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Projekt Zukunft

Kann man menschliche Entscheidungen vorhersagen?

Wir sprechen mit Dr. Thorsten Pachur vom Max-Planck-Institut für Bildungsforschung unter anderem darüber, wie Einbrecher denken und inwieweit sich menschliche Entscheidungen vorhersehen lassen.

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DW: Zuschauer haben uns auf Facebook geschrieben, dass Sie sich in der Tat sicherer fühlen würden mit so einem Einbruchs-Vorhersage- System. Aber wie sicher sind solche Vorhersagen?

Thorsten Pachur: Grundsätzlich ist zu sagen, dass Vorhersagen nie deterministisch bestimmen, was in der Zukunft auftreten soll, sondern sie sind immer mit einer gewissen Unsicherheit behaftet. Und es wird auch bei diesem Modell oder diesem Tool so sein, das Verbrechen vorhersagt. Da werden Wahrscheinlichkeiten berechnet, die sagen, welches Ereignis am wahrscheinlichsten eintreten wird. Das schließt aber nicht aus, dass es auch andere Ereignisse gibt, die auftreten könnten. Deren Auftretens-Wahrscheinlichkeit ist allerdings geringer. Und Ähnliches gilt auch für das Vorhersagen von individuellem Entscheiden beispielsweise.

Das Modell und generell Vorhersage-Modelle basieren auf Mustern, die wir bereits aus der Vergangenheit kennen. Geht man denn davon aus, dass sich die Vergangenheit in der Zukunft immer wieder wiederholen wird?

Nein, das sollte man auf gar keinen Fall so sehen. Allerdings ist es so, dass die besten Modelle, die wir haben, alle vor allem aus vergangenen Beobachtungen resultieren. Das ist das Beste, was wir momentan machen können, dass wir uns angucken, welche Regularitäten - sei es bei Naturzuständen, wie beim Wetter beispielsweise, oder auch beim Verhalten - welche Zustände hat es in der Vergangenheit gegeben. Und aufgrund dieser Regularitäten, wenn wir sie identifizieren können, können wir auch Vorhersagen darüber machen, wie sich bestimmte Zustände oder Verhaltensweisen in der Zukunft gestalten werden. Das schließt allerdings nicht aus, dass die Zukunft sich leicht anders gestaltet, als wir das in der Vergangenheit gesehen haben. Das heißt, Vorhersagen sind mit einem gewissen Risiko und einer gewissen Unsicherheit belastet.

Das heißt, bei der Vorhersage berücksichtigt man auch ein bekanntes Risiko?

Richtig. Und dafür ist es sehr sehr wichtig, dass man ein gutes Modell hat von Unsicherheit. Dass man in diesem Modell von Unsicherheit berücksichtigt, welche möglichen Zustände auftreten können und das Wichtige dabei ist eben, ein möglichst gutes und vollständiges Modell von den möglichen Zuständen in der Zukunft zu haben.

Herr Pachur, Sie haben auch eine Untersuchung gemacht, eine Studie zur Entscheidungsfindung von Einbrechern. Was haben Sie herausgefunden?

Für die Studie wurden Einbrecher gebeten, zu sagen, bei welchen von zwei Haus-Objekten die Wahrscheinlichkeit am größten ist, dass dort eingebrochen wird. Und der Zustand der Objekte wurde umfassend beschrieben - beispielsweise ob der Rollladen heruntergezogen ist, oder ob der Briefkasten überquillt. Und dann wurde, aufgrund des Entscheidungsverhaltens der Einbrecher versucht zu identifizieren, welche Entscheidungsstrategien die Einbrecher verwendet haben. Dabei zeigte sich interessanterweise, dass sie für solche Entscheidungen nur sehr, sehr wenige Hinweise, Merkmale verwenden. Und das macht es möglicherweise einfacher vorherzusehen, wie sich Einbrecher in der Zukunft entscheiden werden.

Das ist interessant, weil: Das gilt wahrscheinlich für einen bestimmten kulturellen Kontext. Einbrecher werden sich wahrscheinlich irgendwo anders, anders verhalten?

Für jegliche Modelle von Entscheidungsverhalten oder Vorhersagen generell ist es immer wichtig, dass man sich den Gültigkeitsbereich des Modells sehr genau überlegt. Und in der Tat ist es so, dass wenn man ein gutes Modell hat, für Entscheidungsverhalten in einem bestimmten Kontext, kann es nicht eins zu eins übertragen werden in andere Kontexte.

(Interview: Carolina Chimoy)