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Afrika

Kampf um Gerechtigkeit im Niger-Delta

Diese Woche sollte ein Prozess gegen Royal Dutch Shell beginnen. Dabei sollte die Mitverantwortung des Konzerns am Tod des nigerianischen Menschenrechtlers Ken Saro-Wiwa geprüft werden. Der Prozess wurde verschoben.

Frau im Niger-Delta (Foto: picture-alliance/dpa)

An den Ölförderanlagen kommt es immer wieder zu Unruhen

Seit Ende der 50er Jahre wird in Nigeria Erdöl unter miserablen Umweltstandards gefördert. International bekannt wurde der Widerstand im Niger-Delta mit dem Aufstand des Ogoni-Volkes Anfang der 90er Jahre, der in der Ermordung des Schriftstellers und Ogoni-Führers Ken Saro-Wiwa durch ein Kommandogericht der nigerianischen Militärdiktatur gipfelte. Zusammen mit ihm wurden weitere acht Mitstreiter gehenkt. Mit Ken Saro-Wiwa hatte das Militärregime nicht nur einen bekannten Schriftsteller zum Schweigen gebracht, sondern auch einen Vorkämpfer für die Rechte des Ogoni-Volkes, eine von rund 250 Volksgruppen Nigerias. Saro-Wiwa hatte den gewaltfreien Widerstand gepredigt. Doch damit ist es heute, 14 Jahre nach seiner Ermordung, vorbei. Aufgrund der harten Repressionen des Militärs wählte die neue Generation den Weg des bewaffneten Kampfes.

Aufruf zum „totalen Krieg“

Die Rebellengruppe MEND (Foto: picture alliance/dpa)

Mitglieder der Rebellengruppe "MEND"

Im Süden Nigerias ist die Rebellenorganisation „Bewegung zur Befreiung des Niger-Deltas“ (MEND) aktiv. Sie haben der Regierung den Kampf angesagt und zu einem „totalen Krieg“ in der erdölreichen Region aufgerufen. In einer vor zwei Wochen veröffentlichten Erklärung wurden alle Männer im kampffähigen Alter aufgefordert, sich daran zu beteiligen. Gegen die Aufständischen geht die Regierung mit allen Mitteln vor: neben Bodentruppen kommen sowohl Militärboote als auch Kampfflugzeuge zum Einsatz. Die Rebellen beschuldigen die nigerianische Luftwaffe bei ihren Angriffen wehrlose Zivilisten getötet zu haben, darunter auch Frauen und Kinder.

Verarmte Bevölkerung – verschmutzte Umwelt

Öl-Pipeline im Niger-Delta (Foto: picture alliance/dpa)

Die Bevölkerung profitiert nicht vom Ölreichtum

Am Sonntag (24.05.2009) haben die MEND-Rebellen mit einem Anschlag auf eine Öl-Pipeline für Produktionsausfälle beim US-Energiekonzern Chevron gesorgt. Dadurch seien rund 100.000 Barrel Öl pro Tag blockiert, teilte der Konzern mit. Die Aufständischen kündigten unterdessen weitere Anschläge an. Sie wollen ihr Katz-und-Maus-Spiel mit dem Militär solange fortsetzen, bis die Öl-Exporte komplett zum Erliegen kämen. Die Rebellen kämpfen unter anderem für mehr Kontrolle über die Bodenschätze in der Region. Die Bevölkerung im Niger-Delta ist verarmt und die Umwelt stark verschmutzt. Der nigerianische Intellektuelle und Literaturnobelpreisträger Wole Soyinka glaubt, dass sich seit dem ersten Ölfund im Niger-Delta eigentlich nichts zum Guten verändert hat – im Gegenteil. Das würde auch sein guter Freund Ken Saro-Wiwa schmerzhaft erkennen müssen, wäre er heute noch am Leben.

Kampf um Gerechtigkeit

Wole Soyinka (Foto: AP)

Kennt die Probleme im Niger-Delta: Literaturnobelpreisträger Wole Soyinka

„Ich habe vor kurzem Oloibiri besucht, dort hat Shell Mitte der Fünfziger Jahre die ersten Pipelines gelegt. Es hat mir das Herz gebrochen!“, so Soyinka. Oloibiri sei ein völlig ölverseuchtes Dorf, das Grundwasser vergiftet, die Menschen bitterarm. Shell habe zwar hier und da ein Schulgebäude hingestellt oder ein kleines Krankenhaus. Aber das sei lächerlich. „Wenn mir heute ein Ölmanager sagt, der Reichtum, den man dort entnommen habe, sei dorthin zurückgeflossen, dann ist das so zynisch, dass ich es eigentlich nicht mehr ernst nehmen kann!“

Und so zeigt Literaturnobelpreisträger Soyinka zumindest Verständnis für die Rebellen, die sich Ken Saro-Wiwas Erben nennen. Den Prozess gegen den Ölkonzern Shell - wann immer er auch stattfinden wird - wird er ganz genau verfolgen. Einen Prozess, der im wahrsten Sinne des Wortes Öl ins Feuer gießen und den Kampf um Gerechtigkeit im Niger-Delta weiter anheizen könnte.

Autoren: Alexander Göbel / Katrin Ogunsade

Redaktion: Klaudia Pape

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