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Nahost

Kampf gegen Terror: Kurswechsel der Königshäuser

Fünf arabische Monarchien beteiligen sich an den Luftschlägen gegen die Terrormiliz "Islamischer Staat" - das ist ein Novum. Bislang hatten sich die Königshäuser mit Militäreinsätzen im Syrien-Krieg zurückgehalten.

Lächelnd sitzt Khaled Bin Salman in seinem grauen Kampfjet. Der Sohn des saudischen Kronprinzen wirkt zufrieden: Gerade ist er von einem Einsatz gegen die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) aus Syrien zurückgekehrt. Das zumindest schreibt die staatliche saudische Nachrichtenagentur, die das Foto des Prinzen veröffentlichte. Nutzer des Kurznachrichtendienstes Twitter haben es geteilt und kommentiert. Denn das Bild soll nicht nur die Beteiligung des saudischen Königsfamilie an den Luftschlägen belegen, es symbolisiert auch: Saudi-Arabien hat seine Strategie geändert. Der Golfstaat greift jetzt selber ein.

US-Angriffe auf IS-Stellungen in Syrien (Reuters)

Mit Unterstützung vom Golf greifen die USA IS-Stellungen in Syrien an

Im Syrien-Krieg hatte Saudi-Arabien lange nur indirekt mitgemischt. Als die Proteste gegen Präsident Baschar al-Assad Mitte 2011 in Gewalt umschlugen, unterstützte der Golfstaat die Streitkräfte befreundeter Länder mit Geld. Militärisch mischte sich Saudi-Arabien aber nicht ein. Das reiche Nachbarland Katar dagegen beteiligte sich schon 2011 an einer Militärintervention im arabischen Raum. Damals ging es um den Schutz der libyschen Bevölkerung vor den Truppen des langjährigen Herrschers Muammar Gaddafi. In diesen Tagen unterstützt Katar die Luftschläge der USA erneut - zumindest logistisch. Dass jetzt auch Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate, Bahrain und Jordanien mitmachen und sich aktiv an den Luftschlägen beteiligen, ist neu.

Streit unter den Monarchen

Die arabischen Monarchien scheinen damit wieder an einem Strang zu ziehen. Dabei hatte sich Katar im Golfkooperationsrat (GCC), dem Club der Ölmonarchien, in den vergangenen Monaten zunehmend isoliert. Drei der sechs GCC-Mitglieder zogen im Frühjahr ihre Botschafter aus Katar ab, weil das Emirat die Muslimbrüder unterstützte. Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate sehen in der islamistischen Bewegung eine Bedrohung ihrer Herrschaft. Reiche Kataris sollen auch Spenden für die radikalen Kämpfer in Syrien und im Irak gesammelt haben.

Dass von offizieller Seite Geld geflossen ist, hat der Emir von Katar, Scheich Tamim Bin Hamad Al-Thani, bei seinem ersten Staatsbesuch in Deutschland in der vergangenen Woche bestritten. Von der Terrormiliz "Islamischer Staat" fühlen sich vor allem Saudi-Arabien und Jordanien bedroht. Die beiden Länder grenzen an die umkämpften Gebiete im Irak und in Syrien. Die Bedrohung durch den "Islamischen Staat" hat die Mitglieder des Golfkooperationsrates nun offenbar wieder zusammenrücken lassen: Vier der sechs GCC-Mitglieder unterstützen die USA in ihrem Kampf gegen die Terroristen. "Es ist die wichtigste Allianz, die Washington seit der Befreiung Kuwaits 1991 auf seine Seite ziehen konnte", schreibt der Nahost-Experte Markus Bickel in der "Frankfurter Allgemeine Zeitung".

Sultan Al-Qassemi, einer der einflussreichsten Twitter-Kommentatoren aus den Vereinigten Arabischen Emiraten, sieht in der Allianz außerdem einen Beleg dafür, dass in der arabischen Welt nicht mehr Kairo, sondern die Golfregion den Ton angibt. "El Sisi hat die Gelegenheit verpasst, sich für die USA 'unentbehrlich' zu machen, weil er sich nicht an der Anti-ISIS-Koalition beteiligt. Die Marginalisierung Ägyptens geht weiter", schreibt Al-Qassemi auf Twitter.

Lob aus den USA

US-Präsident Barack Obama hat den Außenministern von Bahrain, Jordanien, Katar, Saudi-Arabien und Jordanien seine Anerkennung für ihren Einsatz ausgesprochen. Ohne ihre Hilfe wäre es nicht gelungen, den "Islamischen Staat" im Grenzgebiet zwischen Syrien und dem Irak zurückzudrängen. Ein Lob, das dem saudischen Königshaus gefallen dürfte. Die Fotos des jungen Prinzen im Kampfjet jedenfalls passen dazu: Das oft als verstaubt und unflexibel kritisierte Saudi-Arabien präsentiert sich als Staat mit einsatzbereiten Streitkräften - und einer neuen außenpolitischen Strategie.

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