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Politik

Kampf den leeren Kassen

An 29 Quadratmetern Stoff hat sich in Berlin in dieser Woche eine Debatte entzündet. Das Tuch wehte in den Farben Schwarz-Rot-Gold über dem Reichstag und wurde jetzt im Internet versteigert - an eine Bordell-Besitzerin.

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Das Angebot unter der Rubrik "Sonstiges“ auf der Internetseite www.zoll-auktion.de lautete wie folgt: Deutschlandfahne, Maße: 6,40 Meter auf 4,50 Meter, mit ausgefransten Rändern und kleinen Schmutzflecken sowie einem Echtheitszertifikat meistbietend zu verkaufen. Besonders attraktiv machte dieses Angebot die Tatsache, dass die Flagge bis kurz zuvor noch auf dem Reichstag stolz im Wind flatterte.

Gelungener PR-Coup

Über 100 Gebote wurden bis zum vergangenen Mittwoch abgegeben, den Zuschlag erhielt Christine Schmittroth aus Halle. 3350 Euro war ihr die Reichstagsfahne wert, zuzüglich 6,70 Euro Versandkosten. Doch die 42-jährige hat das gute Stück nicht aus Liebe zum Vaterland, sondern aus knallhartem Geschäftsinteresse ersteigert. Frau Schmittroth betreibt ein Bordell und will eben jene Fahne künftig über ihrem Etablissement hissen oder sie dort anderweitig drapieren. Mit diesem schlüpfrigen Plan schaffte es die clevere Puffmutter sogar in die Bild-Zeitung. Das Blatt stellt bang die Frage: Darf die das? Die Reaktionen der Politiker ließen nicht lange auf sich warten: Grünen-Finanzexpertin Christine Scheel bedauert, dass rechtlich nichts gegen diesen Plan spreche. Ganz und gar empört ist man dagegen im Süden des Landes: "Peinlich, wie Bundestagspräsident Thierse mit nationalen Symbolen umgeht. Ein Skandal für Deutschland“, so wird die CSU in der Boulevardzeitung zitiert.

Vorbild Amerika

Dabei versucht die Bundestagsverwaltung doch mit der Aktion nur die Konsolidierung des Haushalts voranzutreiben. In Zeiten leerer Kassen wird eben auch das Parlament auf der Suche nach neuen Geldquellen immer kreativer. Doch wie immer wenn es um Kommerz geht, lohnt sich ein Blick über den großen Teich. In punkto Geschäftstüchtigkeit sind die Amerikaner den deutschen Behörden wieder mal weit voraus. Das US-Repräsentantenhaus hat den Flaggenhandel schon im Jahr 1950 als lukrative Einnahmequelle entdeckt. Auf speziellen Fahnenmasten auf der Kuppel des Kapitols werden alle fünf Minuten - ja sie haben richtig gelesen - alle fünf Minuten neue Sternenbanner gehisst, die dann zu Festpreisen zwischen 16 und 31 US-Dollar verkauft werden. Zur Auswahl stehen fünf verschiedene Größen und zwei unterschiedliche Stoffe. Der Kunde muss entscheiden: Nylon oder doch lieber Baumwolle? Hätte Frau Schmittroth die Wahl gehabt, sie hätte sich vermutlich für Letzteres entschieden - in Baumwolle lässt sich einfach besser kuscheln.