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Politik

Kanzlerin trotzt "Obamania"

Der 24. Juli war "Obama-Day" in Berlin. Heerscharen pilgerten auf die Strasse zwischen Brandenburger Tor und Siegessäule, um die Rede des Politstars zu hören. Nur eine blieb ganz cool: die Kanzlerin.

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Auch wenn die verbreitete Zahl von 200.000 Zuhörern auf der "Obama-Fanmeile" reichlich übertrieben schien: dem Präsidentschaftsbewerber der Demokraten flogen in Berlin die Sympathien nur so zu. Die Deutschen, so sagen die Umfragen, würden Obama sofort zum amerikanischen Präsidenten wählen, wenn man sie ließe.

Nur eine blieb ganz unbeeindruckt: Kanzlerin Angela Merkel. "Bloß keine Wahlkampfhilfe für die Demokraten" schien die Devise der Kanzlerin, deren CDU eher Obamas Rivalen McCain und den Republikanern zuneigt. Immerhin: Freundliches Händeschütteln, höfliches Einstunden-Gespräch, das Protokoll für einen Senator. Obamas Bitte, ihn eine Viertelstunde früher zu empfangen, weil sein Flugzeug eher gelandet war, musste die Kanzlerin allerdings abschlagen: sie hatte noch ganz Wichtiges zu tun.

Cowboy in der Bundespressekonferenz

Einen Tag vorher, auf ihrer traditionellen Sommerpressekonferenz mit den in- und ausländischen Korrespondenten in Berlin, gab sich Angela Merkel in Sachen Obama noch zugeknöpfter. Ja, sehr schön, dass sie den Senator kennen lernen werde. Nein, einen Auftritt am Brandenburger Tor hätte sie nicht richtig gefunden, so etwas sollte gewählten Präsidenten vorbehalten bleiben. Und was Obama in dieser Hinsicht betreffe, na ja, da warten wir doch erstmal ab, das wird die Geschichte zeigen. Ob sie sich seine Rede im Fernsehen ansehen werde? Nicht ganz sicher.

Angela Merkels demonstrative Gelassenheit gegenüber der grassierenden "Obamania" hatte irgendwie etwas Großes. Wenn da nicht jene Gestalt mit Cowboyhut und kariertem Hemd in den großen Saal der Bundespressekonferenz getreten wäre. Bei näherem Hinsehen erkannte man die Gesichtszüge von George W. Bush, der hinter die Kanzlerin trat, in bemühtem Deutsch "Danke Angie" sagte und der treuen Freundin beide Hände fest auf die Schultern legte. Manche Kollegen behaupteten hinterher allerdings, es habe sich nur um eine Halluzination gehandelt.