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Aktuell Asien

Kambodscha gedenkt der Opfer der Roten Khmer

Mehr als 1000 Menschen haben am "Tag der Wut" in Kambodscha der vielen Opfer gedacht, die in den 1970er-Jahren durch die Roten Khmer umgebracht worden waren. Die Hinterbliebenen warten noch immer auf Gerechtigkeit.

Kambodschanische Studenten heben die Arme in die Luft (Foto: dapd)

Kambodscha Studenten Day of Anger

Rund zwei Millionen Tote gehen auf das Konto der Roten Khmer, viele von ihnen sind auf den sogenannten Killing Fields rund um die kambodschanische Hauptstadt Phnom Penh begraben. An einem dieser Massengräber in Choeung Ek haben am Sonntag mehr als 1000 Menschen der Toten gedacht. Am "Tag der Wut" verlangten sie Gerechtigkeit für die Gräueltaten der Roten Khmer, die angeführt von Pol Pot von 1975 bis 1979 ein streng kommunistisches Regime in Kambodscha installierten.

Die Roten Khmer wollten eine maoistische Bauerngesellschaft verwirklichen und trieben die Menschen aus den Städten aufs Land. Das Pol-Pot-Regime verdächtigte Hundertttausende als feindselige Agenten und richtete Arbeitslager und Hinrichtungsstätten ein. Tausende kamen durch Zwangsarbeit und Hungersnöte ums Leben. "Das erinnert mich hier an den Tag, an dem die Roten Khmer meinen Ehemann mitnahmen und töten", sagte Chuon Yorn, eine 62-jährige Kambodschanderin nach der Veranstaltung. "Ich will, dass die Führung der Roten Khmer eine gerechte Bestrafung erhält. Ich will schnelle Gerechtigkeit."

Behinderung der Justiz

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Pol Pot verstarb bereits 1998 und entging so einer Verurteilung. Ein UN-Tribunal, das bereits 1997 beschlossen wurde, soll die anderen Hauptverantwortlichen des Terrorregimes der Roten Khmer zur Verantwortung ziehen. Doch die Verfahren ziehen sich in die Länge. Erst 2009 begann der erste Prozess. Bislang hat das Tribunal nur einen Drahtzieher des Regimes verurteilt, Kaing Guek Eav, den Chef des Foltergefängnisses Tuol Sleng. Drei weiteren Angeklagten wird gerade der Prozess in Phnom Penh gemacht.

Bereits zwei ausländische Richter haben jedoch ihre Ämter niederglegt. Erst Anfang Mai verabschiedete sich der Schweizer Laurent Kasper-Ansermet mit schweren Anschuldigungen gegen den einheimischen Untersuchungsrichter des Tribunals. Er habe sich "unrechtmäßig eingemischt" in seine Arbeit. Kasper-Ansermet habe in einem "höchst feindselig gesinnten Umfeld" arbeiten müssen und sei bei der Ausübung seiner Pflichten ständig behindert worden.

Auch sein Vorgänger, der deutsche Richter Siegfried Blunk, war aus ähnlichen Gründen zurückgetreten. Die kambodschanische Regierung widersetzt sich seit langem dem Bestreben, weitere Verantwortliche zu belangen.

nis/wl (afp, dpa, dapd)

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