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Eishockey-WM

Kanada lässt deutschen Traum platzen

Im Viertelfinale der Heim-WM ist für das deutsche Eishockey-Team Endstation. Weltmeister Kanada kontrolliert die Partie - nur in einer Situation können die Deutschen begeistern. Insgesamt ist das DEB-Team zu harmlos.

Video ansehen 01:09

DEB-Team verpasst WM-Sensation

Es war ein genialer Steilpass aus dem eigenen Drittel: 54. Spielminute, Deutschland in Unterzahl. Yannic Seidenberg nimmt die Scheibe geschickt an, sprintet los, umkurvt den kanadischen Goalie und bringt mit dem 1:2-Anschlusstreffer die Halle zum Kochen. Leider war dieser Moment fast der einzige Lichtblick, an einem Abend, an dem die deutsche Eishockey-Auswahl von Weltmeister Kanada deutlich ihre Grenzen aufgezeigt bekam. Zwar endete die Viertelfinal-Partie nicht mit einem Kantersieg der Kanadier - dafür war Deutschlands Torhüter Philipp Grubauer zu stark - doch hatte Team Kanada über die gesamte Spieldauer die volle Kontrolle. Vor 16.653 Zuschauern in der überraschend nicht ausverkauften Kölner Arena hieß es am Ende 1:2 (0:1, 0:1, 1:0). Vor dem Tor von Seidenberg hatten Mark Scheifele (18.) und Jeff Skinner (39.) für Kanada getroffen.

Kaum gefährliche Abschlüsse

Das deutsche Team war zu nervös und leistete sich zu viele Aussetzer. Auch der nachnominierte NHL-Jungstar Leon Draisaitl zeigte das schwächste seiner drei WM-Spiele. "Wir haben es Kanada zu leicht gemacht. Jedes Mal, wenn wir die Scheibe hatten, haben wir sie direkt wieder hergegeben", analysierte der deutsche Torschütze Yannic Seidenberg anschließend bei Sport1. "Die Enttäuschung ist groß. Nächstes Mal müssen wir besser spielen, vielleicht klappt es dann." Auch Torhüter Grubauer hatte mehr Kritikwürdiges als Lobenswertes gesehen: "Wir sind zum Teil aus dem eigenem Drittel gar nicht herausgekommen. Und haben uns selbst ins Knie geschossen mit den vielen Strafzeiten."

Eishockey-WM: Kanada - Deutschland (picture alliance/dpa/M. Becker)

Kein Durchkommen: Kanadas Goalie Calvin Pickard wurde von den deutschen Stürmern zu selten geprüft

Zwar stimmte die kämpferische Einstellung, doch nach vorne waren die Deutschen lange nicht wirklich gefährlich, auch nicht im Powerplay. Im zweiten Drittel brachte die deutsche Offensive trotz zweier Überzahlsituationen nur einen Schuss aufs Tor zustande. Auch in der Abwehr kamen die Deutschen fast immer einen Schritt zu spät, im Spielaufbau gab es zu viele Abspielfehler. Deutschland konnte sich beim starken Grubauer im Tor und dem kanadischen Unvermögen bedanken, dass es nach zwei Dritteln nur 0:2 stand. Doch in der ersten Unterzahlphase kurz vor dem Ende des ersten Drittels war der NHL-Torwart der Washington Capitals ebenso machtlos wie beim Geistesblitz von Skinner kurz vor der zweiten Drittelpause. Der Stürmer der Carolina Hurricanes legte einen Abpraller blitzschnell an Grubauer vorbei ins Netz. Erst der Anschlusstreffer Seidenbergs sorgte für spannende Schlussminuten. Angefeuert vom Publikum stemmten sich die Gastgeber gegen die Niederlage, es blieb aber bei dem einen Treffer.

DEB-Auswahl vor Umbruch

Eishockey-WM: Kanada - Deutschland (picture alliance/dpa/M. Skolimowska)

Bester Deutscher: Torhüter Philipp Grubauer

Unklar ist nun, wie es mit einigen Routiniers im deutschen Team weitergeht. Auch der bei der WM ansonsten überzeugende deutsche Kapitän Christian Ehrhoff, mittlerweile 34 Jahre alt, ließ sich gegen Kanada von der Nervosität seiner Mitspieler anstecken. Der insgesamt beste deutsche Spieler, NHL-Verteidiger Dennis Seidenberg, wird im Juli bereits 36. Der Vertrag von Bundestrainer Sturm läuft bis zu WM im kommenden Jahr, soll aber noch 2017 verlängert werden. Trotz des Ausscheidens ist die WM mit dem Erreichen des Minimalziels Viertelfinale als Erfolg zu werten. Der erst 38 Jahre alte Sturm führte das deutsche Team nach einigen Jahren des Rückschritts vor seiner Zeit im zweiten Jahr am Stück in die WM-K.o.-Runde. Das hatte zuletzt Uwe Krupp 2010 und 2011 geschafft. 

Das kanadische NHL-Star-Ensemble spielt am Samstag im Halbfinale in Köln gegen Russland. Im zweiten Halbfinale messen sich Finnland und Schweden. Das Team von Bundestrainer Marco Sturm schließt das Heim-Turnier schon nach dem Viertelfinale als WM-Achter ab. Anders als vor sieben Jahren bei der bislang letzten Heim-Weltmeisterschaft war der Viertelfinalgegner in diesem Jahr zu stark. 2010 war die Auswahl des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB) noch durch ein 1:0 gegen die Schweiz bis ins Halbfinale vorgedrungen.

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