Kann verfolgte Christin bald den Sudan verlassen? | Kultur | DW | 30.06.2014
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Kultur

Kann verfolgte Christin bald den Sudan verlassen?

Ihr Schicksal gleicht einer Odyssee – die im Sudan zum Tode verurteilte Christin ist indirekt weiter in der Hand des Regimes. Erst wurde Meriam Jahia Ibrahim Ischag freigelassen, dann wieder festgenommen. Was folgt nun?

Die im Sudan der Todesstrafe entgangene Christin kann das Land möglicherweise bald verlassen. Die Anwälte der 26-jährigen Meriam Jahia Ibrahim Ischag (v. M., mit Familie) wollten am Sonntag bei der Staatsanwaltschaft beantragen, den Vorwurf der Urkundenfälschung gegen sie fallenzulassen. Nach einer Einstellung des Verfahrens könne Ischag mit ihrer Familie ausreisen, sagte Anwalt Mohanad Mustafa.

Ischag war Mitte Mai zum Tode durch den Strang verurteilt worden, weil sie nach sudanesischem Recht durch die Heirat mit einem Christen vom islamischen Glauben abgefallen war. Weil eine solche Heirat im Sudan zudem als Ehebruch gilt, wurde die junge Frau zu einhundert Peitschenhieben verurteilt. Zwölf Tage später brachte sie im Gefängnis in Ketten eine Tochter zur Welt. Politiker und Menschenrechtsorganisationen hatten sich für ihre Freilassung eingesetzt.

Wechselbad der Gefühle

Am Montag vergangener Woche war Ischag aus dem Gefängnis freigekommen, nachdem ein Berufungsgericht das Todesurteil gegen sie aufgehoben hatte. Am Dienstag wurde sie am Flughafen von Khartum jedoch erneut in Gewahrsam genommen, als sie zusammen mit ihrem Mann und ihren beiden kleinen Kindern in die USA ausreisen wollte. Die sudanesischen Behörden werfen ihr Urkundenfälschung vor, weil die Frau, die mit einem aus dem Südsudan stammenden US-Bürger verheiratet ist, mit einem südsudanesischen Pass ausreisen wollte. Nach Auffassung der sudanesischen Behörden ist dies illegal. Am Donnerstag kam Ischag wieder frei und flüchtete zusammen mit ihrer Familie in die US-Botschaft in Khartum.

Optimismus nach Gesprächen

Ihr Anwalt hofft nun, dass ihr die Behörden bald einen sudanesischen Pass ausstellen werden. Über das Thema sei bereits gesprochen worden, "und wir glauben, dass sie sich kooperativ verhalten werden", sagte Mustafa. Die sudanesische Regierung habe zuletzt "einen sehr guten Schritt" unternommen, "um dieses Problem zu lösen".

KK/sd,sti/wl (afp, dpa)