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Projekt Zukunft

Kann das Schmallenberg-Virus auch Menschen krank machen?

Dr. Franz J. Conraths, Epidemiologe, Friedrich-Loeffler-Institut (Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit

Video ansehen 213:00

DW: In Deutschland sind mittlerweile 1000 Betriebe vom Schmallenberg-Virus betroffen und es tritt auch in anderen Ländern wie Großbritannien und Belgien auf. Wie schätzen Sie die Gefahr ein?

Franz J. Conraths: Wir sehen bei diesem Virus eine Infektion in ähnlichem räumlichen Umfang wie schon vor einigen Jahren beim Blauzungenvirus. Das heißt, eine Virusinfektion hat sich innerhalb von wenigen Monaten über große Teile Nord-West-Europas ausgebreitet. Wie die wirtschaftliche Folgen für die betroffenen Betriebe sein werden, das können wir im Moment nur begrenzt abschätzen.

In Deutschland soll ja bald eine Meldepflicht für das Virus geben. Ist das, aus Ihrer Sicht, höchste Zeit?

Ja, wir brauchen diese Meldepflicht, um genau erfassen zu können, in welchem Umfang die Ausbreitung des Virus stattgefunden hat, und um auch abschätzen zu können, ob weitere Maßnahmen ergriffen werden müssen. Maßnahmen staatlicherseits, in diesem Falle.

Wie sicher können Sie wirklich sein, dass das Virus sich nicht auch auf den Menschen überträgt?

Ganz sicher sein, kann man im Moment noch nicht. Ich denke aber, dass alles, was bisher bekannt ist, auch über die Verwandten dieses Virus, dagegen spricht, dass Menschen empfänglich sind, und dass es Menschen krank machen kann.

Würden sie Ihre Frau, wenn sie schwanger ist, in den Stall zu den toten Lämmern schicken, wie wir das im Beitrag gesehen haben?

Nein, ich würde das aus Sicherheitsgründen vermeiden.

Ähnliche Viren, wie das Schmallenberg-Virus, kommen auch in Asien vor. Wie ist das Virus zu uns gekommen?

Das ist eine gute Frage, die wir leider im Moment nicht beantworten können, die aber sicher genauerer Nachforschungen bedarf. Das Problem wird allerdings darin bestehen, dass dieses Virus hier zum ersten Mal aufgetreten ist. Die Frage ist, wo beginnen wir mit dem Suchen.

Es wird vermutet, dass Mücken das Virus übertragen. Jetzt stehen wir gerade vor der Sommerzeit. Steigt die Gefahr jetzt noch mehr an?

Ja, wir müssen damit rechnen, dass diese Virus-Infektion in der Saison, wenn die Insekten unterwegs sind, wieder übertragen wird. Aber ob dies in dem gleichen Maße passieren wird, wie im vergangenen Jahr, das können wir im Moment noch nicht sagen.

Ihr Institut untersucht das Virus. Was ist aktuell der wichtigste Fortschritt?

Der wichtigste Fortschritt, der zumindest unmittelbar bevorsteht, ist die Entwicklung von Tests, mit denen man bei großen Zahlen von Tieren Antikörper gegen das Virus nachweisen kann. Das erlaubt einzuschätzen, ob das Virus in einem Betrieb vorgekommen ist, auch in der Vergangenheit, unabhängig davon, ob wir bei den Tieren Krankheitsanzeichen sehen.

Das interessiert Landwirte besonders: Wann können wir mit einer Impfung gegen das Virus rechnen?

Das hängt nicht alleine von den Forschungsfortschritten ab, sondern auch von den Entwicklungszeiten für Impfstoffe. Die belaufen sich normalerweise auf mehrere Jahre, weil man auch die Sicherheit solcher Impfstoffe prüfen muss. Wenn es ganz besonders dringend ist, dann können diese Zeiträume heruntergefahren werden, auf Perioden bis zu 18 Monaten etwa.

(Interview: Maria Grunwald)