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Kaputt

Ständig geht irgendetwas kaputt, vorzugsweise in der Küche. Das ist dann meist nicht weiter schlimm, doch dummerweise trifft es manchmal auch Beziehungen oder Ehen. Möglicherweise war da bereits der Typ kaputt.

Kinder betrachten eine kaputte Glasscheibe

Scheibe kaputt!

Was eigentlich ist ein Allerweltswort? Worte, die etwas Durchschnittliches, etwas ganz Alltägliches bezeichnen, von denen es in Nachschlagewerken auch heißt, es handle sich um oft benutzte, nichtssagende Worte, auf die die verschiedensten Bedeutungen passen. Wie zum Beispiel "kaputt". Etliche Stichworthörerinnen und -hörer haben nachgefragt, was es denn mit "kaputt" auf sich habe, und wir sagen vorweg: eine ganze Menge.

Alles hin!?

Unser Stichwort der Woche ist in der Tat ein sehr häufig gebrauchtes Wort, man sagt es so leicht unbedacht dahin, dabei hat es verschiedenste Bedeutungsnuancen. Es ist alles andere als nichtssagend und streng genommen gibt es auch keine nichtssagenden Wörter. Das musste mal gesagt werden. Wir lassen uns "kaputt" nicht einfach so kaputt machen. Allerdings: Kaputtgehen kann so gut wie alles.

Umgangssprachlich ist beispielsweise eine gescheiterte Beziehung kaputt, jemand, der keine Ahnung hat, kann sein Geschäft, seine Firma, allein durch Inkompetenz kaputt machen, die Supermärkte und Großeinkaufszentren machen die kleinen Geschäfte kaputt und so weiter und so fort. So nebenbei gehen auch Autos und Waschmaschinen kaputt, und wenn wir abends von der Arbeit nach Hause kommen, sind wir nicht selten ziemlich kaputt. Mit anderen Worten: Alles kann kaputt sein oder kaputtgehen.

Zustand und Prozess: sein und gehen

"Kaputt" ist immer etwas Negatives, hat immer etwas Zerstörerisches oder bezeichnet den Zustand des Zerstörten. Die kaputte Blumenvase ist in Scherben zersprungen und kann nicht mehr benutzt werden. Wenn die Uhr kaputt ist, zeigt sie uns nicht mehr die Zeit an, und nur wenn wir Glück haben, können wir sie wieder instandsetzen lassen. "Kaputt" hat in vielen Fällen die Bedeutung von "entzwei", "zerbrochen", "zerstört". Nach Kriegen, Tornados, Überschwemmungen, Erdbeben ist alles kaputt.

Wenn etwas kaputtgeht, kann das dauern. Harmloses Beispiel: Die Waschmaschine will nicht mehr so recht; sie scheint kaputtzugehen. Wenn eine Ehe kaputtgeht, hier erscheint unser Stichwort wieder in übertragener Bedeutung, so ist auch dieses Kaputtgehen ein längerer Prozess und dieses Beispiel kein harmloses.

Vom lateinischen Kopf zur deutschen Zerstörung

Lange hat es auch gedauert, bis unser Stichwort zu einem so genannten Allerweltswort geworden ist. Es ist lateinischen Ursprungs und stammt von "caput" ab, was so viel wie "Haupt", aber auch "Vorderteil eines Schiffes" bedeutet. Im Französischen hat sich schließlich das Verbum "capoter" herausgebildet, was "kentern", "umschlagen" bedeutet; womit wir der negativen Bedeutung von "kaputt" schon recht nahe sind.

Auf welchen Wegen sich "capot" zu einem Ausdruck beim Kartenspiel entwickelt hat, wissen wir nicht. Wir wissen aber, dass der Kartenspieler als "capot" bezeichnet wurde, der während des gesamten Spiels keinen einzigen Stich gemacht hatte. Während des Dreißigjährigen Krieges schließlich entsteht der Ausdruck "kaputt machen". In der Sprache der Landsknechte hieß "kaputt machen" "erschlagen", "erstechen" oder auf sonst eine grausige Art Menschen umbringen. Auch Dörfer, Städte, Wälder und Fluren wurden kaputt gemacht, zerstört, verwüstet.

Anarchy for Germany?

"Macht kaputt, was euch kaputt macht" lautete ein Slogan aus den 70er Jahren, als die Sponti-Szene mit mehr oder weniger originellen Sprüchen und Aktionen die damalige Bundesrepublik Deutschland ein bisschen durcheinanderzubringen versuchte. Damals entstand auch das Bild von den kaputten Typen, die völlig kaputt überall rumhingen. So sahen es wenigstens die kopfschüttelnden Bürger.

Auch das Wort vom "Kaputnik" kam wieder auf, jener Wortwitzkonstruktion aus "kaputt" und "Sputnik", die entstanden war, als den Amerikanern kurz nach dem Start eine Trägerrakete samt Satellit explodierte. Doch so richtig kaputtlachen wollte sich niemand damals, dazu war man noch zu sehr inmitten des Kalten Krieges.

Merke: Kapores geschlagene Hühner müssen nicht kaputt sein

Zum Schluss noch ein Wort zu "kapores". Seit dem Ende des 18. Jahrhunderts findet sich "kapores sein" und "kapores gehen" in der Studentensprache. "Kapores" ist nur von der Bedeutung her, nicht aber sprachgeschichtlich mit "kaputt" verwandt. "Kapores" stammt aus dem hebräischen "kapporeth". Es bedeutet "Sühneopfer", "Sühnung", aber auch "Versöhnung" und "Genugtuung". Am Vorabend des Versöhnungsfestes wurden Hühner kapores geschlagen und als Sühneopfer um den Kopf geschwungen. Nun ist ein totes Huhn nicht unbedingt ein kaputtes Huhn – auch wenn es kapores ist.


Fragen zum Text:

Wenn man kaputt ist, so ist man …
1. krank.
2. verletzt.
3. erschöpft.

"Kaputnik" war ursprünglich eine scherzhafte Bezeichnung für …
1. einen sowjetischen Offizier.
2. ein reparaturanfälliges Auto aus der DDR.
3. eine amerikanische Trägerrakete.

Das Wort "kapores" stammt aus dem …
1. Lateinischen.
2. Hebräischen.
3. Griechischen.


Arbeitsauftrag:
Kaputt ist zwar ein sehr gebräuchliches Wort, allerdings wenig präzise. Berichten Sie Ihrem Nachbarn, was Ihnen schon so alles kaputt gegangen ist – ohne das Wort "kaputt" zu verwenden. Sammeln Sie anschließend die entsprechenden Begriffe an der Tafel.

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