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Sport

Kampf auf zwei Schauplätzen

Mehr als ein Drittel der Deutschen Olympiamannschaft in Peking waren Sportler, die nebenbei studieren. Tendenz steigend. Diese Doppelbelastung bringt zusätzliche Herausforderungen mit sich.

Das Hauptgebäude der Universität in Köln Foto: Horst Ossinger dpa/lnw +++(c) dpa - Report+++

Auch an der Uni Köln studieren viele Leistungssporler

Kanute Max Hoff in Peking 2008 (AP Photo/Robert F Bukaty)

Max Hoff bei den Kanu-Wettbewerben in Peking 2008

Dank der Sommerzeit ist es inzwischen schon morgens um sechs Uhr hell. Bis in den März hinein musste Max Hoff zur ersten Trainingseinheit noch im Dunkeln mit seinem Boot auf den Rhein. Der Olympia-Teilnehmer im Kajak-Einer hat keine Wahl. Um neun Uhr muss Hoff bereits im Labor stehen und für seine Diplomarbeit forschen. Als Student der Biologie und als Nationalmannschafts-Kanute kämpft er auf zwei Schauplätzen. Er will vorbereitet sein für die Karriere nach dem Sport und deshalb kann er mit dem Training häufig nicht warten bis die Sonne aufgegangen ist: "Im Moment sieht es so aus, dass ich 40 bis 45 Stunden in der Woche studiere, und morgens und abends zum Training gehe. Ich versuche es irgendwie unter einen Hut zu bringen.“

Sportler wollen keine Geschenke

Der fruehere Turner Eberhard Gienger (AP Photo/Michael Probst)

Gienger: mehr Unterstützung für Leistungssportler

Dass studierende Leistungssportler keinen leichten Alltag haben, weiß der ehemalige Turn-Weltmeister Eberhard Gienger, heute CDU-Bundestagsabgeordneter und Mitglied im Sportausschuss, aus eigener Erfahrung: "Zusammen mit dem Allgemeinen Deutschen Hochschulsportverband und mit den Olympia-Stützpunkten versuchen wir bei den Universitäten hierfür eine gewissen Sensibilität zu erreichen“, erklärt Gienger. Dabei betont er: "Wichtig ist, dass die Spitzensportler nichts geschenkt bekommen wollen.“

Noch fehlt an einigen Universitäten die konstruktive Auseinandersetzung mit den Bedürfnissen der Athleten. Der Kanute Max Hoff studiert an der Universität in Köln, die zumindest auf dem Papier eine Partnerhochschule des Spitzensports ist. Davon habe er aber noch nicht viel bemerkt, sagt Hoff und betont: "In meinem ganzen Studium habe ich einmal zwei Stunden gefehlt. Ansonsten habe ich alles irgendwie machen müssen, nachholen müssen. Es heißt immer wieder: ‚Du musst dich entscheiden: Sport oder Studium'.“

Unterstützung durch moderne Kommunikation

Damit Spitzenathleten möglichst nicht vor einer solchen Entscheidung stehen, sucht Eberhard Gienger nach Lösungen: "Wir wollen den Spitzensportlern die Möglichkeit geben über E-Learning ihrer Ausbildung nach zu kommen.“ So könnten die Sportler zum Beispiel über das Internet, unabhängig von ihrem Aufenthaltsort, an Vorlesungen und Seminaren teilnehmen.

Lena Schöneborn Olympiasiegerin im Modernen Fünfkampf EPA/DANIEL DAL ZENNARO +++(c) dpa - Report+++

Olympiasiegerin Lena Schöneborn kennt die Doppelbelastung

Einige Universitäten haben sich schon gut auf ihre sportlichen Studenten eingestellt, bestätigt Lena Schöneborn. Die Olympiasiegerin im Modernen Fünfkampf studiert Business Administration in Berlin: "Meine Uni kooperiert mit dem Olympiastützpunkt. Ich habe da die Möglichkeit den Stundenplan so zu legen, dass ich meinen Trainingsplan ganz normal durchziehen kann.“ Wenn mal eine Klausur im Wettkampfzeitraum liege, dürfe sie die auch nachschreiben, erklärt Schöneborn.

Von der Uni in den Beruf

Generell benötigen die Spitzensportler ein paar Semester länger als ihre unsportlicheren Kommilitonen. Für den dann folgenden Schritt von der Uni in den Beruf wünscht sich die 23-jährige Fünfkämpferin, "dass Unternehmen bereit sind Leistungssportler da am Anfang zu unterstützen.“ Für die Unternehmen sei das interessant, da Sportler soziale Kompetenzen, wie Zielstrebigkeit und Disziplin, mitbringen würden. "Es gibt ja auch schon einige Kooperationen, aber ich denke da lässt sich in Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern noch viel tun“, sagt Schöneborn.

So eine Kooperation könnte auch Max Hoff gut gebrauchen. Nach seinem Diplom wird der Biologie-Student endgültig vor der Entscheidung stehen. Berufliche oder sportlicher Karriere: "Als Diplom-Biologe einen ordentlichen Job zu bekommen ist nicht so einfach. Eigentlich muss man noch promovieren oder ein Zweitstudium draufsetzen um irgendwie Berufschancen zu haben.“ Wenn Hoff nicht ein Unternehmen findet, das ihm ermöglicht, sich mit einer Promotion etwas Zeit zu lassen, wird er sich wohl oder übel für die berufliche Karriere entscheiden müssen. Das wäre schade. Im Kajak-Einer über 1000 Meter sind die deutschen Kanuten lange nicht mehr erfolgreich gewesen. Hoff gilt als neue Hoffung. Für die Weltmeisterschaft im August in Kanada und die Olympischen Spiele 2012 in London.

Autor: Julian Rohn

Redaktion: Wolfgang van Kann

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