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Kultur

Kann Glaube heilen?

Eins sein mit sich selbst. Sinn finden. Wer will das nicht. Wellnessanbieter und Therapeuten profitieren davon, die christlichen Kirchen kaum. Was müsste sich ändern? Der Christliche Gesundheitskongress sucht Antworten.

Kruzifix im Passauer Dom (Foto: Bilderbox)

Ärzte sind zuständig für die Gesundheit des Körpers, Geistliche für das Heil der Seele - das war einmal. Denn in beiden Professionen setzt sich die Einsicht durch, dass Heilung ein Prozess von Leib und Seele ist und dass Glaube dabei eine positive Rolle spielen kann. Wissenschaftliche Studien belegen, dass es einen Zusammenhang gibt zwischen bestimmten Formen der Religiosität und Gesundheit. Kirchengemeinden und Einrichtungen des Gesundheitswesens sollten daher enger zusammenarbeiten, meinen die Veranstalter des Christlichen Gesundheitskongresses, der zum zweiten Mal in Kassel tagte.

Ärzte, Patienten und Gemeinden als Partner

Es sind vor allem Ärzte unter den 1200 Dauerteilnehmern und 400 Tagesgästen des Kongresses. Eine Allgemeinmedizinerin begründet das damit, dass sie ihr Christsein auch im Beruf leben wolle und Anregungen dafür suche. Vom ersten Kongress vor zwei Jahren habe sie die Idee mitgenommen, Patienten nicht nur nach ihrer Krankengeschichte zu befragen, sondern auch nach ihrer familiären Situation und ihrer Konfession. Viele Patienten hätten offenbar darauf gewartet, auch auf dieser Ebene angesprochen zu werden, schilderte die Ärztin ihre Erfahrungen.

Eine Frau und ein Mann im Gespräch auf dem Christlichen Gesundheitskongress in Kassel 2010 (Foto: Brigitte Lehnhoff/DW)

Gespräche - Diskussionen -viele Meinungen auf dem Gesundheitskongress

Unter dem Kostendruck im Gesundheitswesen christliche Werte bewahren - wie geht das? Zu dieser zentralen Frage bot der Kongress etliche Seminare, in denen nach Antworten für den Einzelnen aber auch nach Antworten für ganze Organisationen gesucht wurde. Es ging um die persönliche gesunde Lebensgestaltung von Ärzten und Pflegekräften ebenso wie um die spirituelle Erneuerung in konfessionellen Krankenhäusern oder Pflegeeinrichtungen. Vorgestellt wurden zudem neue Formen der Zusammenarbeit von Kirchengemeinden und Gesundheitsdiensten: Christlich orientierte Ärzte und Therapeuten haben mancherorts gemeinsam Gesundheitszentren gegründet, zu deren Heilungskonzept auch die Zusammenarbeit mit Kirchengemeinden gehört.

Umstrittener Weg zur Heilung

Aus christlicher Sicht bedeutet heilen mehr als "gesund machen". Heilen heißt hier etwa, einen chronisch Kranken zu befähigen, sein eingeschränktes Leben zu bejahen und es weiter selbst zu gestalten. Nun bieten Kirchengemeinden bereits unterstützende Hilfen wie etwa Sozialstationen, Besuchsdienste oder Selbsthilfegruppen. Diese Dienste und Gruppen führen jedoch meist ein Eigenleben abseits der Gemeinde. Um heilende Gemeinde zu sein, sei mehr nötig, meinen die im Trägerkreis des Kongresses stark vertretenen missionarischen Erneuerungsbewegungen. Krankheit und Leid müssten unmittelbar von der Gemeinde mitgetragen werden, etwa in Segnungs- und Salbungsgottesdiensten oder Gebeten um Heilung.

Austausch auf dem Christlichen Gesundheitskongress in Kassel 2010 (Foto: Brigitte Lehnhoff/DW)

Großes Interesse am Thema: kann Glaube bei der Genesung helfen?

Daran scheiden sich allerdings die Geister. So warnen etwa Christen aus den volkskirchlich geprägten evangelischen Landeskirchen, dass solche Gottesdienste bei Kranken Hoffnungen auf einen Lourdes-Effekt wecken könnten: Wer gesegnet wird, wird wieder gesund. Einheit besteht zwischen den Konfessionen also erstmal nur darin, dass sie alle möchten, dass Kirchengemeinden ihren biblisch begründeten Auftrag zu ganzheitlicher Heilung wiederentdecken sollen. Wie aber dieser Weg zur Heilung aussehen soll, ist umstritten, auch innerhalb der unterschiedlichen Traditionen jeder Konfession. Wer nach Heilung sucht, wird also weiterhin vor einer - nicht immer leicht zu durchschauenden - Vielfalt kirchlicher Angebote stehen.

Autor: Brigitte Lehnhoff

Redaktion: Marlis Schaum