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Aktuell Europa

Kanareninseln drohen mit Abbruch der Beziehungen zu Madrid

Schon wieder hat die spanische Regierung Ärger mit einer ihrer Regionen. Die Kanaren wollen Erdölbohrungen an ihren Küsten nicht zulassen. Dem Ministerpräsidenten Rajoy werfen sie zudem vor, sie ungleich zu behandeln.

Der Regierungschef der Kanarischen Insel, Paulino Rivero, droht Madrid mit dem Abbruch der offiziellen Beziehungen. Der Grund: 50 Kilometer vor der Küste der Inseln Lanzarote und Fuerteventura soll der spanische Konzern Repsol nach Erdölvorkommen suchen dürfen.

Die Genehmigung von Probebohrungen vor den Inseln sei eine Respektlosigkeit gegenüber den Bewohnern des Archipels, sagte der kanarische Regierungschef in Las Palmas de Gran Canaria. "Die Kanaren sind nicht zu verkaufen", sagte Rivero und forderte den spanischen Regierungschef Mariano Rajoy auf, einzuschreiten. Rivero kündigte an, mit allen Mitteln zu kämpfen, um die Bohrungen zu verhindern.

Der Präsident der Region der Kanaren Paulino Rivero (Foto:afp)

Legt sich mit Madrid an: Paulino Rivero, Präsident der Region der Kanaren

Bohrungen in sieben Kilometer Tiefe

Das spanische Industrieministerium hat dem Erdölkonzern erlaubt, in einer Tiefe zwischen drei und sieben Kilometer drei Probebohrungen durchzuführen. Das entsprechende Seegebiet befindet sich zwischen den Kanaren und der marokkanischen Küste. Die Bohrungen sollen noch im letzten Quartal dieses Jahres beginnen.

Die kanarische Inselgruppe befindet sich ungefähr 1000 Kilometer vom spanischen Festland enfernt. Die autonome Region wird von der nationalistischen Regionalpartei Coalición Canaria regiert. Der Tourismus gehört zu den Hauptwirtschaftszweigen der Inselgruppe. Das bewahrt die Kanaren aber in den Krisenzeiten nicht vor einer hohen Arbeitslosigkeit. Die Quote der Menschen ohne Beschäftigung liegt spanischen Medienberichten zufolge bei knapp über 30 Prozent - nur die Regionen Andalusien und Extremadura haben mehr Arbeitslose.

Repsol verspricht Arbeitsplätze

Repsol-Chef Antonio Brufau verteidigt sein Bohrvorhaben daher mit dem Hinweis, dass die Ölförderung bis zu 5000 Arbeitsplätze vor Ort schaffen könnte. Die Bewohner wittern durch die Probebohrungen jedoch eine Gefahr für ihre Insel. Mehrere Umweltschutzgruppen haben gedroht, gegen das Vorhaben vor Gericht zu ziehen - wegen "Unregelmäßigkeiten im Genehmigungsverfahren".

Der kanarische Präsident wurde bereits im vergangenen Jahr in Brüssel vorstellig, um bei der Europäischen Kommission für die Einstellung des Projektes zu werben. Nun wirft Paulino Rivero dem spanischen Ministerpräsidenten Rajoy vor, seine autonome Region im Vergleich zu den Balearen-Inseln ungleich zu behandeln. Auf Mallorca hatte Rajoy vor kurzem ausgeschlossen, dass es vor den Küsten der Mittelmeerinsel Probebohrungen geben werde.

zam/ml (afp, dpa)