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Aktuell Amerika

Kanada plant schärfere Sicherheitsgesetze

Nach den tödlichen Angriffen in Ottawa geht die Polizei von einem Einzeltäter aus. Premier Harper kündigt neue Anti-Terror-Maßnahmen an. Ein Mitarbeiter des kanadischen Parlaments wird inzwischen als Held gefeiert.

Nach dem blutigen Attentat in der kanadischen Hauptstadt Ottawa hat Premierminister Stephen Harper schärfere Sicherheitsgesetze angekündigt. In einer Rede zur Wiedereröffnung des Parlaments betonte er zugleich, das Land lasse sich nicht von Gewalt und Terror einschüchtern. "Wir werden wachsam sein, aber wir werden nicht verängstigt umherlaufen", sagte er unter dem Beifall der Abgeordneten.

An den Anschlägen war nach Angaben der Behörden nur ein Täter beteiligt. Die Polizei hat entsprechende Medienberichte bestätigt, gab aber keine Details über den ums Leben gekommenen Gewehrschützen bekannt. Über die genauen Hintergründe wird immer noch spekuliert: War es ein Islamist oder ein Verrückter?

Medienberichten zufolge hatte der 32-jährige Michael Z. am Mittwoch aus nächster Nähe einen Wachsoldaten vor einem Ehrenmal erschossen und war dann mit seinem Gewehr in das Parlamentsgebäude gestürmt. Dort sei er von einem Wachmann bei einem Feuergefecht erschossen worden. Regierungschef Harper sagte lediglich, bei dem Täter handele es sich um einen kanadischen Staatsbürger.

Journalisten vor dem Parlamentssitz (Foto: Mike Carroccetto/Getty Images)

Journalisten vor dem Parlamentssitz

"Bedingungsloser Beistand"

US-Präsident Barack Obama sagte dem kanadischen Premier Stephen Harper in einem Telefonat seinen bedingungslosen Beistand zu. Die britische Königin Elizabeth II., zugleich Staatsoberhaupt Kanadas, hat das Attentat verurteilt und den Betroffenen ihr Mitgefühl ausgesprochen. Der britische Premierminister David Cameron zeigte sich "bestürzt". Frankreichs Präsident François Hollande versicherte Kanada der "gänzlichen Solidarität" seines Landes. Auch Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier verurteilte die Tat und sprach den Angehörigen der Toten sein Mitgefühl aus.

Im Fernsehen waren dramatische Szenen von flüchtenden Menschen und angsterfüllten Abgeordneten zu sehen. Schwer bewaffnete Polizeibeamte rannten geduckt über die Gänge, als die Schüsse fielen. Parlamentarier verbarrikadierten angesichts der Schießerei die Türen ihrer Räume mit Tischen und Bänken. Stephen Harper und andere Regierungsmitglieder, die sich in unmittelbarer Nähe befanden, mussten in Sicherheit gebracht werden.

Täter als gefährlich bekannt?

Kanadische Medien berichten, der mutmaßliche Angreifer Michael Z. sei zum Islam konvertiert und den Behörden als gefährlich bekannt gewesen. Demnach war er wegen Drogendelikten und Raubes vorbestraft. Ein Regierungsvertreter sagte der Zeitung "Globe and Mail", der Mann sei von den Sicherheitsdiensten überwacht worden. Kürzlich sei zudem sein Pass eingezogen worden, um ihn an der Ausreise etwa nach Syrien zu hindern.

Unterdessen wird der Zeremonienmeister und Sicherheitschef des Parlaments, der sogenannte "Sergeant at Arms", Kevin Vickers im Land als Held gefeiert. Der 58-jährige Ex-Polizist soll der Mann gewesen sein, der den Attentäter erschoss. Der Parlamentarier Craig Scott schrieb im Internet: "Die Abgeordneten und ihre Mitarbeiter verdanken ihre Sicherheit, ja ihr Leben Sergeant at Arms Kevin Vickers, der den Angreifer direkt vor dem Sitzungssaal niedergeschossen hat."

Luftverteidigung alarmbereit

Zwischenzeitlich war auch die gemeinsame Nordamerikanische Luftverteidigung von USA und Kanada in erhöhte Alarmbereitschaft versetzt worden. Die Bevölkerung von Ottawa war aufgerufen, sich von Fenstern fernzuhalten und nicht auf die Dächer zu gehen.

Kanada will sich an den US-geführten Luftangriffen auf die Dschihadistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) im Irak und in Syrien beteiligen. Die Behörden gehen daher von einer erhöhten Anschlagsgefahr aus. Erst am Montag hatte ein mutmaßlicher Islamist zwei Soldaten bei Montréal mit seinem Auto überfahren und einen davon getötet. Er selbst wurde von der Polizei erschossen.

jj/pg (dpa, afp, rtr)