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Aktuell Welt

Kampf ums Überleben nach Taifun

Das erste Massenbegräbnis hat stattgefunden: In den vom Taifun "Haiyan" betroffenen Gebieten auf den Philippinen ist die Lage weiterhin dramatisch. China hat nach Kritik seine Hilfen aufgestockt.

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Trauer, Chaos und Angst vor Seuchen

Die Taifun-Opfer auf den Philippinen kämpfen bei Hunger und Durst ums Überleben. Die Not schlägt zunehmend in Gewalt und Chaos um. Der internationale Katastropheneinsatz läuft auf Hochtouren, bei den Menschen kommt die Hilfe aber wegen der zerstörten Infrastruktur weiterhin nur schleppend an. Die Regierung kündigte an, dass im Laufe des Tages alle Sturm-Opfer Hilfe erhalten würden.

In einigen Gebieten der vom Wirbelsturm "Haiyan" besonders heimgesuchten Insel Leyte herrscht nach Korrespondentenberichten inzwischen fast Anarchie. In einem Dorf in der Nähe der weitgehend zerstörten Stadt Tacloban lieferten sich Sicherheitskräfte Feuergefechte mit bewaffneten Zivilisten, wie ein Lokalsender berichtete.

Menschen plünderten unter Lebensgefahr Geschäfte und Lagerhäuser auf der Suche nach Lebensmitteln und Trinkwasser. Das Fernsehen zeigte Aufnahmen von Soldaten, die in Tacloban in die Luft schossen, um Plünderer zu vertreiben. "Wir bewegen uns nur mit Armeeschutz", erklärte die Hilfsorganisation I.S.A.R. Germany.

Plünderungen, aber auch viel Solidarität

Die deutsche Hilfsorganisation Care warnte mit Blick auf die Berichte über Plünderungen vor Fehleinschätzungen. "Es gibt Plünderungen, aber es gibt auch viel Solidarität", sagte Care-Mitarbeiterin Sandra Bulling, die auf Leyte im Einsatz ist. "Die Menschen sind verzweifelt, haben teilweise seit fünf Tagen keine Hilfe bekommen", erläuterte die Helferin. "Sie brauchen Nahrung und Wasser für sich und ihre Familien." Auch ein Vertreter der Stadtverwaltung von Tacloban äußerte Verständnis: "Das Plündern ist kein Verbrechen. Es ist reine Selbsterhaltung."

In der schwer verwüsteten Küstenstadt Tacloban hat mittlerweile das erste Massenbegräbnis stattgefunden. Insgesamt 94 Leichen wurden auf einem Friedhof im Randgebiet der Stadt ohne Zeremonie und Gebete beigesetzt. "Ich hoffe, ich muss so eine Katastrophe nie wieder erleben", sagte Bürgermeister Alfred Romualdez. Die Philippinen sind ein überwiegend katholisches Land.

Zwei Frauen in der zerstörten Stadt Tacloban bedecken ihre Gesichter zum Atemschutz. (Foto: Reuters)

Zwei Frauen in der zerstörten Stadt Tacloban bedecken ihre Gesichter zum Atemschutz.

Elf Millionen betroffen

Der Sturm gilt als der schwerste Taifun, der jemals die Region getroffen ist. Mehr als 600.000 Menschen wurden obdachlos. Insgesamt sind laut den Vereinten Nationen mehr als elf Millionen Philippiner von der Katastrophe betroffen. Viele Gebiete sind immer noch von der Außenwelt abgeschnitten. Nach Angaben des philippinischen Gesundheitsministeriums wurden bislang keine Seuchen gemeldet. Das Risiko für Durchfall- und Atemwegserkrankungen und Grippeepidemien bleibe jedoch hoch.

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Helfer Mark Rösen berichtet aus Tacloban

Unterdessen hat China nach Kritik seine Hilfszusagen auf umgerechnet 1,22 Millionen Euro aufgestockt. Peking streitet sich mit Manilaum mehrere Inseln in der Südchinesischen See. Nach dem Taifun hatte China zunächst 100.000 US-Dollar (ca. 75.000 Euro) zugesagt, was das US-Nachrichtenmagazin "Time" als "beleidigend gering" kritisiert hatte.

ch/sti/wl/se (dpa, afp, rtr, kna)

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