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Amerika

Kampf gegen die Cholera: Methoden, Risiken, Forschung

Die Cholera ist weltweit verbreitet, vor allem in armen Ländern. Was tun Wissenschaftler, um die Durchfallerkrankung einzudämmen?

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Noch im 19. Jahrhundert war die Cholera in Europa weit verbreitet. Es gab große Epidemien, zum Beispiel in Wien, London und Hamburg, und tausende Menschen starben an der Durchfallerkrankung. Mittlerweile gilt die Cholera in westlichen Industrienationen als ausgerottet, aber in Teilen Afrikas, Süd- und Mittelamerikas, Russlands und Asiens ist sie bis heute eine der großen Volkskrankheiten. Zwischen drei und fünf Millionen Menschen stecken sich jedes Jahr mit dem Erreger der Durchfallerkrankung an, schätzungsweise 120.000 von ihnen sterben.

Hartnäckige Erreger

Warum ist die Krankheit so gefährlich? Das liegt vor allem an der Widerstandsfähigkeit des Cholera-Bakteriums. Lange Zeit waren Forscher davon ausgegangen, dass der Erreger hauptsächlich von Mensch zu Mensch übertragen wird. Aber die Cholera verbreitet sich häufig über den Wasserkreislauf. Die Ursachen sind mangelnde hygienische Verhältnisse und fehlende sanitäre Anlagen. Dadurch gelangen verunreinigte Fäkalien in die Natur und werden ins Grundwasser, in Seen und Wasserläufe gespült.

Die US-Wissenschaftlerin Rita Colwell auf einer Preisverleihung der Stockholmer Wasserwoche (Foto: AP)

Die US-Wissenschaftlerin Rita Colwell auf einer Preisverleihung der Stockholmer Wasserwoche

Die US-amerikanische Forscherin Rita Colwell entdeckte schließlich, dass das Bakterium in einer Art Ruhezustand in der Natur überdauern kann. Vor den Küsten Indiens und Bangladeshs sitzen zum Beispiel unzählige Cholera-Erreger auf kleinen Meeres-Organismen wie Plankton. Wenn im Frühjahr Licht und Wärme zunehmen, vermehrt sich auch dieses Plankton und verunreinigt durch die Erreger das Wasser.

Frühwarnsystem für Indien und Bangladesh

Dieses Wissen kann dazu genutzt werden, die Menschen in den betroffenen Küstengebieten zu warnen. Experten halten es für möglich, eine solche Cholera-Bedrohung zwei bis drei Monate im Voraus vorherzusagen. Dadurch könnten sich die Behörden vor Ort rechtzeitig vorbereiten, und frisches Trinkwasser besorgen. Schon jetzt wird die Algenblüte im Meer vor Indien und Bangladesh mit Hilfe von Satelliten überwacht. Dieses System könnte ein wichtiger Schritt im Kampf gegen die Cholera sein. Aber der US-Wissenschaftlerin Rita Colwell geht das nicht weit genug: Sie fordert einfache, praktikable Lösungen für die Menschen vor Ort. Tatsächlich hilft bei der Cholera-Vorsorge nur das strikte Einhalten von Hygieneregeln: Mehrmals täglich sollten die Hände mit Seife gewaschen werden, und Trinkwasser sollte immer abgekocht werden. Das ist aber im Alltag vieler Menschen in den betroffenen Gebieten nicht möglich, ihnen fehlt oft das Geld für Seife oder Brennholz.

Mit Sari-Stoff und Plastikflaschen gegen Epidemien

PET-Getränkeflaschen: UV-A-durchlässig, und deshalb zusammen mit Sonnenlicht wirksam gegen Erreger (Foto: AP)

PET-Getränkeflaschen: UV-A-durchlässig, und deshalb zusammen mit Sonnenlicht wirksam gegen Erreger

Eine immer weiter verbreitete Technik ist deshalb das Filtern des Wassers, in Afrika wird dies schon länger gegen Erreger anderer Infektionskrankheiten eingesetzt. Dadurch lässt sich nicht das mikroskopisch kleine Bakterium selbst aus dem Wasser holen, aber der Wirt, auf dem es sitzt, zum Beispiel Plankton. Im Idealfall können Wirt und Erreger dann gleichzeitig gefiltert werden. Die Forscherin Rita Colwell suchte in Bangladesh nach passenden lokalen Kleiderstoffen die Plankton auffangen können und wurde beim Sari-Stoff fündig. Mehrfach gefaltet konnten damit viele schädliche Erreger aus dem Wasser gelöst werden. Colwell und ihre Mitarbeiter unterrichteten Jahre lang Frauen in Bangladesh darin, die Filtertechnik anzuwenden, und das mit Erfolg: Die Erkrankungsrate sank in dieser Zeit um die Hälfte. Die Vereinten Nationen bleiben aber skeptisch, denn ein verlässlicher Schutz gegen die Cholera ist dies noch nicht, nur ein erster Schritt.

Ebenfalls nicht ganz unumstritten ist die so genannte Sodis-Technik, die solare Wasser-Desinfektion. Hier wird Wasser in Plastikflaschen gefüllt und mehrere Stunden bis Tage in die Sonne gelegt. Die UV-A-Strahlung macht dadurch viele Erreger unschädlich. Millionen Menschen in Asien, Afrika und Südamerika vertrauen seit knapp 10 Jahren auf diese Technik, und häufig sind dort Erkrankungen wie Cholera oder Durchfall deutlich zurückgegangen. Trotzdem kann sich die Cholera dort weiter halten, durch andere Übertragungswege von Mensch zu Mensch oder wegen der manchmal mangelhaften Durchführung der Methode.

Fehlende Hygiene und Versorgung

Der größte Feind im Kampf gegen die Cholera ist und bleibt die Armut. Mit der rechtzeitigen Zufuhr von Flüssigkeit, Zucker und Salzen - bei schweren Fällen auch intravenös - lässt sich fast jeder Erkrankte retten. Wichtig ist hier die schnelle Hilfe, denn Cholera kann innerhalb von Stunden zum Tod führen.

Junge in Simbabwe schöpft Wasser aus einem Fluß (Foto: AP)

Junge in Simbabwe schöpft Wasser aus einem Fluß

Auch Antibiotika können zur Heilung beitragen, aber ohne Behandlung stirbt fast jeder Zweite. Fehlerhafte Planung in korrupten Staaten oder fehlendes Wissen verhindern aber immer noch häufig, dass Erkrankte wieder gesund werden. Dazu kommt die schlechte Infrastruktur in Entwicklungsländern, aber auch in Flüchtlingslagern oder Notunterkünften nach Naturkatastrophen, so wie jetzt in Haiti oder in Pakistan.

Neue Impfstoffe gegen die Cholera

Die Medizin macht weiter Fortschritte im Kampf gegen die Krankheit: Die oft unzuverlässige Impfung per Spritze wurde durch eine Schluckimpfung abgelöst, die sich als wirksamer und verträglicher erwiesen hat. Ein neuer Impfstoff kämpft außerdem nicht nur gegen den Erreger selbst, sondern auch gegen die giftige Wirkung, die er im Darm erzeugt. Aber nach wie vor ist fraglich wer den Einsatz der Mittel in den betroffenen Ländern finanzieren soll. Cholera ist häufig eine Krankheit der armen, schwachen Bevölkerung in unterentwickelten Ländern. Meist werden mögliche Spender erst durch Katastrophen auf die Krankheit aufmerksam, wenn es wenige Tage nach einer Überschwemmung oder einem Tsunami heißt: Es werden erste Fälle von Seuchenerkrankungen gemeldet. Impfstoffe kommen dann häufig zu spät.

Autor: Klaus Jansen
Redaktion: Mirjam Gehrke