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Politik

Kaltes Zahlenwerk - die Toten des 11. Septembers

Geburtsort, Alter, Geschlecht, Hautfarbe - das nackte Zahlenwerk, das die New Yorker Gesundheitsbehörde jetzt veröffentlicht hat, ist in Wirklichkeit ein Profil des Todes. DW-Korrespondent Daniel Scheschkewitz berichtet.

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Neunzig Prozent der insgesamt 2825 Toten des Terroranschlags auf das New Yorker World Trade Center ist inzwischen ein Totenschein ausgestellt worden, aber nur ein Drittel von ihnen hat man anhand ihrer sterblichen Überreste identifiziert. Auch wenn die meisten Hinterbliebenen vermutlich auf immer vergeblich auf die Bergung der Leichenteile ihrer Angehörigen werden warten müssen, wissen die Chronisten des Terrors nun einiges mehr.

Die meisten waren New Yorker

Zum Beispiel, dass die lange angenommene Hypothese, eine besonders hohe Zahl von Toten seien ausländische Geschäftsleute oder Touristen gewesen, offenbar falsch war. Die meisten von denen, die sich an jenem Morgen des Grauens im World Trade Center aufhielten, waren routinemäßig an ihren Arbeitsplätzen oder auf dem Weg dorthin und kamen größtenteils aus New York oder New Jersey. Spiegelbildlich zur multikulturellen Zusamensetzung des “Big Apple“ hatten viele ihre Wurzeln allerdings in anderen Teilen der Welt. In Indien, im Vereingten Königreich, in der Karibik und in Lateinamerika - einige wenige auch in Kontinentaleuropa. Die überwiegende Zahl der Toten waren Männer im Alter zwischen 35 und 39, was im Umkehrschluss ermessen läßt, wieviele junge Frauen mit Kindern die Flugzeugattentäter zu Witwen gemacht haben. Das jüngste Opfer, Christine Lee Hanson aus Massachusettes, war erst zweieinhalb. Sie starb zusammen mit ihren Eltern an Bord der Boeing 767, die in den Südturm des Welthandelszentrums krachte. Auch Robert Norton, mit 85 das älteste Opfer, wollte Verwandte in Kalifornien besuchen. Er saß im anderen Todesflieger, der in den Nordturm des WTO einschlug.

Denkmal für die Feuerwehrleute

Die New Yorker Opfer deckten nicht nur alle Altersgruppen ab, sondern kamen auch aus allen gesellschaftlichen Schichten. Unter den Trümmern der Zwillingstürme begraben wurden sie alle: die reichen Banker aus Manhatten - 330 Totenscheine - ebenso wie die armen Putzkräfte aus der Bronx, 89 Totenscheine. Nicht zu vergessen die vielen Polizisten, Rettungskräfte und Feuerwehrleute, die übrigens ein eigenes Denkmal erhalten sollen.

Auf allen Totenscheinen steht "Totschlag" und nicht Mord, weil der auch nach dem amerikanischen Rechtswesen das gezielt geplante Töten einer bestimmten Person voraussetzt.

In wenigen Wochen werden die Aufräumungsarbeiten am Ground Zero beendet sein. Der ursprünglich zehn Stockwerke hohe Schutt ist fast vollständig abgetragen. Die Tage sind inzwischen wieder genauso warm geworden wie jener Spätsommertag im September. Doch für die vielen Feuerwehrleute und anderen Freiwilligen, die seit dem 11. September Tag für Tag gekommen sind, um im Schutt des World Trade Centers nach ihren Angehörigen zu suchen, wird sich demnächst mit dem Abschluss der Aufräumarbeiten ein noch viel größeres Loch auftun - dann nämlich wenn das Suchen vorbei ist und auch für sie die eigentliche Trauerarbeit beginnt.

  • Datum 22.04.2002
  • Autorin/Autor Daniel Scheschkewitz
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  • Permalink http://p.dw.com/p/26sV
  • Datum 22.04.2002
  • Autorin/Autor Daniel Scheschkewitz
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