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Politik

Kandidat ohne Charisma

Mit einem neuen Gesicht gegen den alt-gedienten Premierminister Ariel Scharon wollte die Arbeitspartei bei der Parlamentswahl punkten. Doch der hölzern wirkende Amram Mizna kommt bei der Bevölkerung nicht an.

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Schwere Aufgabe: Amram Mizna wirbt um Wähler

Das hatten sich die Strategen der israelischen Arbeiterpartei wohl etwas anders vorgestellt: Der Ausstieg aus der Koalition mit dem rechtskonservativen "Likud" und die Aufstellung eines friedens- und konzessionsbereiten Spitzenkandidaten sollte dem Land wieder eine Alternative bieten zur gegenwärtigen Gewalt und Hoffnungslosigkeit. Wenige Tage vor den Wahlen scheinen Umfragen zu belegen, dass dieses Kalkül nicht aufgehen wird und dass die Sozialdemokraten vielleicht sogar zur drittgrößten Partei zurückfallen, mit Sicherheit aber nicht die Regierung bilden werden.

Um den Makel des Mittäters und des Mitverantwortlichen an der militärischen, politischen und wirtschaftlichen Mißlage ihres Landes loszuwerden, hatten die Sozialdemokraten vergangenes Jahr ihren bisherigen Parteiführer Benjamin Ben Eliezer – der als Verteidigungsminister in Ariel Scharons Großer Koalition gedient hatte – durch einen bislang weitgehend Unbekannten abgelöst: Amram Mizna, den stillen und bescheidenen Bürgermeister der nordisraelischen Hafenstadt Haifa. Der neue Parteichef sollte der Partei wieder Profil verleihen und sie zu einer attraktiven Alternative zu Scharons Likud machen. Zu einer Partei auch, mit der man dem täglichen Blutvergiessen mit den Palästinensern ein Ende setzen würde.

Gute Voraussetzungen

Mizna schien wie geeignet für diese Aufgabe: Als ehemaliger General hatte er sich immer wieder kritisch mit Scharon auseinandergesetzt und dessen – militärisches wie politisches – Vorgehen kritisiert. Zum Beispiel während des Libanonkrieges, als israelische Truppen bis nach Beirut vordrangen und es – vor zwanzig Jahren – dort zu den Massakern von Sabra und Shatila kam. Mizna hatte aber auch zur Zeit der ersten "Intifada", dem Palästinenseraufstand, als Kommandant der Westbank Entschlossenheit und Härte gegen die Palästinenser gezeigt, die dann in seiner Amtszeit als Bürgermeister wieder aufgewogen wurden durch ein geschicktes Miteinander von Juden und Arabern im traditionell gemischten Haifa.

Der hagere Ex-General hat es aber nicht geschafft, die Wähler mit diesen Eigenschaften zu überzeugen. Es scheint ihm der wahre Draht zum Wähler zu fehlen und er kommt steif und hölzern daher. Vor allem aber: Mizna gelingt nicht der große Wurf, um sich aus der gegenwärtigen Lage zu befreien: Er hat zwar von Verhandlungen mit der Palästinenserorganisation PLO geredet, das aber ist nicht sonderlich populär, solange es zu Selbstmordanschlägen kommt. Sonst plädiert Mizna für die Trennung von den Palästinensern – notfalls auch durch die gigantische Trennmauer, die sich bereits im Bau befindet, aber doch sicher kein Ende der Gewalt bringen kann. Und Frieden schon gar nicht.

Platz statt Sieg

Mizna hat sich schließlich auch festgelegt, dass er sicher nicht in eine neue Große Koalition mit Scharon gehen werde. Das hätte ihm beinahe die Spitzenkandidatur gekostet, denn die schlechten Umfrageergebnisse stärkten die alte Garde in der Partei und man war vorübergehend zumindest sogar bereit, den alten Schimon Peres wieder ins Spiel zu bringen. Inzwischen scheint man sich mit der Realität abgefunden zu haben: Mizna wird nicht siegen. Er kann von Glück reden, wenn er wenigstens die israelisch-arabischen Stimmen bringt. Und die Neueinwanderer – besonders aus den Ländern der ehemaligen Sowjetunion – laufen ohnehin zu Scharon.

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