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Deutschland

Kandidatin von Rang

Nach dem neuen Superminister für Arbeit und Wirtschaft steht nun auch eine neue Person an der Spitze der Kultur. Die ehemalige Kultursenatorin Christina Weiss wird Staatsministerin für Kultur.

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Frau mit Persönlichkeit: Die neue Staatsministerin für Kultur Christina Weiss

Christina Weiss verspricht, eine Kandidatin von Rang zu sein. Christina Weiss, promovierte Literaturwissenschaftlerin und frühere Leiterin des Hamburger Literaturhauses, hat als Kultursenatorin Hamburgs zehn Jahre lang unmissverständlich klar gemacht, dass Kultur für sie Fundament ist und Reibungsfläche bedeutet - also mehr ist als das Sahnehäubchen, das einer reichen Gesellschaft zur gefälligen Zierde gereicht. Konsequenterweise hat die heute 48-jährige Parteilose stets den Mut gehabt, sich gegen Kleingeisterei und für zeitgenössische und zeitgemäße Kulturformen einzusetzen.

Bei der Vergabe von Posten bewies sie zwar nicht immer eine glückliche Hand, wohl aber Stehvermögen. Als sich der Intendant des berühmten Hamburger Thalia-Theaters von seinem Haus verabschiedete und auch der Chef des Hamburger Schauspielhauses beschloss, nach München zu wechseln, durfte sich Hannovers Schauspiel-Chef Ulrich Khuon praktisch aussuchen, welches Haus er haben wollte. Khuon nahm das Thalia-Theater und Tom Stromberg bekam das Hamburger Schauspielhaus. Und in der Folge hagelte die Kritik nur so, dass es krachte. Strombergs Spielplan wollte nicht gefallen, das Publikum blieb aus, die Fronten zwischen konservativen Theaterbesuchern und der jungen Generation verhärteten sich.

Rückendeckung und Standortetablierung

Christina Weiss aber gab demonstrativ Rückendeckung. Sie stellte sich hinter diejenigen, die sie geholt hatte, scheute sich gleichzeitig aber nicht, schmerzhafte Kürzungen vorzunehmen. Und dennoch brachte sie viele Projekte auf den Weg: Ihr ist es zu verdanken, dass die Museumsmeile gleich hinter dem Hamburger Hauptbahnhof um die aufregende Galerie der Gegenwart verlängert wurde, sie hat sich für Hamburg als Filmstandort stark gemacht und immer wieder die Bedeutung der Fotografie betont.

Eine Strukturreform in den städtischen Museen brachte mehr Unabhängigkeit von der Kulturbehörde, aber auch mehr Eigenverantwortlichkeit der einzelnen Häuser. Und angesichts der knappen öffentlichen Kassen führte die umtriebige Senatorin Festschreibung der Etats für die Staatstheater ein, die Planungssicherheit für mehrere Jahre gewährleisten sollte.

Einsatz für ein Miteinander

Vor zwei Jahren, nach dem Machtwechsel von der rot-grünen zu einer konservativ-liberalen Landesregierung in Hamburg, zog sich die Frau aus der Öffentlichkeit zurück. Nun hat sie zu einem Posten ja gesagt, für den sie zuvor zehn harte Jahre lang trainiert hat. "Wer nicht begreift, dass die Kultur das ist, was die Gemeinschaft ausmacht, der kann kein Staatswesen leiten", sagte Christina Weiss am Tag ihres Amtsabschieds in Hamburg. "Das Miteinander der Menschen wird definiert über die Kultur und nicht über die Politik."

Bundeskanzler Gerhard Schröder holt sich also nach dem originellen Denker Michael Naumann und dem Ordnungspolitiker Julian Nida-Rümelin wieder einen streitbaren Geist ins Kanzleramt: Die erste Frau auf dem gerade mal vier Jahre alten Posten, die sich an der hoch gelegten Latte ihrer Vorgänger wird orientieren müssen. Wobei die Kulturstaatsministerin ob ihres kleinen Etats und der begrenzten Macht vorrangig nur durch die Kraft der eigenen Persönlichkeit Einfluss nehmen kann.

Christina Weiss verspricht eben diese Extravaganz. Und dass sie Naumanns Denk-Eskapaden und Nida-Rümelins Stringenz verbinden könnte, deutet sich bereits in einem Wunsch an, den die Kulturexpertin in der Hamburger Presse schon vor ihrem entscheidenden Gespräch mit dem Kanzler verlauten ließ: Die Verantwortung für die Goethe-Institute, meinte sie da, würden besser ins Kulturressort denn ins Außenministerium passen.

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