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Fokus Südosteuropa

Karadzic-Prozess erneut vertagt

Der Ex-Präsident der Serbenrepublik hat in seiner Verteidigungsrede alle Schuld an Menschenrechtsverletzungen von sich gewiesen. Er erwirkte eine Vertagung des Prozesses, um sich auf die Zeugenbefragungen vorzubereiten.

Der ehemalige Präsident der bosnischen Serben Radovan Karadzic vor dem UN-Kriegsverbrechertribunal für das ehemalige Jugoslawien in Den Haag (Foto: AP)

Der Prozess gegen den ehemaligen Präsidenten der Serbenrepublik Radovan Karadzic vor dem UN-Kriegsverbrechertribunal für das ehemalige Jugoslawien in Den Haag ist vertagt worden. Damit soll der Angeklagte ausreichend Zeit bekommen, sich auf die Zeugenbefragungen vorzubereiten. Der Vorsitzende Richter O Gon Kwon gab damit dem Antrag des Angeklagten statt, der sich selbst verteidigt. Karadzic argumentierte, er brauche mehr Zeit, um für seine Verteidigung notwendige Dokumente zusammenzutragen. Wann der Prozess fortgesetzt wird ist unklar. Karadzic forderte eine Frist bis Anfang Juni.

Geschichte bemüht

Geographische Karte von Bosnien und Herzegowina mit der Hauptstadt Sarajevo (Graphik: DW)

Karadzic zufolge war Sarajevo schon immer serbisch

Karadzic wies auch am zweiten Tag seines Eröffnungsplädoyers jeden Anklagepunkt zurück. Sein besonderes Augenmerk galt den Anklagepunkten, die sich auf die Besetzung und den Granatenbeschuss von Sarajevo bezogen. Er legte dem Gerichtshof geographische Karten vor und berief sich auf die Geschichte, als er behauptete, dass die heutige Hauptstadt von Bosnien-Herzegowina auf Grund und Boden serbischer Großgrundbesitzer erbaut worden sei.

"Dieses Sarajevo war ganz serbisch, es gehörte zum Besitz und Eigentum der Adelsfamilie Pavlovic, als die Türken kamen und diese Familie unterging." Andere Serben hingegen wären in Sarajevo und Umgebung geblieben und hätten lange die Mehrheit der Bevölkerung dieser Stadt gebildet, sagte Karadzic.

"Als der Krieg 1992 ausbrach, gelang es den Serben diesen Teil ihres Territoriums im Zentrum zu schützen", und zeigte auf die Karte, "das ist Grbavica, die serbische Siedlung Grbavica." Damit versuchte er den Richtern zu zeigen, dass die Serben nur ihre Stadtteile kontrolliert hätten, diese serbischen Territorien aber von muslimischen Streitkräften umgeben gewesen wären.

Den Vorwurf, dass Sarajevo unter serbischer Besatzung stand, wies er zurück und behauptete, Sarajevo sei eine geteilte Stadt gewesen. Des Weiteren wies er de Vorwurf von sich, dass er und die Militärkräfte unter seiner Kontrolle die Schuld an der Eskalation des Krieges trügen.

Schuld tragen "islamische Fundamentalisten"

Flagge der Partei der bosnischen Muslime SDA (li.) und die bosnische Staatsflagge (re.) wehen auf Masten vor himmelblauem Hintergrund

Die wahre Schuld am Bosnien-Krieg trage, so Karadzic, die 1990 gegründete SDA

In Wahrheit trage die internationale Gemeinschaft und die bosnisch muslimische Partei für Demokratische Aktion (SDA) die Verantwortung für den Krieg. Karadzic und seine Gefolgsleute hätten sich lediglich gegen Angriffe von Extremisten und Fundamentalisten verteidigt, die einen islamischen Staat gründen wollten.

"Ich werde hier beweisen, was in Bosnien-Herzegowina geschah. Es wird zu Tage treten, dass die internationale Gemeinschaft, oder vielmehr ein Teil davon, und vor allem die SDA die Verantwortung dafür trugen", so Karadzic. Er fügte hinzu, diese Partei hätte nichts ausrichten können, wenn sie nicht die Unterstützung und Ermutigung der internationalen Gemeinschaft gehabt hätte, "auf alles oder nichts zu setzen, nichts für die Serben und später für die Kroaten, aber alles für die islamischen Fundamentalisten und angeblich das muslimische Volk." Das muslimische Volk hätte indes davon nichts gehabt, weil die Staatsstruktur den Ideen der Fundamentalisten nach immer noch "streng hierarchisch wäre wie bei den Ottomanen und nicht demokratisch gleichberechtigt", erklärte Karadzic.

Am Ende seines Eröffnungsplädoyers forderte Karadzic von den Mitgliedern des Tribunals nicht nur die Anklage gegen ihn zurückzuziehen, sondern auch zwei Urteile zu revidieren. Die Urteile gegen die Ex-Generäle Stanislav Galic und Dragomir Milosevic. Ersterer wurde zu lebenslänglich und letzter zu 29 Jahren Haft verurteilt, wegen des Granatbeschusses von Sarajevo. Mit einer Revision dieser Urteile, so Karadzic, würde die Idee der internationalen Gerechtigkeit gerettet, die, wie er sagte, im Haager Tribunal kompromittiert worden sei.

Autoren: Dzevad Sabljakovic / Mirjana Dikic

Redaktion: Fabian Schmidt

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