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Kanada

Kanada legalisiert Drogen zur Entspannung

Medizinisches Marihuana gab es bereits bisher in Kanada legal. Künftig soll es die Drogen auch zur Entspannung und zum Konsum straffrei geben. Aus Toronto berichtet Jillian Kestler-D'Amours.

Kanada wird wohl das erste Land in Nordamerika werden, das Marihuana und Cannabis auch zum Konsum freigibt. Experten gehen davon aus, dass die entsprechende Bundesgesetzgebung, die im Laufe der Woche erfolgen soll, nur der erste Schritt ist. Die landesweite Umsetzung der Cannabis-Handhabung wird sich wahrscheinlich von Küste zu Küste unterscheiden.

Die Rahmengesetzgebung werde es den verantwortlichen Politikern ermöglichen, eine Regulierung zu verabschieden, die da ansetzt, wo sie benötigt werde, sagt Hugo Alves, ein Rechtsanwalt aus Toronto, der sich auf dem Gebiet der medizinischen Marihuana-Industrie spezialisiert hat.

Noch ist nicht klar, an welchen Orten solche Cannabis-Produkte zur Entspannung in Kanada verkauft werden, sobald sie legalisiert sind. Ungeklärt ist bisher auch, welche Institutionen die Drogen produzieren dürfen. Und offen ist auch die Frage, welche Steuern die Regierung erheben wird. 

Anwalt Alvis geht davon aus, dass die Regulierungen auf lokaler und überregionaler Ebene umgesetzt werden, um die Verteilung zu kontrollieren. Das könnte bedeuten, dass einige Provinzen private und unabhängig operierende Verkäufer zulassen werden, während andere auf staatliche Monopolsysteme setzen. "Wir werden in Kanada den Weg weisen und andere Gesetzgeber werden sich ansehen, wie sich das bei uns entwickelt. Alle Augen sind auf uns gerichtet", sagt Alvis im Gespräch mit der DW. 

Kanada Parlamentswahlen Justin Trudeau (Reuters/C. Wattie)

Legalisierung als Wahlkampfthema - Justin Trudeau

Die Legalisierung von Marihuana zu Zwecken der Entspannung war ein Versprechen von Premierminister Justin Trudeau im Wahlkampf von 2015. Ein Jahr später schuf die Regierung eine Arbeitsgruppe, die Empfehlungen ausarbeiten sollte, wie das neue System aussehen könnte. Diese Arbeitsgruppe sah sich an Orten um, in denen der Marihuana-Konsum bereits legalisiert war. So zum Beispiel in den US-Staaten Colorado und Washington. Auch im Land Uruguay. Daraus entstand die Empfehlung, den Verkauf von Cannabis erst ab 18 Jahren zu erlauben und die Werbung ähnlich der Regelung für Zigaretten streng zu reglementieren.

Öffentliches Gesundheitsproblem

Die Regierung in Ottawa wird die Details ihrer Pläne wahrscheinlich am Donnerstag bekannt geben. Der legale Erwerb von Cannabis soll wohl schon vor dem 1. Juli 2018 möglich sein.

Marihuana ist die am häufigsten verwendete illegale Droge in Kanada. Laut dem Zentrum für Sucht- und Psychische Gesundheit (CAMH) in Toronto, sagen 44 Prozent der Bürger, sie hätten Cannabis mindestens einmal in ihrem Leben probiert. Kanadische Teenager rauchten das meiste Marihuana bereits im Alter zwischen 11 und 15 Jahren, wie ein UNICEF-Bericht des Jahres 2013 aufzeigt.

Niederlande Coffee Shop in Amsterdam (Getty images/AFP/J. Juinen)

Vorbild in Amsterdam: die "Coffee Shops". In Kanada wird noch über Verkaufsorte verhandelt.

Jürgen Rehm, Geschäftsführer des Institutes für Politikforschung zur Psychischen Gesundheit beim CAMH in Toronto meint, dass die Legalisierung von Cannabis in erster Linie als Angelegenheit der öffentlichen Gesundheit behandelt werden sollte. "Jede Art des Eingriffs durch die Regierung sollte die Absicht verfolgen, die Schäden durch Cannabis so gering wie möglich zu halten." Rehm fordert Beschränkungen und Anforderungen, die auf die Eigenschaften der Produkte aufmerksam machen. "Es sollte keine gewöhnliche Ware sein", sagt Rehm.   

Medizinisches Marihuana seit Jahren legal

Kanada legalisierte den Verkauf und den Erwerb von Cannabis zu medizinischen Zwecken bereits im Jahr 2001. Geschäfte, die medizinisches Marihuana verkauften, entstanden im ganzen Land und waren als "Arzneimittelausgabe" bekannt. Allerdings fielen der Besitz und Verkauf der Droge für nicht medizinische Zwecke nach kanadischen Gesetzen bisher unter das Strafgesetzbuch, wenn auch in größeren Städten bei kleinen Mengen zum persönlichen Gebrauch ein Auge zugedrückt wurde.

Über Jahre hatte die Kanadische Gesundheitsbehörde argumentiert, dass die Kriminalisierung von verbotenen psychoaktiven Substanzen wie Cannabis weder deren Verbrauch reduziert noch die Menschen besser schützt. Stattdessen sei durch das Verbot ein gefährliches System entstanden, das dem illegalen Markt zugute kam und zu gesundheitlichen Schäden, zum Tod und der Verbreitung von Krankheiten führte.

Kanada Toronto Marijuana Dispensary (picture-alliance/empics/The Canadian Press/A. V. Elkaim)

Alle Cannabis-Ausgabestellen stehen bisher unter Polizeibeobachtung

Die Mehrheit der Kanadier scheint dem zuzustimmen. Sieben von zehn Kanadiern unterstützen die Legalisierung von Marihuana, wie eine Umfrage aus dem Jahr 2016 zeigt. Mehr als 40 Prozent der Menschen sprachen sich dafür aus, dass die Droge völlig legal in Arzneimittelausgaben oder Apotheken verkauft werden sollte. 36 Prozent wollen sogar den Verkauf in Geschäften für Alkoholische Getränke erlauben.

Der Geschäftsführer des (CAMH), Rehm, geht davon aus, dass nun Gesundheitsbeauftragte aus der ganzen Welt nach Kanada blicken, um vom Prozess zu lernen. Deshalb gelte es vorsichtig zu sein. "Es sollte klargestellt werden, dass es sich um ein vorläufiges Gesetz handelt, das in zwei oder drei Jahren neu ausgewertet wird", so Rehm. "Wenn es Probleme gibt, die wir nicht vorhergesehen haben, dann sollte es die Möglichkeit geben, das eine oder andere zu verbessern."