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Aktuell Europa

Kampfansage an Jugendarbeitslosigkeit

Mehr als fünf Millionen Jugendliche in der EU sind arbeitslos. Doch was dagegen tun? In Berlin kamen Vertreter von Regierungen, Arbeitsministerien und -Agenturen zusammen, um genau darüber zu beraten.

Der Großteil ihrer Freunde sei wieder bei ihren Eltern eingezogen und hangele sich von einem unbezahlten Praktikum zum nächsten, erzählt die griechische Journalistin Stylia Kampani. Andere seien ausgewandert, weil sie einfach keine Stelle finden können. So wie den Freunden der Anfang 20-Jährigen geht es vielen jungen Menschen, vor allem in Südeuropa, wo in Folge der Finanz- und Wirtschaftskrise viele Stellen abgebaut worden sind: In der EU haben mehr als fünf Millionen junge Menschen keine Arbeit. In Griechenland und Spanien sind mehr als 50 Prozent aller Jugendlichen arbeitslos.

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Chefsache Jugendarbeitslosigkeit

Dagegen will die EU angehen - auch mit deutscher Führung: An diesem Mittwoch treffen sich europäische Staats- und Regierungschefs mit den Arbeitsministern und den Leitern der Arbeitsagenturen der EU-Mitgliedsstaaten in Berlin, um konkrete Maßnahmen gegen die Arbeitslosigkeit zu besprechen. Das Gipfeltreffen ist auf Einladung von Kanzlerin Angela Merkel zustande gekommen und knüft an den letzten Brüsseler EU-Gipfel an.

Arbeitsministerin Ursula von der Leyen, die sich seit längerem für das Thema einsetzt, erwartet im Vorfeld konkrete Fortschritte: "Es wird zum ersten Mal ein konkreter, ausgewogener Instrumentenkasten auf dem Tisch liegen, der unterlegt ist mit finanziellen Mitteln." Bereits Anfang 2012 hatten die Regierungschefs das Thema zur Priorität gemacht. Dabei hat die EU auch das Thema Mobilität in den Mittelpunkt gestellt und etwa "Erasmus", das Austauschprogramm für Studenten, auf Auszubildende ausgeweitet.

Datenvisualisierung Plan B Griechenland Jugendarbeitslosigkeit (Copyright: Deutsche Welle, Antje Binder)

Deutsch-griechischer Vergleich: In Griechenland haben mehr als 50 Prozent der Jugendlichen keine Arbeit

Austausch von Arbeitsagenturen

Bei dem Sondergipfel soll es vor allem um den Austausch von nationalen Erfahrungen gehen: So werden sich die Arbeitsagenturen der Mitgliedsländer über erfolgreiche Methoden im Kampf gegen die Jugendarbeitslosigkeit austauschen. Diese treffen sich zwar schon seit einigen Jahren, doch ihre Arbeit ist zum Teil noch immer sehr unterschiedlich: In Griechenland etwa gibt es nach Angaben der deutschen Arbeitsagentur keine flächendeckende Struktur, die Jugendliche bei der Berufswahlfindung berät. In Osteuropa sei dahingegen in den vergangenen Jahren relativ schnell eine gut funktionierende Arbeitsmarktverwaltung aufgebaut worden. Deshalb wollen sich die Chefs der 28 Arbeitsagenturen austauschen und eine Selbstverpflichtung zu Mindeststrukturen verabschieden.

Außerdem wird es bei dem Sondergipfel um die Bereitstellung von Geldern gehen: Der EU-Haushalt sieht für die Jahre 2014 und 2015 einen Topf mit sechs Milliarden Euro für die Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit in den am stärksten betroffenen Regionen vor, wo die Arbeitslosenrate bei über 25 Prozent liegt. In welche konkreten Projekte diese Mittel fließen, soll im Herbst auf EU-Ebene beschlossen werden.

Mittel relativ gering

Außerdem könnten schätzungsweise weitere zwei Milliarden Euro aus dem laufenden EU-Budget aus anderen Programmen "umgeleitet" werden, hieß es aus Kanzleramt. Hinzu kommen weitere 16 Milliarden Euro aus europäischen Strukturfondsfür die am stärksten betroffenen Länder. Daneben soll die Europäische Investitionsbank vor allem kleineren und mittelständischen Betrieben mit Krediten helfen, damit diese Jobs schaffen. Mit diesen Maßnahmen soll möglich gemacht werden, dass alle unter 24-Jährige in Deutschland innerhalb von vier Monaten einen Job bekommen.

Doch letztlich obliegt das Gros der Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit noch immer bei den einzelnen Mitgliedsstaaten. Denn die europäischen Gelder seien letztlich relativ gering, heißt es aus dem Kanzleramt: Deshalb müssten die Länder vor allem eigene Mittel aufbringen, um die hohe Arbeitslosenzahlen zu bekämpfen. Die griechische Journalistin Kampani allerdings glaubt nicht, dass die Länder der EU bald eine Verbesserung erreichen können: Zu viele ihrer Freunde seien auf der Suche nach Arbeit.

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