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Kultur

Kampf ums Überleben

Der Amazonas-Regenwald stirbt weiter. Ungeachtet aller guten Vorsätze und Schutzprojekte droht der "grünen Lunge" der Erde die Intensivstation.

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Die Motorsägen sind unüberhörbar - 20.000 Quadratkilometer Urwald fallen ihnen pro Jahr zum Opfer. Im übertragenen Sinne heißt das: Fast 8000 Fußballfelder werden jeden Tag gerodet. "Der Zerstörungsrhythmus ist erschreckend. Wenn das so weitergeht, haben wir eines Tages überhaupt keinen Regenwald mehr", klagt Flavio Bolliger von der Geowissenschaftsabteilung der brasilianischen Statistikbehörde IBGE.

Kritik am Raubbau

Der Präsident der angesehenen Umweltschutzgruppe 'Amigos da Terra', Roberto Smeraldi, kritisiert die Regierung in Brasilia. "Sie reagiert mit sporadischen Kontrollaktionen und Gesetzen, die niemand respektiert". Die Aktivitäten der 'Holzmafia' und die Brandrodungen der im Rahmen der Agrarreform neu angesiedelten Kleinlandwirte - immerhin 80.000 in den vergangenen vier Jahren - gefährden nicht nur die Flora, sondern auch die Tierwelt.

"Allein im Land Pará gibt es viele vom Aussterben bedrohte Tierarten, wie Ameisenbären, die Spinnen-Affen, Kaimane und Jaguare", sagt der Leiter der 'Kampagne Amazonas' von Greenpeace, Paulo Adario. Er lebt zur Zeit unter Polizeischutz, weil er mehrfach anonyme Todesdrohungen erhalten hat.

Erste Fortschritte in Brasilien

Aber selbst die schärfsten Kritiker der Regierung erkennen einige Fortschritte der jüngsten Zeit. Erst im Dezember 2001 wurden die vom Aussterben bedrohten Mahagoni-Bäume und andere Urwald-Edelhölzer erstmals unter strengen Schutz gestellt. Künftig sollen Ausbeutungslizenzen nur nach sozialen und ökologischen Kriterien ausgestellt werden.

Greenpeace feierte dies als "historischen Riesenerfolg". Die Umweltschutzgruppe hatte zuvor enthüllt, dass Holzfirmen ihre illegalen Aktivitäten auch auf Naturschutzgebiete und Indioreservate ausgeweitet hatten. Die Indios würden dabei ausgenutzt. Sie bekämen für einen abgeschlagenen Mahagoni-Baum nur 20 Euro, im Ausland werde für das Holz aber bis zu 6000 Euro gezahlt.

Im Juli wurde außerdem ein riesiges Urwald-Überwachungssystem eingeweiht. Mit Hilfe des 1,5 Milliarden Euro teuren Sivam-Programms soll die Landnutzung kontrolliert und die Aktivitäten von Drogen-, Waffen-, Holz- und Goldsuchermafia eingedämmt werden. IBGE stellte darüber hinaus fest, dass Brasilien die Zahl der Urwald-Naturschutzparks von 197 (1990) auf 230 erhöht hat. Die klimaschädlichen Kohlendioxid-Emissionen habe das Land dagegen von 10.800 Tonnen (1997) auf 8500 (2000) reduziert.

Hilfsprogramme mit deutscher Unterstützung

Während sich die Delegierten in Rio 1992 nur auf eine unverbindliche Wald-Deklaration - eine reine Absichterklärung - einigen konnten, gilt das von Industrieländern finanzierte "Programm zum Schutz des Regenwaldes" (PPG7) als Vorzeige-Objekt. Deutschland ist bislang mit einem Anteil von 41 Prozent an den Gesamtspenden von 280 Millionen Dollar größter Geldgeber.

Dank eines unbürokratischen Vorgehens erreicht das PPG7 mit seinen Projekten für dauerhafte Entwicklung entlegene kleine und isolierte Gemeinden. Das Programm wurde auf Grund einer deutschen Initiative beim Gipfeltreffen der sieben wichtigsten Industrieländer (G7) in Houston im Juli 1990 aus der Taufe gehoben. In Zusammenarbeit mit Unternehmen, Behörden und Nichtregierungsorganisationen wurden die Grenzen von Indioschutzgebieten abgesteckt und unzählige Projekte zur umweltverträglichen Nutzung von Naturressourcen in Gang gebracht. (dpa/arn)

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