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Europa

Kampf gegen Quecksilber

Bis 2013 sollen die Regierungen der Welt Quecksilber aus Industrie, Handel und Umwelt verbannen. Dieses Ziel hat sich die UN-Konferenz in Stockholm gesteckt. Das giftige Element findet sich fast überall.

Ein Fieberthermometer (Foto: dpa)

Quecksilber in Thermometern ist bereits verboten

Fünf Tage lang dauert der Auftakt eines Prozesses von dem sich das UN Umweltprogramm UNEP nicht weniger verspricht, als eine weitreichende Verbannung von Quecksilber aus Luft, Wasser, Nahrung und Handel. Experten aus über 30 Staaten sind bei der Tagung.

Um dieses Ziel zu erreichen, wollen die Experten die das bestehende internationale Regelwerk zum Umgang mit Chemikalien und Abfall (Basler-, Rotterdamer und Stockholmer Übereinkommen) mit einer Konvention über den Umgang mit Quecksilber ergänzen. Sie wollen den Verhandlungsprozess, dessen erste von fünf Sitzungen seit Montag (vom 07.06.2010) in Stockholm stattfindet, bis Anfang 2013 abschließen.

Skandinavien Vorreiter im Kampf gegen das Gift

Zahnarzt mit Patient (Foto: Mimoza Dhima)

Amalgamfüllungen werden kaum noch verwendet

Nicht durch Zufall startet der Prozess in Skandinavien. Schweden, Norwegen und Finnland sind Vorreiter im Kampf gegen Quecksilber. So hat Schweden die Verwendung von Zahnamalgam bereits vollständig verboten. Die Experten aus Politik, Wissenschaft und Umweltverbänden wollen deshalb eine Prioritätenliste aufstellen, in der sie Ersatz für Quecksilber durch Alternativstoffe nach Dringlichkeit vorgeschlagen. Sieben Bereiche, in denen dringender Handlungsbedarf besteht, hat die UNEP ausgemacht: Die Goldgewinnung und das Goldhandwerk, die Kohleverfeuerung, die Chlor- und Alkaliherstellung, die Überwachung von Emissionen in Umwelt- und Natur sowie Herstellung und Lagerung von Quecksilber und die Entsorgung bzw. Endlagerung.

Quecksilber in Fisch

Quecksilber ist eine beständige Substanz, die über Luft, Wasser, Nahrung und in Produkten weit verbreitet wird. Deswegen wird das hochgiftige Schwermetall auch weit entfernt von seiner ursprünglichen Freisetzungsquelle vorgefunden. Auch im Meer erhöht sich zunehmend die Quecksilberkonzentration und über den Fischkonsum gelangt das Gift in die menschliche Nahrungskette. Quecksilber greift das zentrale Nervensystem an und kann gerade bei Kindern das Lernvermögen beeinträchtigen.

Studien zeigen, dass besonders Bewohner in der Arktis und auch in Japanischen Orten, wo viel Wal- und Delfinfleisch verzehrt wird aufgrund ihrer Ernährungsgewohnheiten wesentlich höhere Quecksilberwerte aufweisen. Auch der gefährdete Blauflossen Thunfisch ist häufig besonders schwer belastet. Das Schwermetall lagert sich vor allem in Muskelfleisch und weniger im Fettgewebe ab.

Eine japanische Händlerin mit einem Blauflossen Thunfisch (Foto: AP)

Liebhaber von Sushi haben oft hohe Quecksilberwerte im Blut

Kohlekraftwerke sind die Hauptverschmutzer

Die größten Quecksilber-Emissionen entstehen in den Kohlekraftwerken zur Energiegewinnung. Auch in Industrieverfahren wird das Schwermetall häufig genutzt, vor allem als Katalysator. Darüber hinaus ist Quecksilber in vielen Haushaltsprodukten, wie Batterien, Thermometern oder Energiesparlampen zu finden. Technologien, die einen Ausstieg aus der Nutzung von Quecksilber ermöglichen, gibt es bereits.

Sind Energiesparlampen Quecksilbersünder?

Kohlekraftwerk in Bitola, Mazedonien (Foto: Petr Stojanovski)

Quecksilber in der Luft durch Kohleverstromung

Zwar hat die Energiesparlampe das hochgiftige Quecksilber, doch durch die Energieeinsparung spart sie zugleich Quecksilber-Emissionen bei der Kohleverstromung. Nach Angaben der Deutschen Umwelthilfe verursacht in Deutschland eine klassische Glühbirne mit Wolframfaden im Laufe eines Lebens doppelt so viele Quecksilber-Emissionen, wie eine vergleichbare Energiesparlampe. Als Beispiel führt die Organisation eine 60-Watt-Glühlampe an, die drei Stunden am Tag brennt. Bei einem Anteil von 50 Prozent Strom aus Kohlekraftwerken verursache diese im Laufe eines Jahres 0,97 Milligramm Quecksilber-Emissionen. Eine vergleichbare 11-Watt-Energiesparlampe hingegen nur 0,18 Milligramm. Zwar enthält eine Energiesparlampe etwa vier Milligramm Quecksilber, dies würde jedoch durch die längere Lebensdauer der Lampe von etwa 10.000 Stunden wieder aufgewogen.

Problem der Entsorgung

Eine normale Glühbirne vor einer Energiesparlampe(Foto: Ria Novosti)

Nach Gebrauch in den Sondermüll

Dennoch bleibt die Entsorgung der Lampen ein Problem. In Deutschland werden etwa 90 Prozent der privat genutzten Energiesparlampen noch immer falsch durch den Hausmüll entsorgt. Anders sieht es bei Großverbrauchern aus. Hier entsorgen fast alle ihre Lampen als Sondermüll. Einen Lichtblick bieten LED-Lampen. Sie haben eine noch bessere Energieeffizienz, sind derzeit jedoch noch relativ teuer. Diese sehen Experten aber als Beleuchtungsmittel der Zukunft.

Viel gefährlicher als Energiesparlampen sind jedoch alte Thermometer. Ein klassisches Fieberthermometer enthält bis zu dreitausend Mal mehr Quecksilber als eine moderne Energiesparlampe. Mittlerweile müssen alle in der EU gehandelten und verkauften Thermometer quecksilberfrei sein.

Goldgewinnung belastet Umwelt mit Quecksilber

Im Labor der Sonderabfall-Sammelstelle auf der Deponie Schwerborn hält ein Mitarbeiter in Schutzkleidung ein Fass mit nicht bekannten Sonderabfällen (Foto: dpa)

Quecksilber: Unterschätze Gefahr

Besonders problematisch bleibt die Nutzung von Quecksilber in der Goldgewinnung, wo das Element beim Auswaschen des Goldes freigesetzt wird. Hiervon hängt der Lebensunterhalt vieler Menschen in Schwellen- und Entwicklungsländern ab. Oft wird hochgiftiges Zyanid genutzt, um Gold aus Steinen zu waschen. Dadurch lösen sich auch andere Metalle aus den Steinen, unter anderem Arsen und Quecksilber, die dann ungefiltert in die Umwelt gelangen. Dort vergiften sie ganze Landstriche.

Auch Altlasten sind nach wie vor gefährliche Quellen des Giftes. In elektrischen Schaltern und auch in Platinen wurde Quecksilber bis zum Ende des 20. Jahrhundert noch vielfach verwendet. So lagern noch heute große Mengen des Stoffes, oft unerkannt, in Metallwerkstätten, Industriebetrieben oder auf Mülldeponien.

Autor: Fabian Schmidt
Redaktion: Gero Rueter

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