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Politik

Kampf dem Schnee

Klar, dass Moskau Mitte September noch schneefrei ist. Die russische Metropole liegt auch nicht nördlicher als Dänemarks Kopenhagen. Doch Bürgermeister Juri Luschkow will nun selbst im Winter einen eisfreien Roten Platz.

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Flugzeuge sollen künftig schwere Schneewolken einfach schon vor den Toren der Stadt abschießen. Winterdienst auf Russisch, so will es Moskaus Bürgermeister Juri Luschkow. Zum Teufel mit all der Sentimentalität von schneebedeckten Kremlspitzen und Kirchenkuppeln, scheint der Stadtvater zu denken. Kein Schnee mehr in Moskau - das würde Kosten für den Winterdienst sparen, der Verkehr würde besser fließen, und die Felder vor der Stadt würden besser bewässert, zitieren verschiedene russische Blätter Luschkow. "Es ist doch bekannt, dass wir zweimal im Jahr das Wetter kontrollieren: Am Stadtgeburtstag und am Tag des Sieges."

Helikopter-Taxis und Dachterassen

Tatsächlich strahlte auch an diesem 9. Mai der Himmel über Moskau wieder bonbonblau. Es hat eine lange Tradition, dass die Luftwaffe an solchen Festtagen über der Hauptstadt aufsteigt und mit einem Stickstoff-Silberlegierungs-Mix jede Schlechtwetterfront niederringt. Warum soll das nicht auch den Winter über gehen? Im Internet begrüßten viele Moskowiter den Luschkow-Vorstoß: Moskaus lange graue Winter würden doch nur Depression und Alkoholismus fördern.

Es ist nicht die erste, gelinde gesagt, ausgefallene Idee, die dem umtriebigen Stadtvater kommt, um den chaotischen Hauptstadtverkehr im Fluss zu halten. Luschkows Haus ventilierte auch schon Helikopter-Taxis und Dachstrassen. Geblieben ist von all diesen Phantasien nichts als heiße Luft.

Und auch ein schneefreies Moskau scheint wenig wahrscheinlich. Russlands Wetterfrösche warnen in Zeitungen und Foren vor zu viel Euphorie: Wolken aufzulösen, egal ob solche für Regen- oder Schnee, sei allenfalls kurzfristig unbedenklich. Jede längere Chemie-Behandlung führe nur zu noch mehr Niederschlag.

Autor: Markus Reher, Moskau

Redaktion: Dеnnis Stutе