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Fußball

Kampf um alternativen Fußball-WM-Titel

Beim ersten Weltcup des alternativen Fußball-Verbandes ConIFA treten Regionen und winzige Länder gegeneinander an. Aber der Weg dorthin war für einige der Teams mit großen Schwierigkeiten verbunden.

Grafschaft Nizza, jubelnde Spieler (Foto: Ulrich Knüttgen / DW)

Grafschaft Nizza bejubelt den WM-Titel

Nervös läuft Malcolm Blackburn auf der Tribüne des Fußballstadions im schwedischen Östersund hin und her. Auf dem Rasen unten läuft das Finale der ersten Weltmeisterschaft des alternativen Fußball-Weltverbandes ConIFA. Blackburn trägt ein weißes Hemd und Krawatte unter der schwarzen Lederjacke. Er ist Team-Manager der Auswahl von der Isle of Man. Seine Mannschaft spielt gerade gegen die besten Fußballer aus der Grafschaft Nizza. Es steht 0:0. Einer von Blackburns Spielern geht an der Strafraumkante zu Boden. Gleich ist Halbzeit, aber es werden drei Minuten nachgespielt. Es geht hart zur Sache. Beide Mannschaften wollen den Titel. Sie schenken sich nichts.

Dass Blackburns Team antreten konnte, ist seinem Einsatz zu verdanken. Die "Ellan Vannin", wie sie sich in ihrer alten Sprache nennen, sind keine offizielle Auswahl des Verbandes der Insel. Der allerdings ist dem englischen Fußball-Verband FA untergeordnet und wollte seine Spieler nicht für die Isle-of-Man-Auswahl freigeben. Monatelang musste Manager Blackburn mit den Funktionären verhandeln. "Ich habe seit Oktober dafür gekämpft, dass wir hier teilnehmen können", sagt er. Der 52-Jährige schrieb den Fußball-Weltverband FIFA und die Europäische Fußball-Union UEFA an. Schließlich konnte er durchsetzen, dass die Verbandsspieler zumindest in der Sommerpause der regulären Liga für sein Team auflaufen dürfen.

Hohe Hürden für kleine Teams

Die ConIFA existiert seit erst seit gut einem Jahr. Zu ihrer ersten Weltmeisterschaft waren zwölf Teams angereist. Dass sich ihnen die größeren Verbände in den Weg stellen, ist für die Organisatoren ärgerlich, aber fast alltäglich. Ähnliches wie der Mannschaft von der Isle of Man passierte Bergkarabach.

Armenien und Aserbaidschan streiten darum, zu wem die Kaukasus-Region gehört. Der aserbaidschanische Fußballverband wollte verhindern, dass die Mannschaft an dem kleinen Weltcup teilnimmt. Er forderte die ConIFA auf, sie vom Turnier auszuschließen. Die Veranstalter ignorierten die Beschwerde, die Fußballer aus Bergkarabach konnten letztlich doch an den Start gehen.

Fußballer aus Flüchtlingslagern

Team Darfur United feiert den zwölften Platz. (Foto: Ulrich Knüttgen / DW)

Große Freude über den zwölften Platz: Das Team Darfur United feiert

Wenn sich die Isle-of-Man-Auswahl vor ihren Partien warmlief, streiften die Spieler stets grüne T-Shirts über. Nicht, weil das ihre Trikotfarbe ist, sondern aus Solidarität. Während des Turniers haben sie Freundschaft mit dem Team "Darfur United" geschlossen. Die Mannschaft aus Afrika spielt in Dunkelgrün. Gabriel Stauring ist ihr Manager. Er kommt aus Kalifornien, aber vor gut fünf Jahren hat er eine Hilfsorganisation gegründet, die Menschen aus dem Westen des Sudan unterstützt. Seine Mannschaft setzt sich ausschließlich aus Fußballern zusammen, die in sudanesischen Flüchtlingslagern leben.

Für die jungen Männer ging es am Ende nicht mehr um viel bei dem Turnier. Sie landeten auf dem letzten Platz. Trotzdem waren sie so etwas wie der Publikumsliebling. Immer wenn sie aufliefen, hallten laute "Darfur United"-Rufe von den Rängen. Die Tage in Schweden seien enorm wichtig für das Team, sagt Mahamat Iggy, der Rechtsaußen der Mannschaft: "Wir sind so glücklich und stolz, die Leute aus unseren Lagern hier zu vertreten. Dort haben wir immer das Gefühl, dass die Welt uns vergessen hat. Hier können wir auf unsere Probleme aufmerksam machen." Das Team aus der Krisenregion existiert erst seit knapp zwei Jahren. Es zusammenzustellen war mit riesigem Aufwand verbunden, erklärt Manager Stauring: "Unsere Fußballer leben zwar alle in einem Gebiet. Aber sie sind in den einzelnen Lagern sehr isoliert voneinander und von der Außenwelt."

Spieler über den ganzen Erdball verstreut

Das Gebiet, aus dem Suveetsan Sivapala seine Spieler zusammenziehen musste, beschränkt sich nicht auf eine einzige Region. Seine Fußballer leben um den ganzen Globus verteilt. Der 21-Jährige studiert Wirtschaftsrecht in Recklinghausen. Er ist Organisator des Teams der Tamilen vom indischen Subkontinent. Aber einige seiner Spieler sind aus Kanada angereist, andere aus Frankreich, Italien, Großbritannien und Deutschland. Dorthin sind ihre Eltern in den 80er Jahren wegen des Bürgerkriegs in Sri Lanka geflohen. "Fast alle unsere Spieler sind Studenten. Insgesamt gehen für das Turnier aber drei Wochen Zeit drauf. Zu planen, dass es für alle passt, das ist das Schwierige", meint er.

Finale zwischen Isle of Man und Grafschaft Nizza. (Foto: Ulrich Knüttgen / DW)

Das Team von der Isle of Man hat es ins Finale geschafft

Bewusst hat die ConIFA Mannschaften wie diese unter sich versammelt. Kader aus international nicht oder nur teilweise anerkannten Ländern, regionale Auswahlen und Völkergruppen. Keiner von ihnen ist beim Fußball-Weltverband FIFA registriert. Die Mannschaften haben sonst kaum die Gelegenheit, sich international zu präsentieren.

Kleiner Verband mit großen Zielen

Aber die ConIFA will keine Konkurrenz zu der viel größeren Vereinigung sein. Ihre Macher sehen sich in einer anderen Pflicht: "Wir wollen Spielern die Möglichkeit geben, das eigene Land oder die eigene Region der Welt vorzustellen. So können wir ihnen hoffentlich die Chance eröffnen, die eigene Identität zu stärken", erklärt ConIFA-Generalsekretär Sascha Düerkop.

Für die Männer von der Isle of Man hat sich der eigene Einsatz und der ihres Managers ausgezahlt. Zwar jubelten im Finale am Ende die Spieler aus Nizza. Aber Vize-Weltmeister des ersten ConIFA-World-Cup, das ist für Malcolm Blackburn und sein noch junges Team ein Titel, der sich sehen lassen kann.