tag gewesen. Die serbischen Behörden hätten eine herausragende Leistung vollbracht, sagte Merkel. (kas)

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