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Multikulturalismus

Kanada und seine Immigranten

Nach dem mörderischen Anschlag auf Betende in einer Moschee in Québec beschwört Kanadas Premier Justin Trudeau die Fremdenfreundlichkeit seines Landes. Doch ganz so einfach ist es nicht.

Kanada hat seine ganz eigenen Probleme mit Fremden- und Religionsfeindlichkeit. Auch das islamische Kulturzentrum im Südwesten der Stadt Québec hat das schon erlebt: ein blutiger Schweinekopf vor der Moschee im Juni vergangenen Jahres, fremdenfeindliche Schmierereien. In der Nachbarprovinz Ontario ging eine Moschee in Flammen auf. Die Zahl derjenigen, für die es bereits zu viele Zuwanderer gibt, hat sich vom niedrigsten Stand 2005 in zehn Jahren fast verdoppelt. Der mit Abstand größte Teil steht der konservativen Partei des Landes nahe, so eine Umfrage von 2015.

Den konservativen Premier Stephen Harper aber haben die Kanadier dann Ende 2015 abgewählt und sich für den Wechsel entschieden. Diesen Wechsel verkörpert der liberale Premier Justin Trudeau - eine Art-Anti-Trump besonnenen und vermittelnden Auftretens. Mit einem klaren Bekenntnis zu einem vielfältigen Kanada. Auch nach dem jüngsten Terror. Religiöse Toleranz sei Kanadiern teuer so schreibt er. Muslimische Kanadier seien ein wichtiger Teil der Identität des Landes.

Die neue Regierung hat unmittelbar nach Amtsantritt die Umsiedlungszahlen für syrische Flüchtlinge erhöht - ganz im Gegensatz zu den USA, wo der neue Präsident deren Einreise gerade auf unbestimmte Zeit gestoppt hat. Fast 40.000 sind seitdem ins Land gekommen. Jeder Dritte davon dank der privaten, finanziellen Unterstützung durch Kanadier, eines sogenannten privaten "Sponsorings", ein kanadischer Sonderweg. Hilfsbereitschaft, die sich Kanadier richtig Geld kosten lassen.

Welcome to Canada, hatte Trudeau am Samstag noch vor dem Anschlag getwittert, Bienvenue Au Canada. In seiner Antwort auf Trumps Einreisestopp versicherte Trudeau: Kanadier werden die, die vor Verfolgung, Terror und Krieg fliehen, willkommen heißen, unabhängig vom Glauben. Vielfalt sei die Stärke des Landes.

Dafür sprechen die Zahlen. Ein Fünftel der Bevölkerung ist nicht in Kanada geboren. Über 200 ethnische Gruppen haben die kanadischen Statistiker ermittelt. Ein Bekenntnis zur kulturellen Vielfalt ist sogar in der Verfassung verankert. Das ist ein hoher Anspruch, aber auch purer Pragmatismus. Das Land ist auf Zuwanderer angewiesen. Nur 35 Millionen Menschen verteilen sich über das zweitgrößte Land der Welt.

Dafür sprechen neben den Zahlen auch Bilder. Trudeau hat am Wochenende noch einmal ein Foto veröffentlicht - es zeigt, wie er Ende 2015 ein syrisches Flüchtlingsmädchen in Toronto begrüßt. Dass der Premier Kanadas vor dem Kind in die Hocke geht und es strahlend in Empfang nimmt, ist auch politische Selbstinszenierung. Keine Selbstinszenierung ist, dass das Kind eine dicke Winterjacke für die neue kalte Heimat anhat. Gespendet von hilfsbereiten Kanadiern.