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Politik

Kampflos in Kundus

Bundesverteidigungsminister Peter Struck hat am Samstag (31.1.) erstmals die deutschen Soldaten in Kundus besucht. 230 sind dort im Einsatz. Ihr Alltag zwischen den Interessengruppen im Land ist nicht frei von Gefahren.

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Panzer gehören wie selbstverständlich zum Straßenbild

Die Probleme, mit denen die deutschen Soldaten in Kundus bisher zu kämpfen haben, sind logistischer Art: Das Bundeswehr-Camp platzt aus allen Nähten, Truppentransport und Versorgung sind eine Herausforderung. Auch den Überblick über das riesige Einsatzgebiet im Norden Afghanistans - es ist so groß wie Hessen und Bayern zusammen - müssen sich die Soldaten erst noch verschaffen. Die ersten Kontakte mit der Bevölkerung in Kundus seien aber problemlos verlaufen. "Wir haben bisher die Erfahrung in Kundus gemacht, dass unsere Soldaten nicht Ziel von Hass oder Ablehnung gewesen sind, und ich hoffe, dass es so bleibt", bilanziert Verteidigungsminister Peter Struck (SPD).

Relative Ruhe

Kundus wurde unter anderem deshalb als Standort ausgewählt, weil die Lage dort relativ stabil ist - Kritiker des Einsatzes bemängeln genau das. Dennoch ist die Präsenz ausländischer Soldaten nicht von allen erwünscht. "Nach dem Bericht, den mir unser Kommandeur in Kundus gegeben hat, können wir tatsächlich das Wort 'relativ sicher' verwenden", sagt Struck. "Es ist aber nicht auszuschließen, dass es auch im Norden des Landes, wo es bisher ruhig war und wir keine massiven Anschläge hatten, Aktivitäten der Taliban geben könnte." Vor allem im Vorfeld der Wahlen könnte es zu Unruhen kommen, fürchtet der Verteidigungsminister.

Hinzu kommt, dass Amerikaner und Briten den Kampf gegen Taliban und El Kaida in Afghanistan mit vielen Tausend Soldaten fortsetzen - in der Mission "Enduring Freedom". Unter dieser Flagge arbeiten auch die Regionalen Wiederaufbauteams der Amerikaner, Briten und Neuseeländer - nur das deutsche nicht. Das Regionale Wiederaufbauteam (PRT) in Kundus ist das einzige, das zur Internationalen Sicherheitstruppe ISAF gehört und somit unter Nato-Kommando steht. Der Schwerpunkt liegt auf Stabilisierung und Wiederaufbau. Für die Menschen in Afghanistan sei das auf den ersten Blick kaum zu unterscheiden, kritisiert der FDP-Außenpolitiker Werner Hoyer. "Deswegen werden auch viele, die unter ISAF dort ihren Dienst tun und eine hervorragende Leistung erbringen, in Haftung genommen für das, was bei 'Enduring Freedom' passiert", so Hoyer. "Das halte ich für eine durchaus gegebene Gefahr."

Keine Einmischung

Gefährlich könnte den Deutschen der Einsatz auch deshalb werden, weil in der Region Kundus in großem Stil Heroin für den Weltmarkt produziert wird. Die strikte Anweisung des Verteidigungsministers lautet daher: Keine Einmischung. "Für uns ist völlig klar, dass die deutschen Bundeswehrangehörigen sich nicht an der Bekämpfung des Drogenanbaus oder Drogenhandels beteiligen. Das hat der Bundestag ausdrücklich auf Vorschlag der Regierung auch so beschlossen. Das bleibt federführend Aufgabe der Briten zusammen mit amerikanischen Kräften", sagt Struck. Die Deutschen dagegen sollen sich in Kundus um den Wiederaufbau kümmern.

Zu diesem Zweck sind drei Mitarbeiter des Auswärtigen Amts in Kundus, wo eine Außenstelle der Botschaft in Kabul eingerichtet wurde. Sie begleiten die Bundeswehr-Kommandeure bei ihren Gesprächen mit den örtlichen Machthabern. Das Innenministerium schickt Polizeiausbilder, das Ministerium für Wirtschaftliche Zusammenarbeit Entwicklungshelfer, die sich unter anderem um den Straßenbau und die Trinkwasserversorgung kümmern. Daneben sind Nichtregierungsorganisationen in der Region tätig. Ihnen bietet Verteidigungsminister Struck Schutz und Geleit durch die Bundeswehr an - ein Angebot, das viele Hilfsorganisationen zunächst dankend abgelehnt hatten. Einige Hilfsorganisationen verzichten aber weiterhin bewusst auf militärischen Schutz, den sie auch bisher nicht gebraucht haben. "Jeder macht halt sein Ding", sagt Uli Post, Sprecher der Welthungerhilfe.

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