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Politik

Kampf um Brüssel

Wenn sich Flamen und Wallonen trennen, wer bekommt dann Brüssel? Die letzte Schlacht um die wallonische Enklave in Flandern gab es vor fast 200 Jahren.

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Belgien, schon wieder Belgien? Ja, leider. Denn die politische Krise im Königreich der Flamen und Wallonen wird mit jedem Tag schlimmer. Und mit der belgischen Staatskrise droht auch ein Stück Europa zu scheitern.

Brüssel, die Hauptstadt Belgiens, ist schließlich auch die Hauptstadt der Europäischen Union (EU). Folglich könnte die belgische Misere zum Problem werden für die EU-Institutionen - Kommission, Parlament und Rat - die ihren Sitz in Brüssel haben.

Kaum überlebensfähig

Christian F. Trippe, Quelle: DW

Christian F. Trippe

Sollten sich Flamen und Wallonen tatsächlich trennen, sollten französischsprachige und niederländisch sprechende Belgier staatlich eigene Wege gehen - dann droht ein politischer "Kampf um Brüssel". Militärisch gab es den schon einmal: 1830, als wallonische Freikorps die niederländischen Truppen aus Brüssel vertrieben. Ein historisches Ereignis, an das eine wallonische Politikerin in diesen Tagen geschmackvollerweise erinnert hat.

Brüssel ist frankophon, acht von zehn Bewohnern haben Französisch als Muttersprache. Die Stadt liegt aber mitten in Flandern - und ist zugleich Sitz der flämischen Regionalregierung. Ohne Brüssel, ohne seine Wirtschaftskraft und sein Steueraufkommen wäre die Wallonie wirtschaftlich kaum überlebensfähig. Auch Flandern könnte aus rein ökonomischen Gründen nicht auf die Metropole verzichten.

Englisch statt Belgisch

Doch Europa wird durch die belgische Krise noch viel fundamentaler in Frage gestellt. Schließlich gibt die EU viel Geld aus, um seine Bürger mehrsprachig zu machen - für ambitionierte Programme an Kindergärten, Schulen, Universitäten. Mehrsprachigkeit ist ein politisches Ziel der EU.

Und nun das: Belgien, ein Kernland der EU, hat die Chance zur Zweisprachigkeit vergeben. Nur wenige Wallonen können überhaupt Flämisch, und immer mehr Flamen weigern sich Französisch zu sprechen. Treffen sich junge Belgier aus dem Süden und aus dem Norden, so reden sie oft Englisch miteinander. Nichts gegen Englisch, die Weltsprache. Aber das Ganze ist ein Armutszeugnis - für Belgien und für Europa.