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Afrika

Kampf gegen die Wüste

"Ground Zero des Klimawandels". So nennen die UN den Sahel. Sie warnen vor der fortschreitenden Wüstenbildung. Auch der Niger leidet daran. Aber die Menschen kämpfen hart, um der Wüste ihren Lebensraum abzutrotzen.

Ackerland im Niger (Foto: picture-alliance / ZB)

Augrund der Dürre gibt es kaum Ackerland

Wir sind in Saya, einem kleinen Dorf im Norden des Niger. Die Sonne brennt vom blauen Himmel. Es ist so heiß, dass die Luft flirrt. Und das schon um neun Uhr morgens. Aber trotzdem wird schon kräftig gearbeitet. Safi Hamidou und ihre zwei Nachbarinnen stehen vor ihren Lehmhütten. In bunten Kleidern und Kopftüchern stampfen sie in einem Holzkübel die Hirse für das Mittagessen. In kleinen Gärten bauen die Frauen Kartoffeln, Tomaten und Zwiebeln an. Aber der Boden ist einfach zu trocken, hier kann nichts richtig wachsen, sagt Safi, überall Sand!

Trockene Mondlandschaft

Wüste im Niger (Foto: dpa)

Die Wüstenbildung schreitet immer weiter fort

Was im Niger passiert, nennen die Wissenschaftler "Degradation": Es ist so trocken, dass durch den Wind die fruchtbaren Bodenschichten einfach weggeweht werden. Es bleibt nur noch eine Mondlandschaft übrig, in der nicht mal mehr Unkraut wächst. Die Degradation der Böden und das gleichzeitig hohe Bevölkerungswachstum von mehr als vier Prozent pro Jahr sind Gründe für den gewaltigen Druck auf die letzten fruchtbaren Regionen. Moussa Soussou ist Bürgermeister in Ouallam. Immer mehr Menschen bräuchten dringend Land, sagt er. Ein großes Problem sei die Viehzucht: "Die Rinderherden fressen die letzten Grashalme weg. All das trägt dazu bei, dass das Land unfruchtbar wird." Aber damit nicht genug – ohne Strom oder alternative Energiequellen bleibt den Bauern bis heute nichts anderes übrig, als Bäume abzuholzen. Über Jahrzehnte hinweg wurden so ganze Wälder vernichtet, vor allem für den Gebrauch als Feuerholz.

Wettlauf gegen die Wüste

Doch die gerne in den Medien verbreitete Vorstellung, dass die Sahara sich immer weiter nach Süden ausbreitet, hält Attaou Laminou für einen Mythos. Der Chef der Nationalen Umweltbehörde im Niger glaubt, dass der Mensch die Verantwortung dafür trägt, dass aus bislang fruchtbaren Regionen immer neue Wüsten werden: "Der Mensch macht die Wüste! Es sind die schlechten, oder vielmehr die falschen landwirtschaftlichen Methoden, die zu dieser immensen Degradation der Böden führen." Das Ganze werde noch verstärkt durch den globalen Klimawandel. Es regne hier noch viel weniger als früher, so Laminou. Jedes Jahr gehen im Niger 55.000 Hektar Ackerland für immer verloren, sagt der Umweltexperte. Um so wichtiger, diese Regionen mit schnellwachsenden Akazien aufzuforsten. Es ist ein Wettlauf gegen die Wüste.

Kleine Schritte, große Wirkung

Der Niger-Fluss (Foto: picture-alliance / ZB)

An den Ufern des Nigers finden sich fruchtbare Böden

Kokorou im Département Tera ist ein Dorf mit rund 5000 Einwohnern. Der Bauer Karim Alzouma schaut dem grünen Traktor nach, der lange Furchen durch den steinharten Boden zieht. Hier sollen bald Bäume und Sträucher gepflanzt werden. Die Menschen wollen die Wüstenbildung aufhalten, mit Pflanzen, Steinwällen, kleinen Dämmen. Kleine Schritte, große Wirkung, sagt Agrarexperte Omar Issa. Denn auch toter Boden kann wieder fruchtbar werden.

"An manchen Stellen sieht man schon wieder das erste Grün. Lange Zeit sah es hier ganz anders aus." Er zeigt auf einen kleinen Hügel, dessen Felder durch die Erosion komplett verloren waren. "Jetzt hoffen wir, dass wir dort bald wieder etwas anbauen können." Wann immer es etwas zu tun gibt, greift Tinni Bourema zu seiner kleinen TamTam, die man nicht überhören kann. So weiß jeder, wo gerade wieder Arbeitseinsätze zur Rückgewinnung des fruchtbaren Bodens stattfinden. Alles organisiert von einem Dorfkomitee und Landwirtschaftsexperten wie Abdoulaye Hamidou: "Jeden Tag gibt es neue Pläne. Und alle im Dorf machen mit. Für den Bauern ist sein Boden eben doch das Wichtigste."

Autor: Alexander Göbel

Redaktion: Katrin Ogunsade

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