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Afrika

Kameruns Staatsmacht geht mit Gewalt gegen Unabhängigkeitsbestrebungen vor

Frankreich hat nach Protesten in den englischsprachigen Provinzen Kameruns für eine Unabhängigkeit vom frankophonen Landesteil beide Seiten zur Mäßigung aufgerufen. Mindestens acht Menschen starben bei den Unruhen.

Kamerun - Proteste (Reuters/TV)

Aufmarsch der Polizei in Buea, der Hauptstadt der Provinz Südwest

"Wir rufen alle in den Konflikt verwickelten Akteure auf, sich ruhig zu verhalten und Gewalt zu vermeiden", sagte eine Sprecherin des französischen Außenministeriums in Paris. Frankreich verfolge die Entwicklung in Kamerun mit Sorge.

In den beiden englischsprachigen Provinzen an der Grenze zu Nigeria hatten Separatisten am Sonntag symbolisch einen eigenen Staat Ambazonien ausgerufen. Menschen hissten weißblau-gestreifte Fahnen, wie auf wackeligen Handy-Videos zu sehen ist. Daraufhin eskalierten die seit Monaten schwelenden Proteste.

Auch Amnesty International forderte ein sofortiges Ende der Gewalt. Die Menschenrechtsorganisation kritisierte die brutale Unterdrückung der Proteste für eine Unabhängigkeit von Kameruns englischsprachigem Landesteil.

Sicherheitskräfte töten acht Menschen

Journalisten in dem zentralafrikanischen Staat berichteten am Montag, die Armee sei mit äußerster Gewalt gegen die Demonstranten im Südwesten des Landes vorgegangen. Der Sender Voice of America meldete, gut 700 Protestierende hätten Regierungsgebäude und Polizeistationen in Ekok an der Grenze zu Nigeria gestürmt. Laut dem französischen Rundfunksender RFI handelte es sich vor allem jugendliche Demonstranten. Mindestens acht Menschen seien von Sicherheitskräften getötet worden, als sie für eine Teilung des Landes demonstrierten, berichtete der britische Sender BBC. Amnesty International berichtet von 17 Toten

Kameruns Regierung in Yaoundé lehnt Abspaltung "Ambazoniens" ab

Die Kameruner im englischsprachigen Landesteil machen ein Fünftel der Bevölkerung aus, sie fühlen sich in dem mehrheitlich französischsprachigen Land wirtschaftlich, politisch und gesellschaftlich seit Langem benachteiligt. Seit Monaten fordern die beiden englischsprachigen Provinzen Nord-West und Süd-West die Unabhängigkeit. Armee und Behörden waren schon in den vergangenen Wochen massiv gegen die Protestierenden vorgegangen und hatten zeitweise das Internet im ganzen Landesteil abgestellt.

Die Separatisten haben breite Unterstützung in der Region. Die kamerunische Regierung unter Langzeitpräsident Paul Biya lehnt die Unabhängigkeitsbestrebungen vehement ab. Biya regiert das Land seit fast 35 Jahren diktatorisch, ihm werden Vetternwirtschaft und Korruption vorgeworfen.

Kamerun mit seinen knapp 25 Millionen Einwohnern war bis zum Ende des Ersten Weltkrieges deutsche Kolonie. Anschließend teilten Frankreich und Großbritannien das Land unter sich auf. Am 1. Oktober 1961 kam es im Zuge der Unabhängigkeit zu einem Zusammenschluss. Der Norden der einstigen britischen Kolonie hatte jedoch mehrheitlich dafür gestimmt, Teil von Nigeria zu werden. Auch heute noch fühlen sich die englischsprachigen Kameruner Nigeria näher als ihrem eigenen Staat.

qu/uh (rtre, afpe, dpa, epd, APE)