1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Politik

Kandidaten der Palästinenserwahl

Für die Nachfolge des Anfang November verstorbenen Palästinenserpräsidenten Jassir Arafat stellen sich am Sonntag (9.1.) insgesamt sieben Kandidaten zur Wahl. Die Bewerber im Kurzporträt.

default

Wahlplakat des Favoriten im Großformat

Als einziger Bewerber der Fatah-Bewegung gilt Arafats langjähriger Weggefährte Mahmud Abbas als klarer Favorit der Präsidentschaftswahl. Seit Arafats Tod ist Abbas Chef der Palästinensischen Befreiungsorganisation PLO. Der Mitgestalter der Osloer Friedensverträge von 1993 war 2003 Ministerpräsident, warf aber schon nach kurzer Zeit nach einem Zerwürfnis mit Arafat das Handtuch. Abbas gilt als moderat, unter anderem befürwortet er ein Ende der gewaltsamen Intifada - dem Widerstand gegen Israel. Während des Wahlkampfs schlug er zuletzt jedoch zunehmend israel-feindliche Töne an, vermutlich, um auch Stimmen im radikalen Lager zu holen.

Abbas' größter Konkurrent ist Mustafa Barghuti. Als Generalsekretär der Palästinensischen Nationalbewegung setzt sich der 51-jährige Arzt für Demokratie und Menschenrechte ein. Darüber hinaus leitet er eine regierungsunabhängige palästinensische Ärzteorganisation. Niemand rechnet damit, dass Barghuti dem PLO-Chef den Sieg streitig machen wird, doch dürfte er ihn vor allem bei den Palästinensern Stimmen kosten, die sich umfassende Reformen wünschen. Laut Umfragen kann der Arzt bis zu einem Viertel der Stimmen bekommen. Während des Wahlkampfes wurde Barghuti zwei Mal von israelischen Sicherheitskräften festgenommen. Zuletzt am Freitag (7.1.) in der Jerusalemer Altstadt, da er ohne Genehmigung versucht haben soll, den Tempelberg zu betreten.

Unabhängiger Kandidat ist auch Abdelkarim Schubeir. Er hat im Gegensatz zu Barghuti keinerlei Aussichten auf größere Stimmengewinne. Schubeir arbeitet als Rechtsanwalt in Gaza. Einen Namen machte sich der 45-jährige Experte für internationales Recht vor allem durch seinen Einsatz für die Rechte der in Israel inhaftierten Palästinenser.

Als Kandidat der linksgerichteten Demokratischen Front zur Befreiung Palästinas (DFLP) tritt Taissir Chaled bei der Wahl am Sonntag an. Das 63-jährige Mitglied des PLO-Exekutivkomitees stammt zwar aus Nablus im Westjordanland. Da er aber erst nach der Gründung der palästinensischen Autonomiebehörde 1994 aus dem Exil zurückkehrte, betrachten ihn viele Palästinenser als Mitglied der ungeliebten alten Garde, die von dem früheren und heutigen Leid der Menschen in den Palästinensergebieten wenig mitbekommt.

Im Gegensatz zu Chaled zählt Bassam el Salhi zur jungen Garde. Der Generalsekretär der ehemals kommunistischen Volkspartei und ihr einziger Kandidat wurde 1960 im Flüchtlingslager El Amari bei Ramallah im Westjordanland geboren. Zwischen 1979 und 1981 leitete er den Studentenrat der Universität von Bir Seit. Im Laufe der Intifada saß er mehrmals in Israel in Haft.

Angesichts des Boykotts der beiden fundamentalistischen Bewegungen Hamas und Islamischer Dschihad gibt es nur zwei unabhängige islamistische Kandidaten:

Der 48-jährige Sajjed Barakah war früher Mitglied des Islamischen Dschihad, nach einem Streit mit dessen Führung verließ er jedoch die Bewegung. Um sich für die Präsidentschaft bewerben zu können, legte er sein Amt als Generaldirektor des Ministeriums für Jugend und Sport in Gaza nieder.

Abdelhalim el Aschkar leitet seine Werbekampagne vom US-Bundesstaat Virginia aus, wo der 1958 im Westjordanland geborene Wissenschaftler seit 1989 lebt. Dort wurde er schon mehrmals unter dem Verdacht festgenommen, Spenden für die radikalislamische Hamas zu sammeln. Die letzte Festnahme erfolgte im August, seitdem steht er unter Hausarrest und kann deshalb nicht persönlich in den Palästinensergebieten auftreten. Seinen Wahlkampf führt Aschkar hauptsächlich mit Hilfe von Anzeigen in der palästinensischen Presse. (kap)